Kultur

Michaela Steiger als Laura. (Foto: Konrad Fersterer)

28.10.2015

Zweigeteilter Theaterabend

„Opening Night: Alles über Laura“ im Münchner Marstall

So richtig versteht man’s nicht, wie das alles zusammenhängt an diesem zweigeteilten Theaterabend. Aber das macht nichts, man muss es gar nicht verstehen. Denn das Vage, nur entfernt Erahnbare, das verunsichert und zugleich als Rätsel fasziniert, ist der Stoff, aus dem die Theaterträume von Bernhard Mikeska (Regie), Lothar Kittstein und Alexandra Althoff sind. Zu erleben war das bereits in dem grandiosen Projekt Euridice: Noir Désir, bei dem das Trio die Zuschauer durch die Katakomben der Münchner Residenz schickte. Ganz so genial wie dieses kaum zu toppende Keller-Theater ist das jüngste Werk Opening Night: Alles über Laura nicht, aber immer noch faszinierend genug.
Diesmal wird das Publikum in zwei Gruppen geteilt, die verschiedene Vorführungen an zwei durch eine Wand getrennten Spielorten im Marstall erleben. Nach der Pause tauschen die Gruppen die Räume und sehen den jeweils anderen Teil bis am Ende die Trennwand hochfährt und in einem gemeinsamen Finale die Handlungen zusammengeführt werden.

Die Suite eines angestaubten Nobelhotels


Die gelungenere Hälfte ist quasi im Wohnzimmer angesiedelt, wo die Zuschauer am Rand auf Tuchfühlung mit den Schauspielerinnen sitzen. Das Setting stellt die Suite eines angestaubten Nobelhotels dar, dessen Ausstattung den Luxus von vorgestern repräsentiert, eine Interieur-Symphonie in Creme und Rot, Schleiflack und Plüsch. Hier ist die Schauspielerin Laura abgestiegen, ein ebenfalls in die Jahre gekommener Star, zusammen mit ihrer Assistentin Hannah. Michaela Steiger changiert als Laura ganz umwerfend zwischen launischer Diva und zerknirschter Alkoholikerin. Mal behandelt sie Hannah (Valerie Pachner) wie eine Freundin, mal kommandiert sie die Assistentin zickig herum, dann wieder ist plötzlich Hannah die strenge Aufpasserin, und einmal unterbrechen die beiden ihren Machtkampf für eine homoerotische Annäherung.
Irgendwie geht es bei dieser Geisterfahrt durchs verminte Diven-Gelände darum, dass Laura die Hauptrolle im Remake eines Films übernehmen soll, in dessen Original sie vor 30 Jahren eine Nebenrolle spielte. Außerdem geht es um ein siebzehnjähriges Mädchen, das in einer Regennacht vom Auto überfahren wird, was aber vielleicht nur eine Szene jenes Films war. Denn eben das ist das eigentliche Thema des Abends: das Verschwimmen der Grenzen zwischen Rolle und Leben, Film und Wirklichkeit.
Sind es nur die Drehbuchtexte, die Laura und Hannah hier proben, was ist Ernst, was Spiel? Großartig, wie trotz der realistischen Darstellungsweise alles allmählich ins Irreale verschwebt – eine Stimmung wie im Traum, wo auch die Details ganz vertraut sind, aber zugleich die Unwirklichkeit des Ganzen dräuende Präsenz gewinnt.
Der andere Teil des Abends, mit Hanna Scheibe als zerbrechlicher Star-Actrice, klebt leider zu nahe an der Stoff-Vorlage, John Cassavetes’ psychologisch verschwurbeltem Film Opening Night, um jenen Zauber atmosphärischer Evokation zu entfalten, der den Arbeiten von Mikeska und Co. ihren unerhörten Reiz gibt. (Alexander Altmann)

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