Landtag

"Nutzen wir die Chance, uns einzumischen!" Im Landtag entdecken Schülerinnen, dass Politik Spaß machen kann. (Foto J. Hertlein)

26.04.2013

Mädchen an die Macht: "Setzt euch durch in der Politik!"

Jugendparlament: SPD lädt Schülerinnen ein

Normalerweise sitzen im Landtag nur wenige Frauen. Am 22. April 2013 fand man im Plenarsaal dafür keine Männer: Die SPD veranstaltete zum sechsten Mal ein Mädchenparlament. 180 Schülerinnen bekamen Einblicke in den Alltag von Politikerinnen, diskutierten in Ausschüssen und stellten anschließend im Plenum ihre Anträge.
Der typische Politiker ist männlich. Im Landtag sind nur 31 Prozent Frauen vertreten. Während es bei den Grünen 52 und der SPD immerhin 46 Prozent sind, gibt es in der CSU-Fraktion nur 20 Prozent Politikerinnen. Im lokalen Raum finden sich noch weniger Frauen: In Bayern sind nur sechs Prozent der Bürgermeister weiblich, und auch in Stadt- und Gemeinderäten sind die Frauen unterrepräsentiert.
Das muss sich ändern, findet Simone Strohmayr: „Ich bin für eine Frauenquote von 50 Prozent in der Politik!“ Sie ist frauenpolitische Sprecherin der SPD und leitet das Mädchenparlament. „Wir wollen Mädchen für den Beruf der Politikerin begeistern, ihnen zeigen, dass sie etwas bewirken können, dass Politik Spaß macht und sie sich trauen müssen, sich in dieser Männerdomäne durchzusetzen.“

Lange Schlangen vor dem Plenarsaal


Vor den Listen der Ausschüsse haben sich lange Schlangen gebildet. Jede möchte ihr Lieblingsthema diskutieren. Schnell schnappt sich Susanne, 16, von der Realschule Bad Königshofen, einen Stift und trägt sich für die Gruppe „Nur noch Bio auf die Teller?“ ein. Ihr liegt das Thema am Herzen, weil sie selbst vom Bauernhof kommt. Und sie will beim Mädchenparlament Einblicke in die Politik bekommen: „Wir haben Glück, in einer Demokratie zu leben und sollten unsere Chance, uns einzumischen nutzen!“
Jasmin, 16, vom Gymnasium Königsbrunn bei Augsburg, will hingegen in die Gruppe, die die Plenardebatte organisiert und leitet: „So bekomme ich am besten die Abläufe im Landtag mit.“ Das Mädchen kommt aus dem Wahlkreis von Simone Strohmayr. Jasmin will wissen: „Was raten Sie Mädels, die später Politikerin werden wollen?“ „Am besten ist es, sich vor Ort für seine Interessen einzusetzen. Ihr müsst selbst etwas bewegen und euch aktiv in die Gesellschaft einbringen!“, antwortet die Abgeordnete. Ihre Kolleginnen aus dem Landtag, Maria Noichl und Annette Karl fügen hinzu, dass Mädchen bei Rückschlägen nicht aufgeben dürfen und sich ihre Begeisterungsfähigkeit und ihren Mut bewahren sollen. Jasmin nimmt sich das Mutigsein zu Herzen – und lässt sich kurz darauf in der Organisationsgruppe der Plenardebatte zur Vorsitzenden wählen.

Die Gruppe "Facebook-Party"


Währenddessen sind in der Gruppe „Facebook-Party“ heftige Diskussionen entbrannt. Es geht darum, ob Facebook-Partys verboten werden sollten, um die Nutzer des sozialen Netzwerks davor zu schützen, dass plötzlich Tausende von Besuchern zu ihren Feiern kommen, nur weil die Party öffentlich einsehbar war.
Fast alle der Mädchen nutzen das soziale Netzwerk. Nicht so Kaltrina, 16, von der Liebfrauen- Schule Dießen. Sie setzt sich für den Antrag ein, dass Veranstaltungen in Facebook nur noch „privat“ erstellt werden können, das heißt, nur für die eigenen Freunde sichtbar. Schnell wird klar, Kaltrina hat viele Unterstützer.
Doch dann geht es darum, wer „Sprecherin“ des Ausschusses wird und damit den Antrag im Plenum vorstellt. Die Mädchen zögern. Eine wird vorgeschlagen und druckst rum. Die nächste meint, sie sei zu schüchtern. Die Blicke fallen auf Kaltrina. „Genau das ist das Problem!“, meint Abgeordnete Strohmayr fast aufgebracht, „wenn das Jungs wären, hätten schon zehn lauthals geschrieben, dass sie’s machen wollen. Deswegen bleiben Frauen oft außen vor. Die Mädchen müssen eine Streitkultur erlernen. Sie müssen lernen, sich wirklich durchsetzen zu wollen!“
Auch in der Gruppe, die sich mit Biolebensmitteln beschäftigt, wird eifrig diskutiert. Susanne hat sich dazu entschieden, die Gruppe zu unterstützen, die gegen den Antrag für „mehr Bio“ ist, denn ihr sind regionale Produkte viel wichtiger. Nach der Ausschusssimulation ist sie überzeugt, dass es Politiker nicht leicht haben: „Sie tragen so viel Verantwortung, und dabei können sie es gar nicht jedem recht machen!“
Sobald Pause ist, laufen die Mädchen motiviert aus ihren Ausschüssen und erzählen ihren Mitschülerinnen von ihren politischen Erfolgen. In der großen Runde fällt Matthias Menke, einer von ganz wenigen anwesenden Männern, besonders auf. Er ist persönlicher Referent der Bayern-SPD-Generalsekretärin Natascha Kohnen, zum ersten Mal unterstützend beim Mädchenparlament dabei und fasziniert: „Ich habe die Diskussionen verfolgt und war beeindruckt! Ich hätte in der zehnten Klasse garantiert nicht so ernsthaft debattiert wie die Mädels heute.“
Schon beginnt die Plenarsitzung. Jasmin eröffnet die Debatte. Als Erste ist Kaltrina dran. Sie ist nervös. Aber sie weiß, warum sie hier ist: „Ich möchte später Politikerin werden, weil ich mich dann für Themen, die mir und anderen wichtig sind, einsetzen kann.“ Kaltrina geht vor ans Rednerpult, atmet tief durch und beginnt vor 180 anderen Mädchen zu sprechen. Sie gestikuliert, erklärt, überzeugt.
Danach sagt sie beruhigt: „Während des Vortrags ist die Aufregung ganz von allein verschwunden. Und ja, ich hatte zwischendurch einen kleinen Hänger. Aber dann hat doch noch alles geklappt. Und es hat riesig Spaß gemacht. Eigentlich hätte ich noch eine Stunde reden können!“ (Jennifer Hertlein)

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