Landtag

Viele Bürger sind aufgebracht. (Foto: dpa)

01.08.2014

Tuberkulose in Milch und Fleisch „nicht ausgeschlossen“

Schriftliche Anfrage von Leopold Herz (Freie Wähler)

Tuberkulose (TBC) war früher in Bayern weit verbreitet. Bis in die 1950er-Jahren litten fast zwei Drittel aller Rinder auf Bauernhöfen an TBC. Erkrankte Tiere gaben in der Folge weniger Milch und starben schließlich. Da der Erreger auch auf den Menschen übertragen werden kann, wurde die Infektionskrankheit systematisch bekämpft – ab 1960 galt sie in Deutschland als ausgerottet. Doch seit einiger Zeit geht der Erreger wieder um. Leopold Herz (Freie Wähler) fragte daher nach dem aktuellen Stand, der Finanzierung der Untersuchungen und ob die Staatsregierung Gelder für Forschung bereitstellt.

Dem Verbraucherschutzministerium zufolge wurden im Freistaat bisher 380 000 Tiere in 10 200 Betrieben untersucht. In 32 davon wurde Rinder-TBC festgestellt – 21 im Oberallgäu, neun im Ostallgäu, einer im Unterallgäu und einer in Bad Tölz-Wolfratshausen. Aktuell seien aus diesem Grund vier Betriebe gesperrt.

Beim Rotwild hat die bayerische Jägerschaft in der letzten Jagdsaison Organmaterial von 2394 erlegten Tierten aus den drei südbayerischen Regionen zur Untersuchung an das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) eingesandt. „Insgesamt wurde bei 23 Proben der Erreger Mykobakterium caprae kulturell isoliert“, schreibt das Ressort von Marcel Huber (CSU). Betroffen war vor allem das Ostallgäu: „Bei den Untersuchungen im Rahmen des bayerischen Rotwildmonitorings haben sich mit dem südlichen Landkreis Oberallgäu und dem Gebiet oberes Isartal/Karwendel zwei so genannte Hot-Spot-Gebiete herauskristallisiert, in denen auch in der Jagdsaison 2014/2015 die Untersuchungen fortgeführt werden.“

Die Finanzierung dieser Untersuchungen läuft unterschiedlich: In den meisten Landkreisen und kreisfreien Städte werden Tierärzte vom Freistaat bezahlt. Regionen ohne Werkverträge werden aus den Mitteln der Bayerischen Tierseuchenkasse finanziert. Beim Rotwild übernimmt das LGL und somit der Staatshaushalt die Kosten für die Diagnostik und Entschädigung der Jäger.
Der aktuelle Forschungsstand liest sich ernüchternd: Die meisten Projekte zur Verbesserung der Nachweismethoden von TBC-Erregern in Gewebeproben von Rindern und Rotwild sind abgeschlossen, lieferten in der Regel aber keine ausreichend reproduzierbaren Werte. Nicht minder beruhigend die Warnung aus dem Huber-Ressort: „Aufgrund des sporadischen Nachweises von Bakterien des M. tuberculosis-Komplexes bei Milchkühen und Rotwild kann ein Eintrag in die Lebensmittelkette (Milch, Fleisch) nicht vollständig ausgeschlossen werden.“ (David Lohmann)

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