Landtag

Die Postproduktion eines Films wie der Schnitt stehen Die Postproduktion eines Films wie der Schnitt stehen in der Öffentlichkeit nicht im Vordergrund. Dabei verleiht sie einem Film erst Kontur. (Foto: Bilderbox)

06.07.2012

Auf der Suche nach dem nächsten Wortmann

FDP-Fachgespräch: Heftige Kritik von ConstatinFilm-Vorstand Martin Moszkowicz an der Münchner Filmhochschule (HFF)

Mal ehrlich: Podiumsgespräche, in denen jemand seine Meinung kompromisslos äußert, ohne sie anschließend in derselben Runde zu relativieren, gibt es wenige im bayerischen Landtag. Deshalb dürfte Julika Sandt, kulturpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, dankbar gewesen sein, als der ConstantinFilm-Vorstand Martin Moszkowicz seinem Ärger Luft machte. Jedenfalls brauchte Sandt in die Diskussion zum Thema „Bayern und der Filmnachwuchs: Perspektiven für den Medienstandort Bayern“ keine zusätzliche Spannung bringen. Für die sorgte der erfolgreiche Produzent mit folgendem Satz: „Die Münchner HFF war mal die beste Filmhochschule Deutschlands, wenn nicht Europas. Das ist sie nicht mehr.“

Die Münchner HFF ist nicht mehr die beste Filmhochschule Deutschlands

Ein harter Vorwurf aus dem Mund des Vertreters eines der größten Filmverleihe und der bedeutendsten Produktionsgesellschaften Deutschlands – vor allem wenn man bedenkt, dass ConstantinFilm-Werke zahlreicher HFF-Absolventen wie die der Regisseure Sönke Wortmann oder Uli Edel realisiert hat. „Momentan sind Qualität und Stoßrichtung der HFF eine andere als früher. Sie wirkt ausgetrocknet“, beklagte Moszkowicz. Weil die Abteilungen der Hochschule nicht gut untereinander vernetzt seien – namentlich nannte er Regie, Drehbuch und Produktion –, überzeugten die Stoffe der HFF Produktionsfirmen wie ConstantinFilm und Bavaria nicht mehr so wie einst.
Dies bestätigte Bavaria-Geschäftsführerin Uschi Reich. Sie vermisse am Nachwuchs generell und an den HFF-Absolventen Leidenschaft: „Die müssten stärker hinter ihren Projekten stehen und auch mal auf den Tisch klopfen, um sie durchzusetzen.“ Reich ist davon überzeugt, dass gute Stoffe „immer ihren Weg gehen“.
Was indes bei Moszkowicz irritierte, war Folgendes: Einerseits vermisst er offensichtlich ausgereifte Ideen: „An den Projekten muss eben so lange gefeilt werden, bis sie einen Verleih interessieren.“ Andererseits beschwerte er sich, dass sich so wenige HFF-Absolventen bei Bavaria und ConstantinFilm bewerben würden. Indirekt lockte er die Münchner Filmhochschüler also an. Einige von ihnen saßen im Publikum und raunten oder schüttelten den Kopf, während er sprach.
Auf Moszkowiczs recht harsche Rhetorik reagierten HFF-Professor Michael Gutmann und HFF-Student Rafael Parente gelassen. In Manchem stimmten sie zu, ohne unterwürfig zu werden: Ja, die verschiedenen Abteilungen der Kreativen-Schmiede könnten besser zusammenarbeiten, waren sich beide einig. Genauso bei diesem Thema: Intensivere Kontakte zu den beiden erwähnten großen bayerischen Produktionsfirmen, und mehr praktischen Unterricht im Bereich Postproduktion. Keinen Zweifel hegen die beiden, dass die HFF nach wie vor eine Marke ist: „95 Prozent der Absolventenfilme werden gemeinsam mit mittelständischen Firmen realisiert“, sagte Gutmann. Parente zählte Kommilitonen auf, die bereits für durchaus namhafte Adressen wie Pro Sieben und dem Film- und Fernsehfonds Bayern arbeiten.

München ist für viele Filmschaffende zu teuer

Das Thema HFF war so dominant, dass andere nur kurz gestreift werden konnten: Moszkowicz forderte von der Politik, eine zweite Filmhalle auf dem Bavaria-Gelände mitzufinanzieren. „Die Haushaltssperre, die auf diesem Posten liegt, muss endlich aufgehoben werden“, erklärte er nicht zum ersten Mal in einer politischen Runde. Gutmann machte auf ein Problem aufmerksam, das Filmschaffende ebenso betrifft wie den größten Teil der Bevölkerung: „Die hohen Miet- und Lebenshaltungskosten sind ein Grund, weshalb viele Absolventen unserer Schule wegziehen.“ Insbesondere zögen sie ins preiswertere Berlin, das zudem als „cooler und aufregender empfunden wird“, wie ihm Reich zustimmte. (Alexandra Kournioti)

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