Kultur

Das Bild "Familie beim Frühstück" entstand 1903. (Foto: Museum moderner Kunst)

23.12.2011

Wiederentdeckung eines deutschen Impressionisten

Das Museum Moderner Kunst in Passau zeigt Gemälde und Grafiken von Robert Sterl

Die Leiterin des Museums Moderner Kunst in Passau, Josephine Gabler, musste „nur um die Ecke“, um große Teile der Exponate für die Ausstellung des deutschen Impressionisten Robert Sterl aus dem Privatnachlass Heinrich Becker in Passau ins Haus zu holen. Das Museum Moderner Kunst empfiehlt sich hier wiederum als Adresse für die Klassische Moderne.
Heinrich Becker (1881 bis 1972), der sich im „Städtischen Kunsthaus Bielefeld“ um die Kunst verdient gemacht hatte und durch Ausstellungen und Ankäufe zeitgenössischer Kunst die Städtische Kunstsammlung erweiterte, hat sich vor allem um das Werk Robert Sterls verdient gemacht und dazu unter anderem ein Grafik-Verzeichnis erstellt. Nach seiner Entlassung 1933 durch die Nationalsozialisten konnte er nach Kriegsende das Museum wieder leiten und die Ausstellungsarbeit weiterführen.
Ergänzt werden die grafischen Arbeiten in der Ausstellung durch Gemälde und Zeichnungen aus dem Robert-Sterl-Haus in Strubben. Robert Sterl, ein bedeutender Vertreter des deutschen Impressionismus, der zeitlebens zurückgezogen in Dresden arbeitete, erfuhr in letzter Zeit durch Ausstellungen in Dresden und Chemnitz große Aufmerksamkeit. Die Ausstellung im Museum Moderner Kunst in Passau kann gegenüber den Vorgängerausstellungen mit einem Schwerpunkt an Grafik aus der Privatsammlung aufwarten.
Für Robert Sterl, wie auch für Max Liebermann oder Lovis Corinth, war weniger die atmosphärische Leichtigkeit eines Renoir oder Monet erstrebenswert, vielmehr orientierte er sich an dem neuen Blick auf die Landschaft der „Schule von Barbizon“ und an den Arbeitermotiven von Jean-Francois Millet oder Gustave Courbet.
Der Künstler, der vor allem durch seine Porträts in Dresden bekannt wurde, war als Sohn eines Steinmetzes schon früh mit der Welt der Steinbrecher konfrontiert. Dieses Motiv aus dem Arbeitsalltag im Steinbruch, mit dem er 1893 eine Publikation illustrieren sollte, bleibt über Jahre hinweg ein Themenschwerpunkt wie auch die Schiffszieher an der Elbe. Um 1900 kamen Szenen aus der Landarbeit hinzu, die er zu lebendigen, dichten Bildern verarbeitete. Sein Stil ist geprägt von einem temperamentvollen bis heftigen Duktus und ausdrucksvollen Licht-Schattenwirkungen. Vor allem aber waren seine mehrfachen Reisen nach Russland impulsgebend. Durch seine Freundschaft mit dem deutsch-russischen Musikverleger Nikolai von Struwe lernte Sterl Dirigenten und Musiker kennen, die er mit schmissigem Strich in lebendigen Skizzen festhielt. (Ines Kohl)

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