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Franz Josef Strauß und Erich Honecker schreiten am 11. September 1987 eine Ehrenformation ab. Honecker war das erste Staatsoberhaupt der DDR, das zu einem offiziellen Besuch in die BRD kam. (Foto: dpa)

08.08.2014

War Strauß in Blutkonservengeschäfte mit der DDR verwickelt?

Schriftliche Anfrage von Sepp Dürr (Grüne)

Zu Beginn des Jahres deckte das ARD-Magazin Report Mainz eine längst vergessen geglaubte Geschichte auf. In den Achtzigerjahren bezog das Bayerische Rote Kreuz (BRK) Blutkonserven aus der damaligen DDR, die vermutlich unter Zwang Häftlingen entnommen worden waren. Nach Angaben des Geschäftsführers zu dieser Zeit hat Franz Josef Strauß das Geschäft eingefädelt. „Etwa zeitgleich handelte Strauß mit dem obersten Devisenbeschaffer der DDR den Milliardenkredit aus, der dem Land nach Ansicht vieler Historiker die Existenz verlängerte“, schreibt Sepp Dürr (Grüne) in seiner Anfrage. Auch sonst habe Strauß eifrigen Umgang mit Erich Honecker und anderen Vertretern des Unrechtsstaates gehabt. Der Grünen-Abgeordnete wollte daher wissen, welche Informationen der Staatsregierung zu diesem Vorfall bekannt sind und wie sie rückblickend das Handeln von Strauß beurteilt.

Die Antwort fällt ernüchternd aus: „Umfangreiche Recherchen haben ergeben, dass in der Staatskanzlei und allen Staatsministerien für den Zeitraum 1983 bis heute keinerlei Vorgänge zu der Thematik vorhanden sind, die zur Beantwortung der Anfrage herangezogen werden können.“ Eine Beteiligung von Mitgliedern oder Vertretern der Staatsregierung an den Geschäften sei daher nicht ersichtlich.

Im Zusammenhang mit einer Schmiergeldaffäre sind nach Angaben des federführenden Gesundheitsministeriums zwar Akten gegen Verantwortliche des BRK sichergestellt worden. „Dass darunter auch Unterlagen betreffend etwaiger Blutkonservengeschäfte des BRK mit der DDR gewesen wären, ergibt sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft München […] nicht; es kann jedoch aufgrund der Art der konkreten Erfassung nicht ausgeschlossen werden.“ Der genaue Verbleib der Dokumente könne nicht mehr nachvollzogen werden.

Die Nähe Strauß’ zu Honecker begründet das Ressort von Melanie Huml (CSU) mit der Linderung der Folgen der Teilung für die Menschen in Ost und West. „Als Gegenleistung für den Milliardenkredit ließ sich die DDR weitreichende Zugeständnisse abringen, wie Erleichterung bei Grenzkontrollen und der Familienzusammenführung.“

Dürrs Einschätzung, wonach Stasi-Akten aus Sorge um Strauß’ Ansehen vom Verfassungsschutz vernichtet worden sind, teilt ein Ressortsprecher nicht. „Die Unterlagen wurden in Bayern [...] unverzüglich und ohne vorherige Auswertung vernichtet.“ Strauß eigne sich wegen seiner besonderen Verdienste nach wie vor als Namensgeber für Straßen, Schulen und natürlich den Münchner Flughafen.  (David Lohmann)

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