Kultur

Armide, die Zauberin (Annette Constanze Kroll). Im Hintergrund: Willibald, der Wurzelzwerg. (Foto: Jutta Missbach)

02.03.2012

Zickenkrieg im Zauberreich

Das Nürnberger Staatstheater eröffnet die 4. Gluck-Festspielwochen mit einer Kinderoper

Lilifee ist nicht dabei, aber Lully-Fee spielt mit. Das Staatstheater Nürnberg weiß, was sich Kinder wünschen. Damit wurde sodann auch das Jahr der 4. Gluck-Festspiele eröffnet. Vom Oberpfälzer Komponisten (2014 wird der 300. Geburtstag gefeiert) ist außer ein bisschen barockem Kostümplunder in Armide oder Zickenkrieg im Zauberreich eine gute Stunde Musik-Pasticcio übrig geblieben – von den fünf Akten um Ritter Rinaldo und die verliebte Zauberin so gut wie nichts.
Dafür heißen die Personen wie bei den Glucks daheim: Christoph ist das Objekt der zauberischen Begierde, Willibald ein verzauberter Wurzelzwerg, Marianne (so wie Glucks Gattin) das Mädchen aus dem Publikum, die ihren Freund sucht. Derweilen ist der aber schon zum Schwein verwandelt, was die große Spezialität von Armide ist.
Wiebke Hetmanek und Johann Casimir Eule geben als Autoren dagegen das Motto aus, die Menschen nicht zu ver-, sondern zu bezaubern. Ulrich Proschka hat die simple Botschaft aus dem barocken Zauberreich in einem Laubsägesalon immer die Rampe entlang in Szene gesetzt. Ein Mini-Orchesterchen spielt – mal schauerlich, mal wiedererkennbar – unter der Leitung von Christian Hutter. Studenten der Nürnberger Musikhochschule singen ganz beachtlich und zeigen Bühnenpräsenz, wie sie sich erst kürzlich in Händels Version des Stoffs (Rinaldo) bewährt hatte.


Das Publikum zaubert mit


Die Kinder müssen gut zuhören, wenn der verwunschene Wurzelzwerg immer genau das Gegenteil von dem sagt, was er meint. Armides Zaubersprüche stammen nicht aus dem Orient, sondern aus dem Italienischen und heißen „lamentoso“ oder „tranquillo“. Geschickter Schachzug jedes Kinderoper-Kasperltheaters: Das Mitmachlied, mit dem alles wieder entzaubert wird. Zusätzlich schaut man besser im Zauberbuch nach: Da ist dann mit einem Griff in den Kostümfundus Armide verdoppelt, das Orchester spielt furioso und der Zauberstab ist zerknickt. Dafür wird aus dem Wurzelzwerg ein Prinz, der im lieto-fine-Finale mitsingen darf.
In einer Studie für Salzburger Mozarteum hat man festgestellt, was ein gutes „Kinderkonzert“ ausmacht: Höchstens eine Stunde Dauer, kurze Konzentrationseinheiten, ein Moderator und viel körperliche Bewegung. Dreimal wird diese Kinder-Armide auch zu den Gluck-Festspielen (20. bis 28. Juli) gegeben, deren Programm Staatsintendant Peter Theiler jetzt vorstellte. Ein bisschen Bewegung lässt sich auch hier ausmachen. Bei einer Champagnermatinée nach Münchner Vorbild die Barockoper im Schwimmbad: Ezio als szenische Erstaufführung der Prager Fassung.
Überhaupt werden im Motto Gluck, Prag und die Antike zusammengewürfelt: Aus Tschechien kommt fürs Eröffnungskonzert das „Collegium 1704“, für die Antike wird „Elektra“ von Richard Strauss aus dem laufenden Spielplan geholt oder Medea in Prag musikalisch-szenisch umgesetzt. Nürnbergs Ballett-Chef Goyo Montero präsentiert sein Don Juan-Ballett.
Als Top-Ereignis wird die erste Aufführung von Johann Christoph Vogels Das Goldene Vlies seit der Entstehungszeit angekündigt: Vogel war Nürnberger, wurde in Paris gefeiert, und Hervé Niquet wird dazu sein Concert spirituel dirigieren – eine Gluck & Co-Woche, mit der man sich festspielkalendermäßig zwischen Bayreuth und Salzburg positionieren will. (Uwe Mitsching)

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