Landtag

Alleine zwischen 2015 und 2016 wurden über dem Freistaat 401,5 Tonnen Kraftstoff abgelassen. (Foto: dpa)

08.09.2017

Kerosin über Bayern

Seit 2012 wurden 633 Tonnen Flugzeugtreibstoff über bayerischem Boden abgelassen

Immer wieder müssen zivile und militärische Flugzeuge Treibstoff ablassen, um in kritischen Situationen, beispielsweise bei einer Notlandung gleich nach dem Start, ihr Landegewicht zu verringern. SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher (SPD) wollte jetzt von der Staatsregierung wissen, wie viele Tonnen Kerosin über Bayern seit 2012 abgelassen wurden.

Das Verkehrsministerium schreibt, in den Jahren 2012 bis heute seien in Bayern 28 Fälle gemeldet worden. Alleine zwischen 2015 und 2016 wurden über dem Freistaat 401,5 Tonnen Kraftstoff abgelassen – mehr als in jedem anderen Bundesland. In den fünf Jahren von 2012 bis 2016 summiert sich der Kraftstoffablass über Bayern auf 633,3 Tonnen. Das entspricht 25 Prozent des gesamten abgelassenen Treibstoffs, obwohl der Flächenanteil Bayerns nur ein Fünftel der Bundesrepublik ausmacht.

Mehr Kerosinablass als in jedem anderen Bundesland

Welche Landkreise genau betroffen sind, wird nicht erfasst. „Die Flüge, bei denen das Notverfahren zum Ablassen von Kerosin angewendet wird, finden über größere Strecken statt, die gegebenenfalls über mehreren Bundesländern oder Staaten liegen“, heißt es in der Antwort.

Das Gebiet für den Kraftstoffschnellablass bestimmt die Flugsicherung. Nach den Kriterien der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation muss dies über möglichst dünn besiedeltem Gebiet in einer Mindesthöhe von 1800 Metern stattfinden.

Negative Konsequenzen befürchtet das Ressort von Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) dadurch nicht. Gesundheitliche Beeinträchtigungen für die bayerische Bevölkerung durch Ablassen von Kerosin aus Flugzeugen seien nicht bekannt. Ebenso lägen „keine Kenntnisse zu eventuellen Auswirkungen von abgelassenem Kerosin auf die Tier- und Pflanzenwelt sowie auf Oberflächengewässer und Grundwasser vor“.

Umweltschutzexperten sind sich da weniger sicher. Bei der 88. Umweltministerkonferenz im Mai dieses Jahres wurde das Thema Treibstoffablässe behandelt. Zwar waren sich die Minister und Senatoren einig, dass Treibstoffablässe im Notfall zulässig sind. Um der Besorgnis der betroffenen Bevölkerung Rechnung zu tragen, baten sie jedoch den Bund, eine aktuelle Bewertung über den Umfang und die Auswirkungen von Treibstoffablässen auf neuesten wissenschaftlichen Grundlagen vorzunehmen.

Rinderspacher hält den „eklatanten Informationsmangel“ im Freistaat für nicht akzeptabel. „Über keinem anderen Bundesland wurde in den letzten beiden Jahren mehr Flugzeug-Kraftstoff abgelassen als über Bayern“, klagt er. Der Fraktionschef fordert ein transparentes Informationsmanagement des zivilen und militärischen Luftverkehrs und ein funktionierendes Messnetz. Auch eine aktuelle Studie über gesundheitliche Risiken sei längst überfällig. „Bis heute gibt es keine validen Daten über die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt.“ (David Lohmann)

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Kommentare (2)

  1. Alexander P. am 11.09.2017
    Mir glaubt es keiner aber es ist wahr. Ich bin aus der Gemeinde Markt Indersdorf bei Dachau. Wer regelmäßig bei uns auf den Feldern draußen spazieren, Joggen oder Radfahren geht, merkt den Kerosinablass am eigenen Leib. Vor allem riechen kann man es. Beim Joggen mit kurzem "Leiberl" merkt man das Zeug auch auf der Haut. Nicht immer, aber es kommt schon vor.
    Dies wurde mir auch von meiner Nachbarin aus unserer Straße bestätigt, die den Ablassvorgang selber schon mehrmals über unseren Feldern beobachtet hat. Hierüber hat sie sich mit Ihrer Verwandtschaft schon fast zerstritten. Die meinten es wäre ein Kondensstreifen.... in 1km Höhe.....
    Das Gleiche mit dem Kerosinablass berichtete mir auch ein Arbeitskollege der in Stetten bei Schwabhausen wohnt. Glauben tut uns das aber keiner. Wir wohnen aber voll in der Einflugschneise.
    Und an wen wendet man sich wenn man den Ablass merkt? Man wird alles als Einbildung abtun oder gleich als "grüner Spinner" abgetan (obwohl ich nicht grün wähle).
    Die beim Flughafen werden das sicher auch nicht freiwillig zugeben.
    Und die Langzeitwirkungen? Ja mei, dann hat halt wieder mal einer mehr Neurodermitits, Asthma, Herzprobleme oder Krebs. Zahlt ja die Krankenkasse.

    Aber wer jetzt gleich lospoltert, bitte das alles nicht mit dem Glyphosat verwechseln das die Bauern im Frühjahr und Herbst sprühen. Das Zeug stinkt auch extrem und mehrere Tage lang. Zwar nicht nach Kerosin. Aber mancher verwechselt gerne was im Übereifer.

    Aber alle wollen wir in den Urlaub fliegen. Eine verdammte Zwickmühle..........
  2. constantin canaris am 30.09.2017
    Und es sind nicht die einzigen Substanzen . . . Ohne hier an dieser Stelle darauf einzugehen, was sonst noch alles herunterkommt. Vielleicht auch vorsätzlich. Jedenfalls - das wird seit mehr als zwanzig Jahren festgestellt: in den Wäldern, auf den Feldern, in Gewässern, in den Bergen hat die Vitalität und Pflanzen- wie Tiervielfalt rapide nachgelassen. Man vergleiche die Naturaufnahmen vor fünfzig, vierzig Jahren mit denen vor zwanzig, vor zehn Jahren, mit denen von heute. Die Farbe des Himmels veränderte sich: sie ist häufig milchig. Die Farbe und Form der Wolken veränderte sich: sie wirkt unnatürlich . . . Und – viele Menschen zeigen abnormes Verhalten . . .
    Wer vermag sachdienliche Hinweise zu geben?

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