Landtag

Pablo Picassos „Guernica“ ist ein Paradebeispiel für eingreifende Kunst. (Foto: dapd)

07.10.2011

"Jeder Mensch ist Künstler"

„Wie Kunst die Gesellschaft bewegt“ hat die SPD-Landtagsfraktion hinterfragt – Moni Well bringt das Thema auf den Punkt

Was die Ikonografie moderner Kunst betrifft, zählt Pablo Picassos „Guernica“ zu den Paradebeispielen politischer Malerei. Als Reaktion auf die Zerstörung der spanischen Stadt Gernika während des Spanischen Bürgerkriegs durch den Luftangriff der deutschen Legion Condor geschaffen, ist es typisch für das Werk eingreifender Künstler: Diese kommentieren die politischen Verhältnisse ihrer Zeit. Picasso war der Ansicht, dass derjenige Künstler, der mit geistigen Werten lebt und umgeht, angesichts eines Konflikts, in dem die höchsten Werte der Humanität und Zivilisation auf dem Spiel stehen, sich nicht gleichgültig verhalten kann.
Ob diese Haltung heute noch von Belang ist, hinterfragte Peter Hufe, Moderator des Bayerischen Rundfunks: „Braucht die Politik die künstlerische Provokation?“ Eine direkte Antwort erhielt er im Rahmen der SPD-Diskussionsreihe „Talk im Max“ nicht. Stuttgart 21, Politikverdrossenheit, das bayerische Schulsystem, Parteienlandschaft, finanzielle Schwierigkeiten von Künstlern: Querbeet wurden verschiedene Themen gestreift; die Kunst und ihre mögliche Strahlkraft auf die Politik – um die es ja eigentlich gehen sollte – kamen indes nur am Rande zur Sprache.
Das mag auch daran gelegen haben, dass die Diskutanten ihre eigenen Ziele verfolgten: So trat Johannes Stüttgen, Meister-Schüler von Joseph Beuys und ehemaliger Kunsterzieher, unverkennbar als Vertreter von „Omnibus für direkte Demokratie in Deutschland“ auf. Die gemeinnützige GmbH strebt unter anderem dreistufige Volksabstimmungen und freie Schulen an. „Wir sollten nicht immer alle Zuständigkeiten an alle möglichen Parteien delegieren, die immer uninteressanter werden“, sagte das Gründungsmitglied der Grünen. Heute hat er nach eigener Aussage „großes Verständnis für Menschen, die es nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren können, zu wählen“.
Spätestens als Stüttgen forderte, der Staat möge sich bis auf die Finanzierung komplett aus der inhaltlichen Gestaltung der Schulen raushalten, ging ein Raunen durch das Publikum. Als er eine langatmig-verwirrende Exegese des Beuys-Merksatzes „Jeder Mensch ist Künstler“ zum Besten gab, fragte ein Zuhörer laut: „Was soll das?“ Besser verständlich machte sich SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher. Allerdings waren seine Beiträge sehr auf Wahlkampfrede ausgerichtet, so dass auch er dem Diskussionsthema nicht die verdiente Aufmerksamkeit schenkte: „Mit der SPD wird es keine Steuergeschenke für Hoteliers geben, während bei Bibliotheken gekürzt wird“, wiederholte er ein beliebtes Versprechen seiner Partei.
Choreografin Monica Gomis berichtete, dass sich die Politiker in ihrer Heimat Spanien nicht für Kunst interessierten. Aber auch in Deutschland fließe zu viel Geld in große Institutionen. Freischaffende Künstler dagegen könnten sich aus finanziellen Gründen nicht frei entfalten.
So war es an Moni Well von den Volksmusikkabarettistinnen „Wellküren“, das Thema des Abends auf den Punkt zu bringen. Das gelang ihr, ohne darüber zu faseln, ob und wie sich ein Künstler politisch ausdrücken kann. Ihre Sätze waren an sich politisch: unverfälscht und zuweilen deftig. Wenn sich die Menschen Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen nicht mehr leisten könnten, laufe etwas falsch. Darum sei es richtig, dass manche Kabarettisten in ihren Verträgen festlegten, Tickets für ihre Veranstaltung dürften nicht mehr als 18 Euro kosten.
Sie beobachte, dass speziell ihr Metier immer seichter werde: „Ist ja klar, wenn jeden Freitag im Bayerischen Rundfunk Kabarett zu sehen ist.“ Quintessenz aus Well’scher Sicht: „Wenn’s nur noch um den Furz geht, ist mir das zu blöd.“ Knapp ist Wells Forderung an die Politik: „Ja mei, sie soll halt einfach gerecht sein. Aus.“ (Alexandra Kournioti)

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