Landtag

Beamter: ein Status, der beliebter zu sein scheint, als man denkt. (Foto: Bilderbox)

08.07.2011

Lehrermangel entgegengewirkt

Bericht des Landespersonalausschusses

Personalentwicklung hat sich als neuer Schwerpunkt des Landespersonalausschusses nach der Dienstrechtsreform herauskristallisiert. Das geht aus dem jährlichen Bericht ebenso hervor wie die Tatsache, dass der öffentliche Dienst insgesamt „weiblicher“ wird. Selbst die Opposition hatte an der Aufstellung kaum etwas zu nörgeln.

Das Niveau eines Berichts vor einem der Landtagsausschüsse muss schon sehr niedrig sein, wenn sich Abgeordnete nicht für ihn bedanken. In der Regel erfolgt eine obligatorische Würdigung. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Fragen des öffentlichen Dienstes gab es für die Vorsitzende des Landespersonalausschusses (LPA) Sigrid Schütz-Heckl und ihre Mitarbeiter fraktionsübergreifend aufrichtiges Lob – zu Recht: Zum wiederholten Mal legte sie eine ebenso detaillierte wie strukturierte und gut verständliche Aufstellung vor. Auch die anschließenden Nachfragen der Abgeordneten beantwortete Schütz-Heckl exakt.
Fünf Bereiche waren es, die den LPA im Jahr 2010 hauptsächlich beschäftigt haben und die jetzt vor dem Landtagsgremium bilanziert wurden: Laufbahnwechsel aus dem mittleren Fernmeldedienst des Bundes für Teilnehmer eines Sonderlehrgangs. Sondermaßnahmen zur Gewinnung von Lehrkräften für die beruflichen Schulen. Aufstiegsverfahren in die nächst höheren Laufbahnen. Aktueller Stand der Nachwuchsgewinnung und Aufgabenspektrum des LPA nach dem zum 1. Januar 2011 in Kraft getretenen Dienstrecht.
Personal-, Sachbearbeiter oder Kämmerer in den Bereichen Baurecht oder Sitzungsdienst: Diese Berufe haben ehemalige Bundesbeamte der Deutschen Telekom AG nach einschlägiger Schulung angenommen: Rund 800 Mitarbeiter hätten auf diese Weise unbefristete Stellen im öffentlichen Dienst bekommen, rund 700 davon bei der Bundesagentur für Arbeit.
Davon abgesehen konnten sich 50 ehemalige Ingenieure – sie mussten mindestens einen Fachhochschulabschluss nachweisen – des erwähnten Konzerns zu Lehrern „umschulen“ lassen. Davon profitierten laut Bericht beide Seiten: Zum einen fanden die Ingenieure, die bei ihrem früheren Arbeitgeber von Rationalisierungsmaßnahmen betroffen waren, eine neue Aufgabe.
Zum anderen habe man dem „Lehrermangel in den beruflichen Fachrichtungen Metalltechnik, Elektrotechnik und Informationstechnik und in den allgemein bildenden Fächern Deutsch und Englisch“ entgegengewirkt. Außerdem: „Nach einer einjährigen Nachschulung konnte der Landespersonalausschuss im Jahr 2010 bei weiteren 39 Realschullehrern abschließend die Befähigung für das höhere Lehramt an beruflichen Schulen in allgemein bildenden Fächern als anderer Bewerber feststellen.“
An den Aufstiegsverfahren vom gehobenen in den höheren Dienst hätten im Berichtsjahr 2010 insgesamt 82 Beamte aus den staatlichen und kommunalen Verwaltungen Bayerns teilgenommen. „Die Anzahl der Aufstiegskandidaten entspricht in etwa der vorheriger Jahre“, sagte Schütz-Heckl. 16 (19,5 Prozent) der Aufsteiger seien weiblich.
Mehr Gymnasiallehrer an
Berufsschulen bringen
Apropos Frauen: Beim Verwendungsaufstieg ist der weibliche Anteil laut Bericht deutlich gestiegen: Von 17 Prozent im Jahr 2009 auf 23,4 Prozent im Jahr 2010. Eine Neuerung, die das neue Dienstrecht bewirkt: „Künftig werden die bisherigen Aufstiegsverfahren aufgrund des neuen Leistungslaufbahngesetzes durch ein System der modularen Qualifizierung ersetzt.“ Darauf, wie Letzteres wiederum gestaltet werden soll, wird der Landespersonalausschuss Einfluss haben. Gleiches betrifft die Nachwuchsgewinnung: „Wir verstehen uns bei der Abwicklung der Auswahlverfahren als Dienstleister sowohl für die Bewerber als auch für die einstellenden Verwaltungen“, sagte Schütz-Heckl.
Aus den von Schütz-Heckl vorgelegten Zahlen folgerten die Ausschussmitglieder fraktionsübergreifend, dass der öffentliche Dienst für junge Menschen attraktiv sei. Adi Sprinkart (Grüne) wollte allerdings wissen, ob diejenigen von den Bewerbern, die ihren Dienst letztlich beim Staat antreten – und nicht trotz bestandener Prüfung bei besser zahlenden Unternehmen der freien Wirtschaft anheuern –, zu den Besten gehören. Schütz-Heckls Antwort: „Man kann aus den ersten zehn Prozent abschöpfen.“
Thomas Gehring (Grüne) findet es nicht sinnvoll, dass Realschullehrer für die beruflichen Schulen weitergebildet werden angesichts der dafür per se ausgebildeten Gymnasiallehrer, von denen viele eine Stelle suchten.
Dieser Kritik stimmte auch die Vorsitzende des bayerischen Ausschusses für den öffentlichen Dienst Ingrid Heckner (CSU) zu. Zudem hielt sie den LPA an, weiterhin auf Messen geeignetes Personal – insbesondere Nachwuchs – anzuwerben. (Alexandra Kournioti)

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