Kultur

Der Zahntempel, an dem der Monsun "nagt". Außerdem ist dieses buddhistische Heiligtum durch Erdbeben gefährdet. Auch die Zerstörung durch Terroristen ist nicht ausgeschlossen.

29.09.2015

Virtuelle Rettung

Auswärtiges Amt unterstützt Uni Bamberg beim 3D-Scan des Zahntempels in Sri Lanka

Kulturelles Erbe bewahren - nicht nur in Bayern: die Uni Bamberg tut das zum Beispiel in Sri Lanka mit der 3D-Digitalisierung des Zahntempels in Kandy. Ein außerordentliches Projekt - Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat num vor Ort in Sri Lanka angekündigt, dass das Auswärtige Amt die Uni Bamberg dabei unterstützen wird.

Schäden durch Monsun und Terror

Der Sri Dalada Maligawa, zu Deutsch der „Ehrwürdige Tempel der Zahnreliquie“ ist eine heilige Stätte des Buddhismus und bedeutendste Pilgerstätte des Landes. Die Legende berichtet, dass einst eine indische Prinzessin namens Hemamala nach Sri Lanka flüchtete und dabei den linken Eckzahn des historischen Buddha, Siddharta Gautama, in ihrer Haarspange versteckte. 1988 wurde die Altstadt von Kandy zusammen mit dem Zahntempel in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

Der Zahntempel ist durch Erdbeben, Monsunregen und die Folge terroristischer Anschläge akut gefährdet. Er soll nun über die eigene Webseite auch virtuell präsentiert werden.

Im April 2014 war der Bamberger Wissenschaftler Max Rahrig in der Tempelanlage aktiv, um eine erste Bestandsaufnahme, Vermessung und 3D-Digitalisierung vorzunehmen. Ein zweiter Besuch erfolgte im September 2014 mit Rainer Drewello, Professor für Restaurierungswissenschaften in der Baudenkmalpflege, im Zuge der Beantragung eines gemeinsam geplanten EU-Vorhabens mit dem Postgraduate Institute of Archaeology (PGIAR) der srilankischen Universität Kelaniya in Colombo. Rainer Drewello: „In der Herzkammer des buddhistischen Heiligtums tätig werden dürfen, ist mehr als eine Auszeichnung. Letztlich sollen die singhalesischen Partner befähigt werden, ihr Schicksal im Zerstörungsfall unter Verwendung zeitgemäßer Techniken in die eigenen Hände zu nehmen.“

Feinste Schnitzereien sichtbar

Bei den ersten Aufenthalten wurde ein Nebengebäude gescannt, in dem sich eine Touristeninformation befindet. Der 3D-Scanner aus Bamberg, den Rahrig benutzt, erinnert optisch ein wenig an Blitzgeräte für Geschwindigkeitskontrollen. Je nach Auflösung dauert eine Scan-Phase, also eine 360-Grad-Drehung des Geräts, bis zu 30 Minuten. „Wir reden hier von einigen Milliarden Punkten, die vermessen wurden. Es sollen ja auch feine Schnitzereien aufgenommen werden, damit man auch sie in der 3D-Dokumentation sehen kann“, erklärt Rahrig.

Im nächsten Schritt soll ab November 2015 der Kernbereich der Tempelanlage mit Bundesmitteln gescannt werden. Die Scan- und Auswertephase vor Ort wird etwa vier Wochen dauern, die Auswertung der Daten soll bis Juni 2016 abgeschlossen sein. Anschließend wird die Tempelkommission über eine Gesamtdokumentation des Tempels befinden. „Die 3D-Erfassung ist zur Präsentation für Touristen interessant, etwa als ein virtueller Rundgang durch den Tempel“, sagt Rahrig. Aber zunächst gehe es vor allem um eine Bestandserfassung. „Deshalb ist ein Ziel unseres Projektes, den Ist-Zustand festzuhalten. Im schlimmsten Fall könnten dann Bruchstücke des Gebäudes nach einem Anschlag virtuell wieder zusammengesetzt und der architektonische Rahmen rekonstruiert werden“, erklärt Rahrig. (BSZ)

Weitere Informationen unter:
www.uni-bamberg.de/kommunikation/news/artikel/srilanka_scan/

Abbildung:
Max Rahrig von der Universität Bamberg mit dem 3D-Sanner.

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