Landtag

Erwischt: Vor allem in der bayerisch-tschechischen Grenzregion werden viele Crystal-Meth-Schmuggler überführt. (Foto: dpa)

25.11.2016

Immer mehr Drogendeals im Darknet

Innenausschuss: Bericht und Debatte zu Crystal Meth

Die extrem gesundheitsschädigende Droge Crystal Meth ist in Bayern offenbar auf dem Rückzug. „Wir können bei Crystal einen kleinen Erfolg verzeichnen“, sagte Innenstaatssekretär Gerhard Eck im Innenausschuss. Demnach setzt sich heuer der im vergangenen Jahr erstmals beobachtete Rückgang der Deliktszahlen in Zusammenhang mit Crystal fort. Wie Eck mitteilte, gab es 2014 3098 polizeilich registrierte Crystal-Aufgriffe, 2015 waren es 2851. In den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres verzeichnete die Polizei nur mehr 1843 Fälle. Auf das Jahr hochgerechnet würde dies einen Rückgang um rund 20 Prozent bedeuten.

Nach wie vor wird die Droge überwiegend im Kleinhandel über die tschechische Grenze nach Bayern gebracht. Entsprechend hoch sind die Aufgriffe in der Grenzregion, vor allem im östlichen Oberfranken und der nördlichen Oberpfalz. Auf diesen Bereich entfällt rund ein Drittel aller bayerischen Fälle.  Weiterer Schwerpunkt ist die Stadt Nürnberg. Nach Erkenntnissen des Landeskriminalamtes erfolgt der Schmuggel nicht im Rahmen organisierter Kriminalität. Unverändert blieb in den vergangenen Jahren mit jeweils rund 20 die Zahl der Crystal-Toten. Diese ist heuer schon nach zehn Monaten erreicht worden.

Wie Eck indirekt einräumte, könnte der Rückgang der registrierten Crystal-Fälle Folge neuer Vertriebswege der Schmuggler sein. Nach Erkenntnissen der Polizei gewinnt die Drogenbestellung über das Darknet – einem verschlüsselten Bereich des Internet – mit anschließendem Postversand immer größere Bedeutung. Die Ermittler seien bei dieser Vertriebsform „momentan noch ziemlich machtlos“, erklärte Eck. Man arbeite aber an Lösungen. Auf alle Fälle werde man in Sachen Crystal den hohen Ermittlungs- und Fahndungsdruck sowie die vielfältigen Präventionsmaßnahmen „unvermindert aufrechterhalten“. Die Kooperation mit Tschechien soll weiter intensiviert werden.

Der SPD-Innenpolitiker Peter Paul Gantzer forderte, harte Drogen wie Crystal müssten hart bekämpft werden. Zudem müsse sich der Blick verstärkt auf Designerdrogen und so genannte „Legal Highs“ richten. Diese legal erhältlichen Stoffe seien die neuen Einstiegsdrogen, warnte Gantzer. Um sich in der Polizeiarbeit darauf konzentrieren zu können, sollte im Gegenzug der Cannabis-Konsum entkriminalisiert werden. Immerhin habe es weltweit noch keinen bestätigten Cannabis-Toten gegeben. „Lieber hasch-high als Legal High“, erklärte Gantzer.

"Jugendliche in den Grenzregionen erzählen, dass es kein Problem ist, an Crystal zu kommen"

Manfred Ländner (CSU) stellte fest, dass die von Eck präsentierten Zahlen den Erfolg der Maßnahmen zur Crystal-Bekämpfung belegten. „Die hohen Steigerungsraten vergangener Jahre gibt es nicht mehr, wir erleben sogar einen leichten Rückgang der Fallzahlen“, betonte Ländner. Damit dürfe man sich aber nicht zufriedengeben. Ländner verlangte, die Drogengesetze zu aktualisieren, damit auch neuartige Stoffe von einem Verbot erfasst seien. „Wir dürfen nicht entkriminalisieren, sondern müssen das Verfolgungsspektrum ausweiten“, sagte der CSU-Polizeiexperte.

Nach Einschätzung von Katharina Schulze (Grüne) hat sich die Lage bei Crystal noch nicht entspannt. Sie verwies auf die unvermindert hohe Zahl an Konsumenten und Crystal-Toten. Die Polizei müsse ihr Augenmerk verstärkt auf neue Schmugglerrouten und Vertriebswege legen. Ungeachtet dessen zeige das Problem Crystal erneut: „Repression reicht nicht, wir brauchen mehr Prävention.“ Auch Joachim Hanisch (Freie Wähler) sah kaum Fortschritte. „Jugendliche in den Grenzregionen erzählen mir immer wieder, dass es kein Problem ist, an Crystal zu kommen“, berichtete Hanisch aus seiner ostbayerischen Heimat. Insofern müssten die polizeilichen Maßnahmen wie auch die Kooperation mit Tschechien bezüglich ihrer Wirksamkeit kritisch hinterfragt werden. (Jürgen Umlauft)

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Kommentare (1)

  1. Jan vor 2 Wochen
    So viel Verblendung wie der angebliche Polizeiexperte (ich hoffe er hat mehr Sachverstand als die Drogenbeauftragte aus dem Hause CSU) an den Tag legt ist unerträglich... Wenn es dieses Jahr schon mehr Drogentote gibt als im Vorjahr kann die Statistik das man wenigier Straftaten eher einen Rücklauf gibt nur daran liegen das man weniger Dokumentiert hat hat. Die beiden passen irgendwie nicht zueinander. Natürlich hätten die Oberen Staatsanwälte und und diverse Polizeipräsidenten mehr PErsonal für die Sinnlose Drogenfahndung - so steigt ja bekanntermaßen das Gehalt der vorgesetzten wenn man mehr untergebene hat.

    Um den Drogenhandel besser in den Griff zu bekommen muss man den Schwarzmarkt ausrotten - das hat man Weltweit noch nicht geschafft. International kommen immer mehr Länder zur Erkentmniss das dass Geld was man in Verfolgung von Konsumenten steckt besser in Aufklärung und akzeptiernde Drogenaufklärung. Bei einer regulierten Abgabe von Drogen kann ein Hugendschutz greifen - der Dealer vom Schulhof hält sich jedenfalls nicht drann - der Fachhändler schon... Vielleicht macht es ja auch mal in Bayern klick..... Aber diese Politik und die Aussagen die hier wieder in diesen Bericht rüberkommen zeugen nur von einem - Ideologischer Verblendung....

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