Kultur

18.02.2011

Zahle mit Sex für ein neues Gewächshaus

Edward Albees "Alles im Garten" als flotte Boulevardgroteske im Theater Fürth

„Geld ist nicht alles, aber alles ist nichts ohne Geld“, sagt sich Jenny, Hausfrau und Mutter, in ihrem Vorstadtgarten, in dem nur noch ein Gewächshaus fehlt. Damit könnten sie und ihr Ehemann, der sich nichts sehnlicher als einen roten Rasentraktor wünscht, endlich mit den Nachbarn gleichziehen, die alles haben, was sie nicht haben.
So lässt der amerikanische Erfolgsdramatiker Edward Albee (Wer hat Angst vor Virginia Woolf?) seine selten gespielte Komödie Alles im Garten anfangen. Jetzt stellte das Stadttheater Fürth das Stück von 1967 als flotte Boulevardgroteske auf die Bühne – eine umjubelte, von Alice Asper inszenierte Eigenproduktion, die zum Publikumsrenner werden könnte. Das liegt vor allem an vier Schauspielern, die chargieren, was das Zeug hält und die Lachmuskeln der Zuschauer hergeben. Denn Ruth Spichtig als erst pummelige, dann sich zur attraktiven Blondine mausernde Jenny gibt für ihren Garten nebst Gatten alles – und sei es sich selbst – hin. Nicht Sex and the City, sondern Sex für den Garten, was natürlich ihr liebenswerter, aber leicht vertrottelter Ehemann Richard (herrlich naiv: Oliver Bode) nicht wissen darf. Bis der millionenschwere Hausfreund Jack, den Hartmut Volle souverän als versoffener Playboy-Verschnitt dahinschnoddert, den Schwindel aufdeckt und nicht nur Jenny, sondern auch ihre ebenso im anrüchigen Nebenerwerb tätigen Nachbarinnen auffliegen lässt. Das freilich bezahlt er mit dem Leben, denn „Madame“, die Chefin des Etablissements (von Michaela Domes wunderbar karikiert), und die Ehegatten wollen das Edelbordell mit ihren geld- und statussüchtigen Ehegattinnen weiter betreiben – und so endet „alles im Garten“, in dem im wahrsten Sinn des Wortes Gras über die Leiche wächst.
Der amüsant-witzigen Inszenierung setzte der weit über die Region hinaus renommierte Künstler Oliver Boberg, der sich erstmals als Bühnenbildner versuchte, die idyllisch überzogene Krone auf und siedelte seinen Bilderbuchgarten farbenfroh zwischen Kitsch und Kunst an. (Friedrich J. Bröder)

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