Kultur

Geradezu glühend: "N.L.XXII" lautet der kryptische Titel Fred Thielers für dieses Bild. (Foto: Gotteswinter)

12.08.2011

Wie von selbst gemalt

Fred Thielers Informel-Bilder in der Kunsthalle Schweinfurt

Damit sich ihre Faszination voll entfalten kann, benötigen dieFarbbilder von Fred Thieler (1916 bis 1999) viel Platz. Im hohen weiten Saal der Kunsthalle Schweinfurt kommen die Werke dieses bedeutenden Vertreters des deutschen Informel bestens zur Geltung. Der in Königsberg geborene Thieler, als Halbjude von den Nazis verfolgt, musste fast vier Jahre ein Leben versteckt im Untergrund führen, beteiligte sich am Widerstand und konnte erst 1946 mit dem Kunststudium in München beginnen.
Vielleicht aufgrund dieser Erlebnisse wollte er sich ideologisch nie festlegen – auch nicht in seinem Kunstschaffen. Offenheit für alles, Beweglichkeit und Bewegung rund um eine Mitte macht man deshalb oft in seinen Bildern aus – und Farben, die einen geradezu hineinziehen ins Ganze.
Thieler, nach seinem Studium Mitglied der Künstlergruppe Zen 49, ab 1959 Professor an der Hochschule für Bildende Künste Berlin, begann mit Werken, auf denen die Linie Bewegung ins Ganze bringt. Ab den 1960er Jahren arbeitete er mit Schütt-Technik: Er goss Farben auf das am Boden liegende Bild, der Farbstrom breitete sich aus – vom Künstler nur in Maßen gesteuert: „Ich male meine Bilder nicht. Sie malen sich von selbst.“
In dieser Mischung aus Komposition und Zufall atmen die Werke eine besondere innere Spannung, es entstanden Bilder von großer Raumtiefe: Ein Blau scheint nach vorne zu schweben, zurückgehalten von Schwarz. Mulmiges, Flächiges, Zerfließendes ist kombiniert mit Stockendem, Krustigem, wie Hingetupften, mit Dickem, Zähen, genauso wie Hell oder Dunkel die Mitte dominieren. Manches scheint nach außen zu drängen, wieder anderes sich in die Mitte zusammenzuziehen.
Bei früheren Werken überschneiden schwungvolle Linien ruhigere Zonen. Immer scheint Gegensätzliches mitgedacht. Die Farben, oft gemischt, wirken nie grell, harmonieren trotz intensiver Ausstrahlung immer miteinander; Leben bekommen sie durch Schichtungen, durch Verflüssigung, Transparenzen, durch innere Bewegung. (Renate Freyeisen)

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