Landtag

Der Wirtschaftsausschuss in Mexiko (von links): Markus Blume (CSU), Johann Häusler (FW), Jutta Wilking (Referentin Die Grünen), Sandro Kirchner (CSU), Ralph Jäkel (LB Wirtschaftsministerium), Martin Stümpfig (Stellv. Vorsitzender d. Wirtschaftsausschusses , Die Grünen), Dr. Otmar Bernhard (CSU), Gabriele Fink (Wirtschaftsministerium), Dr. Roland Metz (Referent SPD), Annette Karl (SPD), Bernhard Roos (SPD), Mark Brasseur (Bayerische Auslandsrepräsentanz Mexiko), Natascha Kohnen (SPD), Walter Nussel (CSU), Andreas Lotte (SPD), Ulrike Gote (Vizepräsidentin des Bay. Landtags, Die Grünen), Renate Baumer (Landtagsamt Büroleiterin WI), Hans-Jörg Oelschlegel (LB Innenministerium), Markus Ganserer (Die Grünen), Dr. Stefan Seitz (LB Finanzministerium), Jorge Guerrero (Bayerische Auslandsrepräsentanz Mexiko), Dr. Solveig Lauke (Referentin CSU), Tobias Lange (Industriereferent der Deutschen Botschaft, Mexiko), Christian Weber (Invest in Bavaria), Eberhard Rotter (CSU), Erwin Huber (Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses, CSU), Simone Wiesinger (Referentin FW).

25.11.2016

"Mexiko ist ein riesiger Markt für Bayerns Unternehmer"

Erwin Huber im Interview: Der Wirtschaftsausschuss des Landtags bereiste Mexiko: Was hat der Besuch gebracht?

BSZ: Herr Huber, Ihre Ausschussreise fand kurz nach der US-Wahl statt. Wie steht man in Mexiko zu Trumps Ankündigung, eine Mauer zu errichten, die Mexiko auch noch selbst zahlen soll?
Erwin Huber: Auf Trumps Mauerbaupläne reagieren die Mexikaner besorgt, aber relativ sachlich – man wartet ab, ob’s tatsächlich so weit kommt. Allerdings halte ich es für völlig abwegig, dass Mexiko die Mauer, sollte sie je gebaut werden, bezahlt. Schießlich will ja Trump diesen Megazaun, Mexiko selbst hätte keinen Nutzen davon.

BSZ: Und wie ausgeprägt ist die Angst der Mexikaner, dass der künftige US-Präsident Trump seine angedrohten Handelsbeschränkungen zu Mexiko realisiert?
Huber: Da gibt es natürlich echte Sorgen, aber es gibt innerhalb der USA etwa 20 Staaten, die sehr mexiko-affin sind. Darunter Kalifornien,New Mexiko oder South Carolina. In diesen US-Staaten gibt es Unternehmen, die gute und lukrative Geschäftsbeziehungen zu Mexiko unterhalten. Was sie natürlich weiterhin haben wollen. Der Zwist wird also auch innerhalb der USA Gräben aufreißen. Die Mexikaner hoffen jetzt, dass die promexikanisch eingestellten US-Bundesstaaten sich durchsetzen. Dass sie also Trump davon abbringen können, die Handelszölle um 35 Prozent anzuheben. So will sich Trump ja die mexikanische Konkurrenz vom Hals schaffen. Insgesamt ist Mexiko sehr stark vom Handel mit den USA abhängig: 80 Prozent der mexikanischen Exporte gehen in die USA.

BSZ: Was für Güter sind das?
Huber:  Industriegüter, vor allem Autos und Autoteile. Zum Beispiel haben VW, BMW, Toyota, Audi oder Ford große Produktionsstätten in Mexiko. Audi hat sein eine Milliarde Euro teures Werk dort soeben fertiggestellt. Dort sollen künftig 150 000 Fahrzeuge vom Typ Q 5 für den Weltmarkt produziert werden. BMW baut derzeit für die gleiche Summe ein Werk, das 2019 fertig ist. Es soll den amerikanischen Markt beliefern. Daneben sitzen in Mexiko viele Autozulieferer. Zum Beispiel der niederbayerische Zulieferer Dräxlmaier. Zehn Prozent seiner 50 000 Arbeitsplätze weltweit sind in Mexiko angesiedelt.

