Kultur

Heimat lässt immer auch Flucht assoziieren – so wie bei dieser Fotografie von Andrej Krementschouk, die "Vor dem Regen" betitelt ist. (Foto: KOG)

11.07.2014

Wo das Herz ist

Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg zeigt fotografische Annäherungen an den Begriff "Heimat"

Was ist Heimat? Gute Frage. Viel wurde der Begriff schon strapaziert. So viele Fragen, so viele Antworten. Auffallend ist jedenfalls: Je nomadischer die Gesellschaften werden, desto virulenter wird die Frage nach dem, was der Einzelne unter Heimat versteht.
Für das Kunstforum Ostdeutsche Galerie ist das Thema „Heimat“ quasi maßgeschneidert – der Stiftungsauftrag des Museums ist auf das künstlerische Erbe der ehemaligen deutschen Gebiete im Osten und den kreativen Austausch zwischen Ost und West heute ausgerichtet. Durch die Folgen des Zweiten Weltkrieges stellt sich die Frage für jede Generation seither immer wieder neu. Mit der Vergrößerung des zeitlichen Abstands verändert sich die Vorstellung von dem, was „Heimat“ sein kann.

Aus eigener Erfahrung

13 FotografInnen aus Bulgarien, Deutschland, Rumänien, Russland und Tschechien zeigen ihre unterschiedlichen Aspekte auf den Begriff. Die Ausstellung gliedert sich in zwei Teile. Unter dem Thema „Heimatverlust und neue Heimaten“ stellt sich eine Generation vor, die noch mit der Verlust-Erfahrung durch die Folgen des Zweiten Weltkrieges konfrontiert ist.

Frank Mädler und Wiebke Loeper gehen auf Spurensuche in der eigenen Familie. Loeper präsentiert eine ganz spezielle Situation, die durch die Trennung der Familie über Kontinente zustande kam und für den Betrachter partiell Züge eines Thrillers annimmt. Einen ähnlich suchenden Blick, der fasziniert, wirft Tomás Pospech auf sein tschechisches Heimatland und spürt dort ganz aktuell der Unterscheidung von Nationalität und Heimat nach.
Der zweite Teil der Ausstellung beleuchtet mit der Frage nach „Heimat heute?“ die Entwicklung seit 1989 – mit Blick von Innen und Blick von Außen. Andrej Krementschouk spürt in schmerzhaft schönen Bildern dem Sterben nach und versucht so, sich der Vergänglichkeit zu widersetzen und die eigene Angst vor dem Tod zu bekämpfen.
Aus einem anderen Blickwinkel wird Heimat wie ein Ort von außen betrachtet: Man bleibt distanziert, verwundert, befremdet von dem, was „Heimat“ sein soll. Ratlosigkeit, Fassungslosigkeit, ja Scham machen sich breit, schaut man auf die Bilder von Annette Hauschild, die das Leben der Roma ins Visier nimmt, oder bei Ingar Krauss, die Wanderarbeiteter porträtierte, die „heutigen Helden der Arbeit“. Der Blick des Fotografen lenkt den Blick des Betrachters auf Dinge, Situationen, Szenarien, Verhältnisse, die er wohl schon einmal gesehen, aber nicht wirklich wahrgenommen hat.
Den Ausstellungstitel Heimat? hat das Kunstforum Ostdeutsche Galerie ist mit einem Fragezeichen versehen. Die vielschichtige Antwort: Heimat kann überall sein, sie verfolgt einen, sie kann aber auch aus dem Blick verschwinden. (Ines Kohl)

Bis 7. September. Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Dr.-Johann-Maier-Str. 5, 93049 Regensburg. Di. bis So. 10 – 17 Uhr, Do. 10 – 20 Uhr.
www.kunstforum.net

Abbildung (Foto: KOG)
Blau – die Farbe der Hoffnung? Blue Spoon von Jessica Backhaus.

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