Landtag

Bundesweit sind 10.000 Immobilien beziehungsweise Liegenschaften als Erbe an den deutschen Staat gefallen. (Foto: dpa)

13.01.2017

Immer mehr Häuser im Freistaat verwaisen und vergammeln

Laut Finanzministerium wuchs die Zahl der Nachlassimmobilien um 23 Prozent in zwei Jahren

Die Zahl der Immobilien, die aufgegeben werden und dem Freistaat zufallen, steigt rasant. Freuen kann sich darüber nicht einmal der Finanzminister. „Es ist ein offenes Geheimnis, dass viele der Häuser nicht im besten Zustand sind“, erklärt der SPD-Sprecher für kommunale Daseinsvorsorge, Klaus Adelt. Da verwaiste Häuser für den Abgeordneten ein wichtiger Indikator dafür sind, wie es um die gleichwertigen Lebensverhältnisse in Bayern und die Attraktivität der einzelnen Regionen bestellt ist, wollte er von der Staatsregierung wissen, wie viele Häuser dem Freistaat in den letzten Jahren wo zugefallen sind.

Laut Finanzministerium wuchs die Zahl der Nachlassimmobilien von 4363 im Jahr 2013 auf 5677 im Jahr 2015 – ein Anstieg von 23 Prozent in zwei Jahren. 1187 und damit 27,9 Prozent der besagten Immobilien befinden sich in Unterfranken, 1075 und damit 25,2 Prozent in Oberfranken. Im Landkreis Main-Spessart wurden in den letzten zehn Jahren 269 Häuser nicht vererbt. Das sind mehr als drei Mal so viele wie in München. In Stadt- und Landkreis Hof waren es knapp 200 Häuser.

Jede fünfte deutsche Nachlassimmobilie steht in Ober- und Unterfranken

Bundesweit sind einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zufolge mittlerweile 10 000 Immobilien beziehungsweise Liegenschaften als Erbe an den deutschen Staat gefallen. Den Rekord hält mit weitem Abstand Bayern, wo sich 2016 bereits 7251 Wohnhäuser im Besitz des Freistaats befinden sollen – 3857 davon im Alleineigentum, bei den restlichen Gebäuden als Miteigentümer. „Wenn jedes zweite der betroffenen Wohnhäuser in Bayern ist und jedes fünfte davon in Ober- und Unterfranken steht, muss man sich doch die Frage nach dem ‚warum’ stellen“, meint SPD-Mann Adelt. Genau das aber mache die Staatsregierung, wie aus der Anfrage hervorgehe, nicht: „Auf diese Frage hat sie keine Antwort parat, und das scheint sie auch nicht sonderlich zu stören.“ In der Folge hätten die betroffenen Kommunen mit unansehnlichen heruntergekommenen Gebäude zu kämpfen, die die Attraktivität des ganzen Wohnumfelds in Mitleidenschaft zögen und als Wohnraum nicht mehr zur Verfügung ständen.

Doch daran wird sich wohl auch in Zukunft wenig ändern: Der Freistaat, so die Antwort der Staatsregierung, nehme grundsätzlich keine „baulichen Veränderungen“ vor – es sei denn, die Verkehrssicherheitspflicht erfordert dies. „Das heißt im Klartext: Viele Häuser im Besitz des Freistaates vergammeln“, glaubt Adelt.

Der Abgeordnete fordert jetzt die Staatsregierung zu mehr Einsatz für die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse auf: „Unabhängig davon, ob man freiwillig oder unfreiwillig zum Eigentümer geworden ist: Die Staatsregierung muss sich besser um diese Häuser kümmern und sie offensiver vermarkten.“ Notfalls müssten sie den betroffenen Kommunen, denen oftmals in solchen Fällen die Hände gebunden sind, überschrieben werden. „Es kann nicht sein, dass die Staatsregierung tatenlos zuschaut, wie hier Häuser verfallen – Eigentum verpflichtet.“ (David Lohmann)

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Kommentare (1)

  1. rustyoldguy am 15.01.2017
    Ein Warnzeichen erster Güte dafür, das der arbeitenden Bevölkerung in finanzieller Hinsicht der Boden zusehends entzogen
    wird. Anders lässt sich dies nicht erklären, wenn Erben das Erbe ausschlagen.

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