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Der Einsatz von Gülle bedroht das Grundwasser Bayerns. Viele Brunnen mussten wegen zu hoher Nitratbelastung schon geschlossen werden. (Foto: dpa)

14.07.2017

Knapp die Hälfte aller Brunnen ist belastet

Grundwasserbericht des Umweltministeriums: Pflanzenschutzmittel und vor allem Nitrat bedrohen das Trinkwasser. Eine Trendwende ist nicht in Sicht

Die Belastung des Grundwassers in Bayern mit Pflanzenschutzmitteln und Nitrat hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Das geht aus dem neuen Grundwasserbericht des Umweltministeriums für die Jahre 2013 bis 2015 hervor, der im Umweltausschuss vorgelegt wurde. Demnach wurden bei 78,5 Prozent des in Bayern geförderten Trinkwassers keine Pflanzenschutzmittel nachgewiesen. 19 Prozent waren mit weniger als 0,1 Mikrogramm je Liter belastet, 2,5 Prozent lagen über diesem Schwellenwert. Die Belastungen rühren zum größten Teil aus Einträgen des seit 1991 verbotenen Atrazin. Bei derzeit noch zugelassenen Pflanzenschutzmitteln wurden kaum noch Grenzwertüberschreitungen nachgewiesen. Bei 97,1 Prozent der geförderten Wassermenge lag die Belastung unterhalb der Nachweisgrenze.

Anders ist die Lage beim Nitrat, das überwiegend aus der Düngung in der Landwirtschaft stammt und in höheren Dosen gesundheitsschädlich ist. Hier war nur 53,1 Prozent des Wassers belastungsfrei. 43,5 Prozent galt als mäßig bis stark belastet, immerhin 3,5 Prozent überschritten den Schwellenwert von 50 Milligramm je Liter. Nach Auskunft des Umweltministeriums wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Brunnen wegen zu hoher Nitratbelastung geschlossen. Das Wasser aus geringer belasteten Anlagen sei häufig mit unbelastetem gemischt worden, so dass das Trinkwasser überall in Bayern einwandfreie Qualität habe. Aufgrund der insgesamt überschaubaren Belastungssituation sei im Freistaat nicht mit stark steigenden Wasserpreisen zu rechnen.

Die Schadstoffbelastung des Grundwassers ist regional unterschiedlich verteilt. Die geringsten Einträge gibt es in Oberbayern und Schwaben. Grund dafür sind in erster Linie die hier weit verbreitete Grünlandwirtschaft, die weitgehend ohne Pflanzenschutz auskommt, sowie die vergleichsweise hohen Niederschlagmengen, die für eine Verdünnung der Schadstoffe im Wasser sorgen. Eine hohe Belastung mit Pflanzenschutzmitteln weisen die Wasservorkommen in Niederbayern und der Oberpfalz auf, wo viel Ackerbau betrieben wird. Die mit Abstand höchsten Nitratwerte kommen in Unterfranken vor. Dort sorgen poröse Gesteinsschichten für eine rasches Versickern der Pestizid- und Herbizideinträge, zudem fehlt durch das trockene Klima der Verdünnungseffekt.

Zu viel Dünger: Ministerium setzt auf Freiwilligkeit

Wie ein Vertreter des Ministeriums im Ausschuss erklärte, sei die Nitratbelastung des Grundwassers in den vergangenen Jahren konstant geblieben. Die in den Medien immer wieder kolportierte massive Erhöhung der Nitratwerte habe es nicht gegeben. Trotzdem sei es das Ziel der Staatsregierung, die Nitratbelastung kontinuierlich abzusenken. Dazu seien mit der Landwirtschaft auf freiwilliger Basis ein Dünge- und ein Wasserpakt geschlossen worden. Außerdem sei die Zahl der staatlichen Wasserberater erhöht worden. Man erhoffe sich von diesen Maßnahmen einen „Trend nach unten“.

Nach Einschätzung von Harry Scheuenstuhl (SPD) kann es bei der Schadstoffbelastung des Grundwassers „keine Entwarnung geben“. Für die Bürger sei es nicht relevant, ob sie „alte oder neue Pflanzenschutzmittel trinken müssen“. Bei den zur Nitratbelastung führenden Düngeeinträgen forderte Scheuenstuhl eine Abkehr vom Prinzip der Freiwilligkeit. Für die Landwirte sei es eine Pflicht, das Grundwasser zu schützen. Schließlich erhielten sie dafür auch staatliche Zuschüsse. Sein Fraktionskolege Florian von Brunn forderte eine „Minimierungsstrategie“ beim Einsatz von Dünge- und Schutzmitteln.

Nikolaus Kraus (Freie Wähler) sprach von „punktuellen Problemen“ in Bayern, die angepackt werden müssten. Als Eintragsquelle von Belastungen nannte er auch marode Kanalnetze. Die Grüne Rosi Steinberger kritisierte die abwartende Haltung der Staatsregierung. Auf die Wirkung freiwilliger Selbstbeschränkung der Landwirte zu setzen, werde dem „flächendeckenden Problem“ nicht gerecht. Anton Kreitmair (CSU) wertete die Debatte als „Schlag gegen die Landwirtschaft“. Dabei zeigten deren Bemühungen um geringere Einträge durchaus Wirkung. Auch Otto Hünnerkopf (CSU) sah in der Kooperation mit der Landwirtschaft den richtigen Weg. In den Regionen, in denen Absprachen getroffen worden seien, könnten bereits Erfolge vorgewiesen werden. Die Landwirte seien längst weg vom früheren Motto „Viel hilft viel“. (Jürgen Umlauft)

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