Landtag

Bayerische Schweineohren sind vor allem in China beliebt. (Foto: dpa)

17.07.2015

Export allein reicht nicht

Landwirtschaftsausschuss: Preisverfall beim Schweinefleisch

Kühe melken, Traktor fahren und den Stall ausmisten – die Ausbildung eines Landwirts umfasst heute weit mehr. „Familie Landbauer kann 100 000 Euro Eigenkapital einbringen, der Rest muss mit einem Annuitätendarlehen fremdfinanziert werden. Berechnen Sie die Rentabilität“ lautet beispielsweise eine Prüfungsfrage der höheren Landbauschule. Die jungen Menschen aber schreckt das keineswegs ab: Immer mehr wollen Bauer werden.

Im Vergleich zu 2014 ist die Zahl der Berufsanfänger um zehn Prozent auf 770 gestiegen. „Unsere Devise lautet: Kein Abschluss ohne Anschluss“, betont Ministerialrat Michael Karrer bei seinem Bericht im Landwirtschaftsausschuss. Daher gebe es die Möglichkeit, an der Hochschule Weihenstephan/Triesdorf das duale Studium „Bachelor Landwirt dual“ zu beginnen.

Landwirt auf Bachelor

Seitdem 2009 alle Landwirtschaftsschulen mit der Meisterprüfung verknüpft wurden, ist die Zahl der erfolgreichen Absolventen mit 370 zwar laut Karrer nicht „revolutionär“ gestiegen, was aber auch für die Qualität der Meisterprüfung spräche. „Leider scheitern Studierende vor allem an der selbstständigen Erstellung des praktischen Arbeitsprojekts.“

Schwerpunkte bei der Ausbildung an den Fachschulen, Berufsschulen, Technikerschulen oder höheren Landbauschulen sind neben der Persönlichkeitsbildung die Themen Tierwohl, Gewässerschutz, Diversifizierung und ökologischer Landbau – dafür wurde 2013 zusätzlich eine weitere Fachschule in Weilheim eröffnet.

Besonders überrascht habe Karrer die Fortbildungsbereitschaft bei der Erwachsenenbildung. Im Vergleich zu 2010 sei die Zahl der Gesamtteilnehmer um ein Drittel auf 14 400 gestiegen. „Viele gehen davon aus, dass der Abschluss langfristig notwendig sein wird“, erklärt der Ministerialrat. Gleichzeitig wollten aber auch immer mehr Menschen tiefer in landwirtschaftliche Themen einsteigen.

Jeder müsste 0,6 Kilo mehr Schweinefleisch essen

Weniger erfreulich allerdings war der zweite Bericht des Landwirtschaftsministeriums zu der Entwicklung am Schweinemarkt. Demnach gibt es eine große Differenz zwischen Angebot und Nachfrage. „Jeder von uns müsste 0,6 Kilo mehr Schweinefleisch essen, um das auszugleichen“, erklärt Ministerialrat Richard Carmanns.

Zwar verkauft Deutschland, der größte Schweinefleischproduzent der Europäischen Union, seine Produkte bis nach China. „Aber die Preise sind auf dem niedrigsten Stand seit fünf Jahren“, klagt Carmanns. Selbst der Verkauf von Grillartikeln ziehe heuer nicht richtig an. Hinzu kämen das Handelsembargo gegen Russland und eine verstärkte Fleischproduktion der USA.

In Bayern sind die Preise laut des Ministerialrats immerhin durch das Herkunftssicherungsprogramm „Geprüfte Qualität – Bayern“ ein wenig höher. Dennoch gebe es einen Strukturwandel hin zu immer mehr Großbetrieben, welche die Hälfte der Ware an Discounter verkauft – davon 70 Prozent als Sonderangebot. Ausschussvorsitzende Angelika Schorer (CSU) appelliert daher an die Bürger: „Jetzt ist der Verbraucher gefordert.“ (David Lohmann)

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