BSZ:  Das heißt, amerikanische Handelsbeschränkungen für Mexiko würden auch bayerische Unternehmen treffen, die dort produzieren?
Huber: Ja. Viele bayerische Unternehmen wie Audi, BMW, Dräxlmaier, MAN, Rehau oder Siemens haben in Mexiko Dependancen errichtet, weil das Land mit seinen 120 Millionen Einwohnern erstens ein interessanter Markt ist und zweitens eine interessante Handelsdrehscheibe – strategisch günstig platziert zwischen Nord- und Südamerika sowie Asien und Europa. Immer mehr deutsche und bayerische Investoren kommen nach Mexiko, die Automobilbranche dort hat ehrgeizige Pläne. Derzeit ist Mexiko weltweit auf Platz 14 beim Autobau, im Jahr 2025 wollen die mexikanischen Autobauer weltweit die Nummer 5 sein. Wenn Trump den freien Handel beschränkt, würden Mexikos Exporte in die USA unattraktiv.

"Ich muss zugeben, dass das mexikanische Bier sehr gut schmeckt"


BSZ:  Protektionistische Tendenzen gibt es nicht nur in den USA, sie nehmen auch in Europa zu. Was sagen Sie den Freihandels-Skeptikern?
Huber:  Globalisierung bedeutet, dass man an vielen Orten produzieren muss und den möglichst ungehinderten Zugang zu vielen Märkten braucht. Je mehr durch Zölle und sonstige Schranken der Austausch von Gütern und Leistungen verteuert und beschränkt wird, um so mehr trifft es Jobs, und umso teurer werden die Produkte. Es treffen solche protektionistische Maßnahmen also nicht nur Hersteller, sondern uns alle als Verbraucher. Es ist eine Illusion, sich durch Abschottung Vorteile verschaffen zu können. Was wir brauchen, sind faire Bedingungen, zum Beispiel über Handelsabkommen.

BSZ: Handelsbeschränkungen der USA können auch hiesige Unternehmen betreffen, die in die USA exportieren. Befürchten Sie, dass bayerische Betriebe dann Standorte und Jobs in die USA verlagern?
Huber: Im Moment sieht es so aus, als würde Trump seine Maßnahmen vor allem gegen Länder des Pazifik-Raumes richten, von Japan bis Neuseeland. Sollte es auch gegen Europa gehen, würde das Reaktionen auslösen, die vor allem den exportierenden Mittelstand träfen, der keine Produktion verlagern kann. Es wären sicher Arbeitsplätze bei uns in Gefahr.

BSZ: Mit welchen Erkenntnissen und Wünschen sind Sie von Ihrer Mexiko-Reise zurückgekehrt?
Huber:  Sehr positiv hat alle die starke Investitionstätigkeit bayerischer Firmen in Mexiko beeindruckt. Das betrifft besonders auch den hohen Qualitätsstandard und die Ausbildungsleistung. Bayern hat einen phänomenalen Ruf dort, deshalb sollten wir die Repräsentanz des Freistaats dort fortführen und die politischen und wirtschaftlichen Kontakte pflegen.

BSZ: Wer waren Ihre Gesprächspartner vor Ort?
Huber: Die Manager bayerischer Unternehmen, aber auch mexikanische Regierungsstellen und besonders wichtig, der Dachverband der mexikanischen Unternehmerschaft.

BSZ: Abgesehen von ökonomischen Faktoren – konnten Sie Mexiko auch sonst etwas abgewinnen?
Huber: Das Essen ist gut, aber gelegentlich war’s mir ein bissl zu spicy. Und ich muss zugeben, dass mir trotz fehlenden Reinheitsgebots auch das mexikanische Bier ziemlich gut geschmeckt hat.
(Interview: Waltraud Taschner)

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