Landtag

Der Bayerische Rundfunk zählt zu den „Mietern“ im Prinzregententheater. (Foto: DAPD)

22.06.2012

Hoffen auf offene Ohren im Ministerium

Kulturausschuss: Abgeordnete zu Gast in der Theaterakademie August Everding – Deckungslücke von fast 300 000 Euro in 2013 und 2014

Normalerweise stehen sie unter „Kükenschutz“ und zeigen ihr Talent noch nicht der Öffentlichkeit. Für die Abgeordneten des Kulturausschusses machten sie jüngst eine Ausnahme: Einige Studierende des aktuell ersten Jahrgangs an der Theaterakademie August Everding demonstrierten den Volksvertretern Grundlagen des Schauspiels: vom normalen Gehen über Fallübungen bis zu Feinmotorik zeigten sie Varianten menschlicher Körpersprache. Dabei verdeutlichten sie, wie Selbst- und Fremdwahrnehmung einander bedingen.
Den Ausschussmitgliedern wurden vielseitige Einblicke in die Ausbildung der renommierten Akademie geboten: Vorbesprechung eines Theaterstücks mit Regisseur, Dramaturgen, Schauspielern und Bühnenbildnern. Gestaltung von Perücken und Masken für eine TV-Produktion. Gesangs- und Tanzproben für ein Musical. Informationen über die Technik im Prinzregententheater. „Das alles haben Sie uns mit einer Intensität gezeigt, die wir nicht gewöhnt sind“, lobte Ausschussvorsitzender Oliver Jörg (CSU) nach der Begehung zu Recht. Bei den meisten Institutionsbesuchen würden ihm und seinen Kollegen lediglich Powerpoint-Präsentationen geboten.

Fast 300.000 Euro Einbußen bei den Mieteinnahmen

Anschaulich und offen fiel auch der abschließende Austausch zwischen Mitgliedern der Akademie und den Abgeordneten aus. Dabei stach positiv hervor: Mehrere Studierende waren nicht nur zugegen, sondern kamen neben ihren Dozenten ebenfalls zu Wort. Wortführer war freilich der Hausherr persönlich: Präsident Klaus Zehelein benannte, ohne in den sonst verbreiteten Kulturpessimismus zu verfallen, Probleme aus Sicht der Ausbildungsstätte: Die Bühne des zur Akademie gehörenden Prinzregententheaters ist ein Ausweichquartier für das Gärtnerplatztheater, das derzeit saniert wird. Dafür erhält die Akademie laut Zehelein rund 2300 Euro pro Tag, den zwischen den staatlichen Bühnen vereinbarten Betrag. „Würden wir die Räume aber wie zuvor öfter an Private vermieten, könnten wir zwischen 5000 bis 6000 Euro pro Tag einnehmen“, bilanzierte Zehelein. Weil dies während erwähnter Generalüberholung nicht möglich sein werde, erwarte die Akademie für das Jahr 2013 eine Deckungslücke von 117 000 Euro, im Jahr 2014 sogar von 181 000 Euro.
Dem Kunstministerium seien diese finanziellen Einbußen bekannt. Indes: „Ob im Ministerium dafür die Ohren offen sind, weiß ich nicht“, sagte Zehelein. Die Ausschussmitglieder hörten anscheinend genau hin, immerhin reagierten sie postwendend: „Das Haushaltsrecht liegt zum Glück beim Landtag“, sagte etwa Karl Freller (CSU). Es dürfe nicht sein, „dass das Glück des einen – ich meine die Sanierung des Gärtnerplatztheaters – zum Pech des anderen führt“. Das kommentierte sein Parteikollege Walter Nadler ähnlich. Dieser wollte überdies wissen, ob die Akademie Drittmittel einhole und wie die Studiengebühren von 1000 Euro pro Studierendem und Jahr eingesetzt werden.
Einen gewichtigen Teil der Drittmittel machten eben jene erwähnten Vermietungen aus, entgegnete Zehelein: „Wir finanzieren uns zu 20 Prozent darüber.“ Die Studiengebühren wiederum würden im Einverständnis mit den Studierenden – deren Vertreter bejahten dies – für die Erweiterung des Studienangebots eingesetzt: Workshops zu Fernseh-, Film- und Synchronisierungsarbeit seien dafür Beispiele.

Ausgearbeiteter Studiengang Musikvermittlung liegt beim Ministerium

Obwohl man die Studiengebühren „nicht wie anderswo zur Renovierung von Toiletten“ verwende, seien sie für viele angehende Mimen in der teuren Stadt München eine kaum zu schulternde finanzielle Bürde. „Wir brauchen dringend mehr Stipendien auch aus der Wirtschaft“, forderte Zehelein.
Eine weitere Causa scheint dem Präsidenten Verdruss zu bereiten: Seit zweieinhalb Jahren liege dem Ressort von Kulturminister Wolfgang Heubisch (FDP) das Konzept für „einen ausgearbeiteten Studiengang Musiktheatervermittlung, den es noch nirgendwo in Deutschland gibt, vor“. Eine Reaktion des Ministeriums stehe allerdings bis jetzt aus. „Es ärgert mich wirklich, dass so etwas in Bayern nicht realisiert wird. Vielleicht realisiert es ja Berlin“, sagte Zehelein mit unmissverständlichem Unterton. Auf diesen reagierte die stellvertretende Ausschussvorsitzende Isabell Zacharias folgendermaßen: „Berlin ist immer ein gutes Druckmittel.“(Alexandra Kournioti)

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