Landtag

Für manche Jugendliche beginnt das Berufsleben mit dem Gang zum Arbeitsamt. (Foto: dapd)

15.04.2011

Atypische Beschäftigungsverhältnisse bekämpfen

Bericht des Sozialministeriums zu jugendlicher Arbeitslosigkeit

Die SPD hat im Sozialausschuss des Landtags mehr Engagement der Staatsregierung bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und so genannter „atypischer Beschäftigungsverhältnisse“ gefordert. Letztere seien vor allem für gut ausgebildete Jugendliche mit zum Teil sogar akademischen Abschlüssen ein zunehmendes Problem, erklärte die SPD-Sozialpolitikerin Angelika Weikert. Immer mehr junge Menschen würden beim Berufseinstieg mit billigen Praktika oder schlecht bezahlten Zeitverträgen abgespeist. „Diese jungen Leute bekommen damit in der Familiengründungsphase keinen Boden unter die Füße“, beklagte sie. Ihnen fehlten die Perspektiven. Weikert mahnte die Staatsregierung, im öffentlichen Dienst mit gutem Beispiel voranzugehen, anstatt die Eingangsgehälter für Berufsanfänger zu kürzen.
Auslöser der Debatte war ein Bericht des Sozialministeriums zur Beschäftigungssituation Jugendlicher in Bayern. Mit einer Jugendarbeitslosenquote von nur 3,4 Prozent liege der Freistaat derzeit an zweiter Stelle hinter Baden-Württemberg, erklärte ein Ministeriumssprecher . Im Vergleich zu 2005 habe sich die Quote mehr als halbiert. Ein Drittel der jugendlichen Arbeitslosen sei mangels vorheriger Versicherungspflicht auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen. Mehr als 40 Prozent der jugendlichen Arbeitslosen habe keine abgeschlossene Berufsausbildung, der Ausländeranteil liege mit 15 Prozent über der Ausländerquote an der Wohnbevölkerung.
Zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit gehe die Staatsregierung in zwei Stufen vor. So werde die Übergangsphase von der Schule zur Lehre durch Berufsvorbereitung und Betriebspraktika flankiert, der Wechsel von der Ausbildung die Regelbeschäftigung unter anderem durch das Programm „Fit for Work“. Daneben stehe man in engem Kontakt mit der Arbeitsverwaltung und den Wirtschaftsverbänden und biete eine arbeitsbezogene Jugendsozialarbeit an. Nach Angaben des Ministeriums ist die Zahl der „atypischen Beschäftigungsverhältnisse“ weiter steigend. Rund 22 Prozent der Arbeitskräfte unter 25 Jahre seien davon in Bayern betroffen, bundesweit liege die Quote bei 34 Prozent. Wegen der Vertragsfreiheit habe der Freistaat aber keinen direkten Einfluss auf die Gestaltung der Arbeitsverträge in der Wirtschaft.
Weikert zweifelte diese Zahlen an. Gewerkschafter und Arbeitsvermittler sprächen von 40 bis 50 Prozent „atypischen Beschäftigungsverhältnissen“ bei jungen Menschen. Zudem forderte Weikert individuell abgestimmte Förderangebote für Jugendliche beim Übergang von der Schule ins Berufsleben. „Wenn 40 Prozent der jugendlichen Arbeitslosen ohne Ausbildung sind, zeigt das, dass an dieser Nahtstelle weiter Handlungsbedarf besteht“, so Weikert. Nötig sei unter anderem ein flächendeckendes Angebot an Berufsfachschulen und Berufsvorbereitungskursen. Maria Scharfenberg (Grüne) mahnte mehr Anstrengungen bei der Weiterqualifizierung von Jugendlichen an. Dies sei eine Chance, den Fachkräftemangel einzudämmen.
Gudrun Brendel-Fischer (CSU) erklärte dagegen, „die Zahlen des Sozialministeriums sprechen für die Initiativen des Freistaats und der Wirtschaft“. Die Gesamtentwicklung sei „vorsichtig positiv“. Der sich abzeichnende Fachkräftemangel werde aus ihrer Sicht zur einer Reduzierung der „atypischen Beschäftigungsverhältnisse“ führen. Bei der weiteren Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit müsse die Arbeit mit den Eltern verstärkt werden, um vor allem Problemfamilien davon zu überzeugen, dass eine gute Ausbildung der Grundstein für ein selbstbestimmtes Leben sei. Schwerpunkte sah Brendel-Fischer zudem darin, vermehrt Jugendliche mit Migrationshintergrund für die duale Ausbildung zu motivieren und über die Berufsberatung eine Lenkung hin zu Mangelberufen zu erreichen. (Jürgen Umlauft)

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