Kultur

Rüdiger Joswig (l.) als Oberon und Michael Kargus als Puck. (Foto: Luisenburg-Festspiele/Florian Miedl)

03.07.2015

Verzauberte Verliebte im Felsenlabyrinth

Luisenburg; Eröffnung der Jubiläumssaison mit "Ein Sommernachtstraum"

Das zehnte Mal schon steht Shakespeares Ein Sommernachtstraum auf dem Programm der Naturbühne bei Wunsiedel. Gegeben wird eine echte „Bearbeitung“ von Michael Lerchenberg, dem Intendanten der Luisenburg-Festspiele, der gleichzeitig auch für die Regie verantwortlich zeichnet.
Schon vor Beginn der Aufführung reibt sich der Zuschauer die Augen, liegen doch tatsächlich noch ein paar (Plastik-)Felsen mehr auf der Bühne herum als von der Natur üppig vorgegeben. Auch die abgenagten Baumstämme und Wurzelstöcke zitieren ironisch den Athener Wald des Stücks und die natürliche Kulisse der Bühne. Auf den allfälligen Hochzeitsmarsch Mendelssohns wird bewusst verzichtet zugunsten der Musik von Carl Orff und Henry Purcell.
Den meisten Gewinn zieht die Lerchenberg-Inszenierung zweifelsohne aus der gelungenen Neuübersetzung, die den temporeichen Bühnenabläufen eine ebenso rasante Sprechweise an die Seite stellt. Ganz besonders profitieren davon die Dialoge der vier verquer und verzagt, verhasst und verboten Liebenden Hermia und Lysander sowie Helena und Demetrius. Die durch Pucks Wunderblumensaft Verzauberten vermitteln mit Wendungen wie „Leine ziehen“, herumsülzen“ und „dumme Nuss“ glaubhafter ihre verwirrten Gefühle als mit romantischen Floskeln, was dem Energiebündel Katherina Sattler als Hermia besonders gut taugt.
Neben dem quirligen Michael Kargus als Waldgeist Puck setzen die schauspielernden Handwerker der Aufführung Glanzlichter auf. Die sechs mehr mit naivem Enthusiasmus als mit fundiertem Talent ausgestatteten Theaterbegeisterten wurden vom Regisseur auf die historische Wunsiedler Situation des Jubiläumsjahrs 1890 angepasst, sodass nicht nur eine köstliche Variante der „Pyramus-und Thisbe“-Tragödie gelingt, sondern auch eine Reminiszenz an die Ursprünge der Luisenburg-Festspiele erfolgt.
Die zahlreichen Anspielungen auf weitere Dramen Shakespeares und das Intendantenstatement „Eine Lederhose kommt mir nicht auf die Bühne!“ aus dem Munde von Professor Hacker alias Peter Squenz vervollständigen die durchdachte Luisenburg-Adaption. Alles in allem: Eine dem 125-Jahre-Jubiläum adäquate Inszenierung voller Tempo, geistreicher Sprache und allseitiger Spielfreude. Verdienter langer Beifall. (Horst Pöhlmann)

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