Landtag

Gehört seit 1923 der Wittelsbacher Landesstiftung: der Bamberger Domschatz. Foto: DDP

12.03.2010

Die Crux mit den Kunstwerken

Rückgabe von fränkischen Bildern und Skulpturen immer unwahrscheinlicher

Die Hoffnungen der Franken auf Rückführung im Laufe der Jahrhunderte nach München verbrachter Kulturgüter schwinden weiter. In einem umfassenden Bericht an den Kulturausschuss erklärte Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP), gegen die Rückführung sprächen rechtliche, konservatorische und kulturpolitische Gründe. Die Staatssammlungen wie auch das Haus Wittelsbach als Eigentümer vieler Kunstschätze seien aber bereit, Ausleihwünsche aus Franken nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Heubisch betonte, dass mehrere Hundert aus Franken stammende Kunstwerke längst wieder in fränkischen Zweiggalerien ausgestellt seien. Scharf wandte sich Heubisch gegen den Vorwurf, es handle sich bei den noch immer in der Landeshauptstadt verbliebenen Kulturgütern um „Beutekunst“. Schließlich sei der Großteil der vom Fränkischen Bund in einer Petition aufgeführten Gegenstände aus Franken nicht im Zuge der Säkularisation vor gut 200 Jahren „geraubt“, sondern zumeist bereits lange vorher legal erworben worden. In anderen Fällen handle es sich um Schenkungen, zahlreiche Kunstwerke stammten zwar von fränkischen Künstlern, seien aber nie an ihren Ursprungsorten ausgestellt gewesen. Bei tatsächlich von Franken nach München verbrachtem „Säkularisationsgut“ verwies Heubisch auf die Besitzverhältnisse. So gehörten der Bamberger Domschatz oder das Würzburger Herzogsschwert gemäß einem Gesetz aus dem Jahr 1923 der Wittelsbacher Landesstiftung. Heubisch machte unabhängig keinen Hehl daraus, dass er bei diesen Kulturgütern von ínternationalem Rang den Verbleib in der Münchner Residenz befürworte. Deren Präsentation in der Landeshauptstadt habe für den Freistaat „identitätsstiftende Funktion“. Rückgabeforderungen bezeichnete er vor diesem Hintergrund als „ahistorisch“. Der Bayreuther SPD-Abgeordnete Christoph Rabenstein nannte den Bericht Heubischs eine „Provokation für alle Franken“. Aus allen Zeilen triefe „altbayerische Überheblichkeit“. Er werde die Angelegenheit vor allem bezüglich der für Franken wirklich identitätsstiftenden Kunstwerke wie dem Domschatz oder dem Herzogsschwert nicht auf sich beruhen lassen. Der frühere Kunstminister Thomas Goppel (CSU) warf Rabenstein Populismus vor. „Mit der Rückführung der Kunstschätze erreichen Sie vielleicht die Befriedung des eigenen Gemüts, aber nicht die bessere Anschauung der Kulturgüter“, so der Parlamentarier. Der CSU-Abgeordnete Karl Freller rückte nach dem Bericht von seinen früher geäußerten Rückgabeforderungen ab. Es sei ein „Problem“, von „Beutekunst“ zu reden, wenn sich der Großteil der Kulturgüter legal in München befinde. Als mit dem fränkischen Selbstbewusstsein vereinbar erklärte Freller, dass in den wichtigsten und am besten besuchten Ausstellungen Münchens fränkisches Kulturgut vertreten sei. Andererseits gebe es in Münchner Depots sicher noch Gegenstände, deren Wert dort nicht richtig gewürdigt werde. „Dafür haben wir in Franken noch weiße Wände“, sagte Freller. Der Grünen-Politiker Sepp Dürr warf dem Kunstminister „bürokratisches und zentralistisches Denken“ vor. In dem Bericht sei kein Wille erkennbar, dem Wunsch der Bürger entgegenzukommen. Dürr forderte, das Verhältnis des Zentralstaates zu seinen Regionen auch kulturpolitisch neu zu diskutieren, ohne dabei in Provinzialismus zu verfallen. Eine Änderung des Gesetzes von 1923, indem dem Haus Wittelsbach das Eigentum über die von ihm über die Jahrhunderte gesammelten Kunstschätze übertragen wurde, verlangte Hans Jürgen Fahn (Freie Wähler). Dabei solle an den Eigentumsverhältnisses nichts geändert, das Haus Wittelsbach aber verpflichtet werden, fränkische Kulturgüter als Dauerleihgabe an ihre Ursprungsorte zurückzugeben.

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