Landtag

Bei Familienunternehmen ist auch das Wohl der Mitarbeiter Teil des Business-Plans, betonen die Inhaber. (Foto: Bilderbox)

23.03.2012

Familien machen es besser

Familienunternehmer-Kongress: Erstmals Preis in den Kategorien Nachhaltigkeit, Innovation und Soziales Engagement vergeben – FDP fungiert als Gastgeber

Der Mann – ein wahrhaftiger Olympionike und Bayer – wollte auf den Berg gehen und seine Frau mitnehmen. Dieser aber – ihres Zeichens Designerin aus dem topografisch eher flach geratenen Nordrhein-Westfalen – gefielen die Kleider nicht, die die Menschen hierzulande auf Bergtouren anzogen. „Mach doch was, damit du dich auf dem Berg zeigen kannst“, meinte er zu ihr. Gesagt, getan. Und weil die Anziehsachen, die die Gattin entwarf, so gut ankamen, wurde das Paar zu einem der bekanntesten Sportartikelhersteller Deutschlands.

Vom Handwerksbetrieb bis zum Großunternehmen

Was wie ein Drehbuch à la Hollywood-Kino klingt, gehört zur Erfolgsgeschichte der Firma Willy Bogner. So zumindest hat sie das Vorstandsmitglied der Sportmoden-Firma, Oliver Pabst im Maximilianeum im Rahmen des Familienunternehmerkongresses geschildert. Diesen haben die bayerischen Sektionen der „Familienunternehmer“ und der „Jungen Unternehmer“ gemeinsam mit der FDP-Landtagsfraktion ausgerichtet. Krönung der Veranstaltung war die Verleihung der Miniatur-Bavaria aus Nymphenburger Porzellan.
Dieses anschauliche Beispiel Pabsts entsprach dem Geist der Veranstaltung: Vertreter diverser bayerischer Familienunternehmen beschworen Vielfalt und Zusammenhalt, die Firmen, die von Familien geführt werden, auszeichne. „Vom Handwerksbetrieb bis zum Großunternehmen ist bei uns alles vertreten“, sagte Martin Schoeller, Landesvorsitzender der „Die Familienunternehmer Bayern“. Rund 80 Prozent der Beschäftigten im Freistaat arbeite für einen solche Firma.
Letztere würden der Versuchung widerstehen, ihr Geschäftsgebaren auf schnellen und maximalen Gewinn auszurichten. Schoeller, selber Geschäftsführer eines Familienunternehmens, das unter anderem Mehrweg-Getränkekästen aus Kunststoff produziert, ist sich sicher: „Die vergangenen drei Krisen, die es in Deutschland gegeben hat, haben Familienunternehmen besser gemeistert als die anderen. Sie sind in dem Sinne Stabilisierungsfaktoren.“ Familienunternehmer seien mit Hauseigentümern vergleichbar: „Sie sorgen dafür, dass das Haus schön ist.“
Und sie sind offenbar überrascht, wenn sie für ihr Handeln ausgezeichnet werden. So geschehen im Fall Helmut F. Schreiner: Dem Gesellschafter des gleichnamigen Etiketten-Herstellers aus Oberschleißheim wurde der erste Preis in der Kategorie Soziales Engagement verliehen (siehe Info-Kasten). „Soziales Engagement wird oft so hoch gehängt, dabei ist es etwas ganz Natürliches“, sagte Schreiner. Man tue doch eigentlich nur das, „was das Herz und was der Verstand einem sagen. Und plötzlich kriegt man dafür einen Preis“.
Michael Popp, Geschäftsführer des Medikamenten-Herstellers Bionorica und ebenfalls einer der Preisträger, konstatierte, dass die Zeit der Klassenkämpfe vorbei sei. Längst habe eine Ära begonnen, in der „ein Wettbewerb um die Arbeitskräfte stattfindet“. In seiner Gegend – Neumarkt in der Oberpfalz – herrsche Vollbeschäftigung. Angst vor dem Wettbewerb mit den in diesem Zusammenhang gerne und oft zitierten Chinesen kenne man nicht. Auch Popp ist der Meinung: „Bei Familienunternehmen hat die Firma Vorrang vor den Gesellschaftern.“
Dass aber auch Familienunternehmer gut rechnen können und ebenso verdienen wollen, zeigte sich bei den Antworten auf die Frage eines Medienvertreters, wie Leiharbeit gesehen werde: „Eine Möglichkeit, um mit der schwankenden Auslastung umzugehen“, lautete eine. Weitere: „Ein Mittel, um Kapazitäten auszugleichen.“ „So lässt sich verhindern, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlegen.“

Zum ersten Mal haben der LV Familienunternehmer und Junge Unternehmer Bayerns in insgesamt drei Kategorien jeweils drei Auszeichnungen vergeben. Hergestellt hat die Trophäen einer der Gewinner: Die Porzellanmanufaktur Nymphenburg hat eine Miniatur der Bavaria, Schutzpatronin der Bayern, geschaffen. (Alexandra Kournioti)

Info: Die Preisträger

Nachhaltigkeit: 1. Bionorica SE: Der 1933 gegründete Medikamenten-Hersteller baut nach eigener Aussage Heilpflanzen aus ausschließlich kontrolliertem Anbau an. 2. Hipp: Rund 2000 Mitarbeiter stellen seit 1932 Säuglings- und Babynahrung her. 3. Platz: Nymphenburger Porzellan. Obwohl bereits 1747 gegründet, arbeitet das Unternehmen mit zeitgenössischen Künstlern zusammen.
Soziales Engagement: 1. Schreiner Group: Umwelt-Projekte und flexible Arbeitszeitmodelle zeichnen unter anderem das Engagement des Etiketten-Unternehmens aus. 2. Hoffmann Qualitätswerkzeuge: Fördert benachteiligte Kinder und Jugendliche. 3. Mekra Lang: Kita und Grundschule bietet der Hersteller von Spiegelsystemen für Nutzfahrzeuge seinen Mitarbeitern beziehungsweise deren Kindern.
Innovation: 1. Bogner: Der Sportartikel-Spezialist stellt unter anderem Skier aus Bambus her. 2. Warema Renkhoff: produziert Sonnenschutz- und Steuerungssysteme. Dabei wird auf Energieeffizienz geachtet. 3. Sixt: Der Autovermieter mischt in Sachen Car-Sharing und Drive-Now-Stationen mit. (aki)

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