Landtag

Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) mit Schülern beim Israeltag. (Foto: Lohmann)

22.03.2013

Servus Israel, Schalom Bayern

Der erste Studientag Israel im Landtag soll die Zusammenarbeit im Bildungssektor intensivieren

Wie gut die Beziehungen zwischen Deutschen und Israelis sind, zeigte sich gleich zu Beginn des ersten Studientags Israel im bayerischen Landtag. „Woran erkennt man einen Israeli?“, fragt der ehemalige Nahost-Korrespondent der ARD, Martin Wagner, die zahlreichen Zuhörer und Abgeordneten aus den Fraktionen. „Er geht nach Dir in eine Drehtür und kommt vor Dir heraus.“ Über diese Charakterisierung der als gewitzt geltenden Israelis muss auch der israelische Generalkonsul Tibor Shalev Schlosser lachen und verweist stolz auf den selbstkritischen Humor seiner Landsleute.

Was für die anwesenden Jugendlichen wie ein Scherz unter Freunden klingen dürfte, ist 70 Jahre nach dem Holocaust mit sechs Millionen ermordeten Juden alles andere als selbstverständlich. Schlosser kommt daher nicht umhin, die Völkerverbundenheit als „Wunder“ zu bezeichnen. „Die Freundschaft hat sich nicht aus dem Nichts entwickelt, sondern aus einfachen Menschen, die sich kennenlernen wollten“, verdeutlicht er. Inzwischen sei Deutschland Israels wichtigster Partner in Europa.

Die Vergangenheitsbewältigung begann bereits in den 50er Jahren

Begonnen hat die Vergangenheitsbewältigung bereits in den Fünfzigerjahren, als die aus Nazi-Deutschland geflohen jüdischen Wissenschaftler ihre einstigen Kollegen wiedersehen wollten. 1960 veranstaltete der Bayerische Jugendring (BjR) den ersten Austausch mit Israel und schon 16 Jahre nach Kriegsende kamen junge Israelis in das Land der Täter. Obwohl das Programm in der Bevölkerung teilweise für Unverständnis sorgte, wurde es 1995 durch eine Partnerschaft zwischen der Jerusalemer Stadtverwaltung und dem BjR professionalisiert.

„Bayern macht bis heute unheimlich viel“, beteuert Schlosser und nennt Verträge, Absichtserklärungen, Treffen und die Arbeit der Landeszentrale für politische Bildung als Motor für den Annäherungsprozess. „Begegnen müssen sich aber die Menschen, weshalb die Jugend besonders gefragt ist“, ergänzt Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Gemeinsam mit dem israelischen Generalkonsulat und dem Bildungsausschuss, der 2012 in Israel zu Gast war, lud sie deswegen Schüler aus dem Freistaat und dem Heiligen Land zu verschiedenen Informationsforen ins Maximilianeum ein, um selber aktiv zu werden. Drei davon sind Lorenz, Nana und Felicia aus der 10. Klasse des Gymnasiums Neutraubling. Sie wollen im nächsten Schuljahr einen Schüleraustausch nach Israel organisieren und sich in den Räumen des Landtags über die vielfältigen Möglichkeiten informieren.

Binationaler Geschichtsunterricht

Im Senatssaal bekommen die 15-Jährigen durch die Bilder der Studienreise des Augsburger Holbein-Gymnasiums einen ersten Eindruck von dem durch den Nahostkonflikt gespaltenen Land. Im Konferenzsaal berichtet Francoise Cafri von der Jerusalemer Stadtverwaltung, wie ein typischer Austausch im Detail abläuft: angefangen von der Unterbringung in Gastfamilien über binationalen Geschichtsunterricht für ein besseres gegenseitiges Verständnis bis zu einem Besuch in der Shoah-Gedenkstätte Yad Vashem. Den angereisten Lehrern erläutert der BjR-Präsident Matthias Fack im Anschluss, welche Zuschüsse sie von der Staatsregierung für die Reise erhalten, und auf welche Weise ängstliche Eltern beruhigt werden können.

Wie wirksam die pädagogische Zusammenarbeit gegen Antisemitismus ist, beweist eine Studie des BjRs. Selbst nach zehn Jahren haben ehemalige deutsche Teilnehmer die gleichen positiven Einstellungen gegenüber Israelis, wie kurz nach dem Aufenthalt. Außerdem könnten Deutsche vor Ort viel über die eigene Identität und den Umgang mit Multikulturalismus lernen. „Da sich jeder Jude auf der ganzen Welt in Israel niederlassen darf, bedarf es einer enormen Integrationsleistung“, betont Eduard Nöth (CSU) vom Bildungsausschuss.

Doch von dem Programm profitieren beide Seiten. „In Israel haben noch viele das Vorurteil, dass Deutsche Nazis und kalt sind“, erklärt die Austauschschülerin Lital aus Haifa. „Aber seit unserem Besuch in Oberstdorf haben wir unsere Meinung geändert.“(David Lohmann)

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