Kultur

Franz Welser-Möst dirigiert im Regensburger Audimax das Cleveland Orchestra. (Foto: Chris Christodoulou)

26.10.2015

Zum Jubiläum das Beste

30. Jahre Odeon-Concerte in Regensburg

Die Konzertsaal-Diskussion liegt in Regensburg bei den Akten. Man stellt weiterhin einfach ein paar Rollcontainer für Kasse und Programmverkauf ins Audimax der Universität und seinen Prosecco auf die Betonbrüstung. Es gibt sicher kein ungemütlicheres Foyer weltweit, aber der steil ansteigende Saal mit bequemen Stühlen und bester Sicht von allen Plätzen ist trotzdem ausverkauft, wenn die Odeon-Concerte ihren 30. Geburtstag feiern: einen Tag vor München mit dem fabelhaften Cleveland Orchestra. Das gehört längst zu den „big five“ der USA, manche Kritiker halten es für das Beste neben Chicago, Boston, New York und Philadelphia, für das „europäischste“ oder gar für ein „orchestra of angels“.
Seit 2002 formt und dirigiert es Franz Welser-Möst, damit Nachfolger von Leinsdorf oder Szell. Und er weiß, was er (neben den Wiener Philharmonikern) an ihm hat: mit diesem wirklich engelsgleichen Klang, der den Musikern aus Ohio so schnell keiner nachmacht. Und der besonders gut zu diesem Programm passt, das man mitgebracht hat: für München die Tondichtung „Also sprach Zarathustra“, für Regensburg „Eine Alpensinfonie“. Mit der stellt man sich offenbar ganz bewusst der Tradition etwa der Münchner Philharmoniker mit Thielemann oder der Berliner noch mit Karajan. So schroff und geradezu gefährlich manche orchestralen und philosophischen Gipfel da aufragen, am großartigsten gelingen dem Cleveland Orchestra die Momente der atemlosen Stille, des dramaturgisch genial phrasierten Innehaltens.

Raffinesse der Klang-Dichtung

Es geht Welser-Möst nicht um alpine Bizarrerie, für die das Orchester ohnehin genug Kraft hat, sondern um die Raffinesse dieser Klang-Dichtung, um Bezüge zu „Rosenkavalier“ oder „Ariadne“. Deswegen wohl auch inszeniert er Momente intensiven Pulsierens, der „Stille“ vor dem Sturm, und mit der Feierlichkeit des Sonnenuntergangs ist man endgültig Cleveland-süchtig geworden. Begonnen hatte das Orchester-Narkotikum schon eine halbe Stunde vor Beginn: da sitzen die Musiker wie in den USA üblich schon auf dem Podium, spielen sich im und nicht hinter dem Saal ein. Kurz vor Acht packt die Hälfte wieder ein, denn für Mozarts „Jupiter“-Symphonie braucht man nicht die ganze Hundertschaft, wenn Welser-Möst diesen warmen, weichen Cleveland-Angels-Klang zaubert, die Kontraste keineswegs aufeinanderknallen lässt, sondern ineinander fließen lässt.
Welser-Möst profitiert von der intensiven, individuellen Gestaltungskraft dieser Musiker, der exzellenten Holzbläser, der Antrittskraft der neun Kontrabassisten, von der wunderbaren Solohornistin. Alles klingt filigran, nie blutleer – und Welser-Möst verlässt das Podium mit einem glücklichen Lächeln. Diesen abgrundtiefen Zauber setzt sehr viel später auch die Zugabe fort: die „Mondscheinmusik“ aus der Oper „Capriccio“ von Strauss – „Abschied von Schönheit“ und zum Niederknien schön. (Uwe Mitsching)

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