Landtag

Der ehemalige Geschäftspartner des Ehepaars Haderthauer, Roger Ponton im Landtag mit seinem Anwalt Malte Magold (l.) (Foto: dpa)

11.06.2015

Vorwürfe gegen Haderthauers bekräftigt

Der Untersuchungsausschuss zur Modellauto-Affäre nimmt Fahrt auf: Jetzt sagte der ehemalige Geschäftspartner aus - er hatte die ganze Affäre erst so richtig ins Rollen gebracht

In der sogenannten Modellauto-Affäre hat ein ehemaliger Geschäftspartner seine Vorwürfe gegen die frühere bayerische Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU) und deren Ehemann erneuert. Der französische Geschäftsmann Roger Ponton hielt den Eheleuten am Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Landtags vor, ihn betrogen und "bestohlen" zu haben. Sie hätten die gemeinsame Firma "Sapor Modelltechnik" ohne sein Wissen verkauft und ihn mit zu wenig Geld abgefunden. Deshalb habe er 2014 Anzeige erstattet. "Ich habe Vertrauen in diese Leute gehabt - und wurde da missbraucht."
Die Eheleute Christine und Hubert Haderthauer waren bis ins Jahr 2008 nacheinander Miteigentümer des Unternehmens, das teure Modellautos verkaufte, die von Straftätern in der Psychiatrie gebaut wurden. Wichtigster Konstrukteur war ein verurteilter Dreifachmörder. Seit vergangenem Jahr ermittelt die Staatsanwaltschaft München II wegen Verdachts auf Betrug und Steuerhinterziehung. Geprüft wird, ob Einnahmen aus dem Modellauto-Verkauf nicht korrekt angegeben und versteuert wurden. Die CSU-Politikerin, die wegen der Affäre im September 2014 von ihrem Amt als Staatskanzleichefin zurücktreten musste, hat sämtliche Vorwürfe stets als falsch zurückgewiesen.

Ihm sei immer gesagt worden, dass die Firma keine Gewinne mache

Ponton sagte, ihm sei immer gesagt worden, dass die Firma keine Gewinne mache. Im Gegenteil, er habe immer wieder Geld zuschießen müssen. Irgendwann aber sei dann der Kontakt abgerissen. Ponton widersprach dabei der Darstellung der Haderthauers, dass er - Ponton -  damals abgetaucht sei. Er habe nie seinen Wohnsitz gewechselt.
Im Jahr 2011 erhielt Ponton vom Ehepaar Haderthauer dann eine Abfindung für seinen Anteil in Höhe von 20 000 Euro. Ponton sagte dazu am Donnerstag, er habe erst später erfahren, dass offenbar in Wirklichkeit mehr als 100 Modellautos verkauft worden seien. Er habe daher eine höhere Summe und sechs Modellautos als Abfindung verlangt. "Hätten Sie's angenommen, hätten sie keine Geschichte", betonte er.
Ponton gab zudem an, dass er den verurteilten Dreifachmörder mehrmals außerhalb des Bezirkskrankenhauses getroffen habe. Einmal sei dieser sogar in seiner Jagdhütte im Elsass zu Gast gewesen - in Begleitung eines "Pflegers" und eines "Polizisten" in Zivil. "Das war für mich ein normaler Mensch", sagte Ponton über den Modellauto-Konstrukteur.
Ponton widersprach zudem einer Darstellung Christine Haderthauers aus dem Sommer 2014, die Firma sei ein "von Idealismus getragenes Engagement finanzieller Art" gewesen. "Es war rein gemacht, um Geld zu verdienen", sagte Ponton. "Alles war nur für Gewinn." (dpa)

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Kommentare (1)

  1. Guido Langenstück am 15.06.2015
    Es war eine hochinteressante Zeugenbefragung: Sowohl Roger Ponton als auch Friedrich Sager (Gründer von SAPOR) sagten übereinstimmend aus, dass es ausschließlich um geschäftliche Interessen bei der Herstellung der hochwertigen Modellautos ging. Ich war als Zuschauer dabei.
    Hinweis: Die nächste Sitzung des Modellbau-Untersuchungsausschusses findet am 26. Juni (ab 13.30 Uhr) im Maximilianeum statt. Als nächster Zeuge ist Roland S. (der in der Forensik in Ansbach und Straubin die Modellautos hergestellt hat) geladen. Die Zeugenbefragung ist immer öffentlich (Ausweis nicht vergessen!).
    Übrigens: Frau Haderthauer schreibt auf ihrer CSU-Internetseite, dass sie sich "auf den Dialog mit dem Bürger freuen" würde. Den Beweis ist sie mir bisher schuldig geblieben: Ich habe ihr via "abgeordnetenwatch.de" mehrmals Fragen gestellt (zuletzt am 12.06.15). Bisher antwortet sie nicht. Warum wohl?

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