Kultur

Fetzige Musik, gut trainierte Tänzer: "Carmencita" allein lohnt den Ballettabend. (Foto: Theater Regensburg)

09.11.2012

Witziges Powackeln

Yuki Moris Einstand als Regensburger Tanzchef

Er musste am längsten mit seinem Einstand warten: Bei der Runderneuerung am Theater Regensburg kam Yuki Mori als künstlerischer Leiter der Tanzsparte erst jetzt zum Zug. Spannend war dabei die Frage: Wie würde das von Vorgänger Olaf Schmidt mit Kulinarik und Handlungsballetten angefütterte Publikum auf diesen eher asketisch anmutenden Japaner mit langer deutscher Vergangenheit reagieren und auf sein pausenzerhacktes Zwei-Stunden-Projekt Zeit. Raum!? Mit dem hält sich Mori im eigenen Bühnenbild zwar an das vom Intendanten ausgegebene Spielzeit-Motto. Was man aber bei der Uraufführung seiner beiden Tanzstücke Incantations und Der schwarze Regen sieht, sind elaborierte Kopfgeburten mehr oder weniger abstrakten, schwer entschlüsselbaren Balletts, das unter alle möglichen Überschriften genauso passen würde.

Japanische Wurzeln

Ziemlich frugal beginnt Incantations mit Bewegungsriten zwischen Mann und Frau. Erst mit der Musik von Argerich-Klavierpartner Alexandre Rabinovich nimmt das Stück Fahrt auf, erweitert sich das Bewegungsrepertoire der Compagnie – bei ziemlich verbesserungsbedürftiger Synchronisierung der Tänzer. Da hat Mori seine Truppe noch nicht in Übereinstimmung mit seinen Ansprüchen gebracht.
Einiges Aparte überzeugt, man begegnet Erinnerungen an Moris Zeit bei Daniela Kurz in Nürnberg, seinen japanischen Wurzeln, die dem Stück frischen Drive geben – besonders der Intensität der beiden japanischen Tänzer im Ensemble, die über die Bühne des Velodroms fegen: Harumi Takeuchi und dem hingebungsvollen, aggressiv-artistischen Shota Inoue.
Danach eine schwierig zu realisierende Verbindung von Hiroshima und Arthur Schnitzlers Traumnovelle: Ein schwarzes Paar der Realität, ein graues Paar der erotischen Träume und Obsessionen – das teilt sich vor einer hin- und hergeschobenen schwarzen Wand so einfach nicht mit.
Ganz im Gegensatz zu dem Stück, das zurecht den meisten Applaus bekam – aber nicht von Yuki Mori ist, sondern von Stephan Thoss, in dessen Wiesbadener Compagnie Mori getanzt hat: In Carmencita sitzt die Generation verrenteter Opernfans auf dem großen Plüschsofa und tanzt sich eins zu fetzigen Arien. Immer wieder schreitet die Opernmuse mit Kronleuchter und Offenbachs Geisterchor über die Bühne und schüttelt wie alle anderen den kerzenerleuchteten Kopf über die Außenseiterin, die ihre Tanzarie über Musik von Bernd Alois Zimmermann abliefert.
Eine witzige, unterhaltsame Sache mit gut trainierten Tänzern (auch mit dem fabelhaften Inoue als Rigoletto): Sie allein lohnt den Abend. So viel powackelnden Witz hat man in Regensburg selten gesehen. (Uwe Mitsching)

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