Landtag

Wenn bei der Arbeit schlechte Stimmung und mangelnde Kommunikation herrschen, erkranken Mitarbeiter häufiger. (Foto: DAPD)

30.11.2012

Das Betriebsklima hängt vor allem vom Chef ab

Öffentlicher-Dienst-Ausschuss: Bayerische Beamte waren im Jahr 2011 weniger krank als 2010

Das erfährt jeder berufstätige Mensch: Wo das Betriebsklima gut ist, ist auch das Allgemeinempfinden entsprechend positiv. Wo dagegen die Vorgesetzten nicht gut kommunizieren können, ist der Frust vorprogrammiert – und der macht im schlimmsten Fall krank. Dass es folglich einen direkten Zusammenhang zwischen Betriebsklima und Fehlzeiten gibt, erklärte Ministerialdirigent Wilhelm Hüllmantel den Mitgliedern des Ausschusses für Fragen des öffentlichen Dienstes. Er berichtete ihnen über die Fehlzeiten der Beamten und Angestellten des bayerischen Staats im Jahr 2012.
Das Betriebsklima beispielsweise in Bayerns Finanzverwaltung sei äußerst unterschiedlich. In einem Münchner Finanzamt gehe es auffallend positiv zu; entsprechend niedrig seien dort die Fehlzeiten der Beschäftigten. In einem anderen Finanzamt der Landeshauptstadt sei die Stimmung eher mies – und die Fehlzeiten folglich entsprechend hoch.
Bernhard Seidenath (CSU) kommentierte diese Information so: „Wir müssen beim Führungsverhalten der Vorgesetzten ansetzen“, sagte er. Dem stimmten neben Hüllmantel auch die Abgeordneten der anderen Fraktionen zu. Ihr gemeinsames Fazit lautete: Vom Betriebsklima sind die Fehlzeiten maßgeblich abhängig. Und für dieses ist in erster Linie der Vorgesetzte verantwortlich. Für Erheiterung sorgte Diana Stachowitz (SPD): Sie fragte sich, ob Ministerpräsident Horst Seehofer wohl demnächst eine Weiterbildung für Führungskräfte absolvieren müsse. „Schließlich zählt die Staatskanzlei mit durchschnittlich 12,3 Krankheitstagen pro Beamten im Jahr 2011 zu den Ressorts mit dem höchsten Krankenstand“, sagte sie.
In der Tat weicht diese Marke deutlich vom durchschnittlichen Krankenstand aller Bediensteten des Freistaats ab: Im Jahr 2011 lag der Mittelwert bei 9,8 Tagen (3,9 Prozent). Eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr: Da blieben die bayerischen Staatsdiener ihrem Arbeitsplatz durchschnittlich 10,4 Tage fern.
Auffällig ist aus Hüllmantels Sicht dies: „Die Zahl der psychischen Erkrankungen nimmt zu.“ Vor allem das sogenannte Burnout-Syndrom – zu dem diverse Erkrankungen zählen – werde auch bei den Staatsdienern oft diagnostiziert. Auch erkranken die Beamten und Angestellten der unterschiedlichen Laufbahngruppen unterschiedlich lang: Die Mitarbeiter des einfachen und mittleren Dienstes hatten im vergangenen Jahr durchschnittliche Fehlzeiten von 13,9 Tagen (5,6 Prozent). Bei den Beschäftigten des gehobenen Dienstes betrug der Krankenstand für denselben Zeitraum 11,1 Tage (4,4 Prozent). Die Bediensteten des höheren Dienstes wiederum blieben ihrem Arbeitsplatz durchschnittlich 5,4 Tage (2,2 Prozent) fern. „Diese Zahlen sind aber kein Grund, irgendeiner Gruppe Vorwürfe zu machen“, erklärte Hüllmantel. Vielmehr gebe es gewichtige Gründe für diese Differenz: „Die Bediensteten des einfachen und mittleren Dienstes müssen körperlich anstrengende und belastende Arbeiten verrichten“, nannte er eine Ursache. Auch zöge sich ein Mensch, der im Freien arbeitet, schneller eine Grippe zu als Büroangestellte.
Überdies hätten Beamte und Angestellte des einfachen und mittleren Dienstes häufig schon Krankheiten, bevor sie in den Staatsdienst eintreten. „Deshalb können sie auch nicht in den gehobenen und höheren Dienst aufgenommen werden“, erläuterte der Ministerialdirigent. Bei den Fehlzeiten differenziert nach Geschlechtern fällt der Unterschied laut Erhebung ebenfalls marginal aus: Männliche Staatsdiener fehlten 2011 durchschnittlich 9,7 Tage. Weibliche Bedienstete waren zehn Tage im Krankenstand. Hüllmantel gab zu bedenken, dass Frauen zusätzlich zu den Krankheiten, die auch Männer haben, an Schwangerschaftsbeschwerden leiden.
Günther Felbinger (Freie Wähler) monierte, dass bei Lehrern und wissenschaftlichem Personal nur die Fehlzeiten berücksichtigt würden, die während der Unterrichts- und Vorlesungszeit vorkämen. „Viele von ihnen retten sich mit ihrer Krankheit in die Ferienzeit.“ Die Ausschussvorsitzende Ingrid Heckner ließ das nicht gelten: „Wenn ein Mensch krank ist, ist er krank. Das lässt sich nicht auf die Ferien verschieben.“ (Alexandra Kournioti)

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