Landtag

22.10.2010

Unser Museumsviertel soll schöner werden

Anhörung über die Zukunft des Münchner Kunstareals

Es ist einer der Touristenmagnete der bayerischen Landeshauptstadt: das Museumsviertel im Zentrum Münchens. Doch schon lange kritisieren Experten, dass die mehr als ein halbes Dutzend Kunst- und Kultureinrichtungen – darunter etwa die drei Pinakotheken und die Glyptothek – zu wenig zusammenarbeiten. Wie das geändert werden kann, würden auch die Abgeordneten des Hochschulausschusses des bayerischen Landtags allzu gerne wissen. Deshalb statteten die Ausschussmitglieder am Mittwoch der Pinakothek der Moderne einen Besuch ab. Verkehrsexperten, Lokalpolitiker und Museumsmitarbeiter standen dort den Parlamentariern bei einer Experten-Anhörung drei Stunden lang Rede und Antwort.


Einheitliche Öffnungszeiten


Klaus Schrenk, Generaldirektor der bayerischen Staatsgemäldesammlungen, betonte zwar, „dass es schon jetzt eine Reihe gemeinsamer Projekte“ zwischen den im Stadtteil Maxvorstadt verorteten Kunsteinrichtungen und Ausstellungen gebe, räumte aber auch ein: „Es muss hier mehr passieren.“ Schrenk schlägt als einen der ersten Schritte in Richtung eines gemeinsamen Konzepts vor, dass die Kern-Einlassszeiten der Museen angepasst werden. „Alle Häuser sollten von 10 bis 18 Uhr geöffnet haben“, sagt der Professor. Zusätzlich sei es sinnvoll, wenn zumindest ein Museum einmal in der Woche erst um 21 Uhr schließe.
Von zentraler Bedeutung ist nach Auffassung der Experten auch eine verbesserte Beschilderung der verschiedenen Häuser. Nach Ansicht der kulturpolitischen Sprecherin der FDP-Fraktion, Julika Sandt, solle damit zügig begonnen werden.
Auch ein gemeinsames Ticket ist im Gespräch. „Das könnte die ideelle Zusammengehörigkeit stärken“, sagt etwa Oskar Holl, Vorsitzender des örtlichen Bezirksausschusses.
Zudem wollen die Museen offenbar ihre gemeinsamen Marketing-Aktivitäten ausbauen. Große Bedeutung dürfte den verkehrsbaulichen Maßnahmen zukommen. Sie könne sich „durchaus vorstellen, dass einige Bereiche das Museums-Areals zeitlich begrenzt zu Fußgängerzonen werden“, erklärte Elisabeth Merk, Münchner Stadtbaurätin.
Auch die vielen Freiflächen in der Maxvorstadt waren Thema der Anhörung. „Sie sind Fluch und Segen“, sagte die Kulturveranstalterin Ulrike Bührlen.Bührlen schlug vor, diese für Kunst im öffentlichen Raum zu nutzen. Zuvor hatte die Fraktionschefin der Grünen, Margarete Bause, moniert, dass „ein Belebungs-Konzept“ für das Museums-Viertel fehle. „Das Viertel ist abgesehen von einem Wochenmarkt tot“, sagt die Münchnerin.
Iris Lauterbach, Forschungsreferentin des Zentralinstituts für Kunstgeschichte, mahnte derweil eine bessere Pflege der Internetauftritte der verschiedenen Kultureinrichtungen an.
Welche Maßnahmen am Ende tatsächlich umgesetzt werden, ist allerdings noch völlig offen. „Die Diskussion über die richtigen Konzepte läuft noch“, erklärte Sophie Wolfrum vom Lehrsuhl für Städtebau und Regionalplanung an der Technischen Universität München. Die Professorin, deren Institut ebenfalls an der Museumsmeile residiert, hält es zunächst einmal für wichtig, dass die verschiedenen Einrichtungen ihre Erdgeschosse stärker den Einblicken der Passanten öffnen. „Fast alle Museen haben ein Café. Aber von außen sehen sie meistens geschlossen aus.“
Professor Schrenk befürchtet allerdings, dass viele gute Ideen an der Finanzierung scheitern könnten. „Ein großer Teil der Eintrittsgelder geht an das Finanzministerium.“
Manchen Abgeordneten waren die Ausführungen des Podiums offenbar zu wenig konkret. So bekam etwa der ehemalige bayerische Wissenschaftsminister Thomas Goppel keine ausreichende Antwort auf seine Frage, wie weit denn nun der Verbund der Museen eigentlich fortgeschritten sei.
Mehrere Experten forderten bei der Ausarbeitung der Pläne in jedem Fall die Bewohner des Viertels einzubeziehen. Bei der Anhörung des Ausschusses der Museumsmeile habe sich gezeigt, „dass wir die Bürger und Bürgerinnen mit ins Boot holen müssen, damit für sie der Mehrwert dieser einzigartigen Museumslandschaft erkennbar wird“, erklärte auch die Liberale Sandt später. Die Beteiligung könne in Form eines Bürgergutachtens sowie einer intensiven Debatte mit den Bürgern auf allen politischen Ebenen erfolgen.


Gefährdete Schätze


Die stellvertretende Ausschussvorsitzende Isabell Zacharias (SPD) betonte derweil, sie hoffe, dass der „Bildungsausschuss auch bei der künftigen Entwicklung eng miteinbezogen werde“.
Ein leidenschaftlicher Appell in Richtung der Parlamentarier kam von Markus Michalke. Der Vorsitzende des Stifungsrats Stiftung Pinakothek der Moderne monierte die nach wie vor unzureichende Lagerung der staatlichen Graphischen Sammlung in der Pinakothek der Moderne. „In die Räume der Sammlung ist bereits Wasser gelaufen.“ München bewahrt neben den Kabinetten in Berlin und Dresden die bedeutendste Sammlung für Zeichnungen und Druckgraphik in Deutschland und gehört weltweit zu den führenden Graphiksammlungen. „Wir werden einen Anteil an Spendengeldern leisten, doch es ist vor allem die Politik gefragt“, rief Michalke den Abgeordneten zu. (Tobias Lill)

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