Landtag

Das Maximilianeum in München: Hausherr dort ist die Stiftung, der Landtag ist lediglich Mieter in dem schönen Gebäude. (Foto: dpa)

29.05.2015

Vertrauen auf die Kraft des Arguments

Wirbel um die Stiftung Maximilianeum: Die Stipendiaten haben die AfD-Politikerin Frauke Petry eingeladen – sehr zum Verdruss der Abgeordneten

"Manche Meinungsäußerung war unangenehm", sagt Hanspeter Beißer. Als einziger und ehrenamtlicher Vorstand vertritt er seit 1998 die Stiftung Maximilianeum nach außen und kümmert sich zudem selbst um die Stipendiaten seiner Stiftung, mit denen er im Maximilianeum lebt. Das ist ein geradezu historisches Privileg. Die Hausordnung dieses prominenten Münchner Gebäudes gestattet es nicht einmal Landtagsabgeordneten, im Maximilianeum zu übernachten. Stipendiaten der Stiftung gehören zu den besten bayerischen Abiturienten. Bis zu 80 Kandidaten werden pro Jahr von ihren Gymnasien vorgeschlagen, zur Aufnahme kommt es in der Regel nur bei sechs bis acht.

Einmal im Jahr gibt’s ein nicht öffentliches Podium

Einmal im Jahr laden sie zum „Forum Maximilianeum“, einer nicht öffentlichen Podiumsdiskussion und nehmen sich mit meist prominenten Rednern ein anspruchsvolles Thema vor. Über „Europa – ein fragiles Wunder“ wollen die Stipendiaten in diesem Jahr am 15. Juni im Senatssaal sprechen und haben dazu neben dem ehemaligen tschechischen Staatspräsidenten Václav Klaus, Edmund Stoiber und dem ZDF-Journalisten Udo von Kampen auch Frauke Petry eingeladen. Ausgerechnet Frauke Petry, die sich gerade mit Bernd Lucke bei der AfD eine bespiellose Schlacht um die künftige Ausrichtung ihrer neokonservativen Partei liefert. Einige Landtagsabgeordnete haben die Einladung an die Europa-Kritiker Klaus und Petry heftig kritisiert. Unangenehm kritisiert. Deutlichere Worte erlaubt sich Hanspeter Beißer nicht. Er ist, im besten Sinne des Wortes, ein feiner Herr. Beißer war selbst Stipendiat im Maximilianeum, ein sogenannter „Maximer“, und arbeitet heute als Justiziar beim Wittelsbacher Ausgleichsfonds.
Wer Maximer werden will, muss durchweg sehr gute Noten haben; es darf so gut wie keine Zwei im Abiturzeugnis stehen. Zu den Aufnahmeprüfungen antreten können Schüler aus Bayern und der Pfalz, die früher zu Bayern gehörte und heute zu Rheinland-Pfalz. In einer Hochbegabtenprüfung sowie der anschließenden „Maximsprüfung“ entscheidet sich, wer aufgenommen wird. Die Stipendiaten werden bekocht, ihre Zimmer geputzt. Neben Beißer kümmern sich fünf Stiftungsmitarbeiter, nicht alle in Vollzeit. Was das alles kostet, ist vertraulich. Der eigentliche Reiz der Stiftung liegt für Hanspeter Beißer in der Gemeinschaft von Gleichgesinnten. „Hier kann man sich gegenseitig inspirieren.“ Denkt er an seine Studienzeit zurück, fallen Beißer besonders die engen Freundschaften ein, die im Maximilianeum entstanden sind. „Jemand, der außergewöhnlich gute Noten hat, gilt in der Schule oft als Sonderling. Hier ist er nichts Besonderes mehr.“

Stiftungsvorstand Beißer wollte die Wogen glätten

Zum Forum im Senatssaal des Landtags können allerdings nur die besonderen Maximer einladen. „Unsere Stipendiaten organisieren das Forum Maximilianeum selbst“, sagt Beißer. Er wirbt um Verständnis dafür, dass junge Intellektuelle an einer spannenden Diskussion interessiert sind und auf die Kraft des Arguments vertrauen. Und zur intellektuellen Redlichkeit gehören Gegenpositionen. In der vergangenen Woche hat Beißer sich mit einigen Stipendiaten und Abgeordneten verschiedener Fraktionen getroffen, um die Wogen um Frauke Petry zu glätten. Ausgeladen aber, stellt Beißer klar, haben sie die AfD-Politikerin natürlich nicht. (Jan Dermietzel)

Info: Die Stiftung Maximilianeum

Die Stiftung Maximilianeum hat der bayerische König Maximilian II. im Jahr 1852 gegründet, um begabte Studenten mit freier Unterkunft und Verpflegung zu unterstützen. Sitz der Stiftung ist das Münchner Maximilianeum, das der Stiftung auch gehört: Der Bayerische Landtag nimmt hier zwar viel Raum ein, ist aber nur Mieter. Zu den bekanntesten Stipendiaten gehören der Physik-Nobelpreisträger Werner Heisenberg (1901-1976) sowie Ministerpräsident Franz Josef Strauß (1915-1988). Zwischen sechs und acht Stipendiaten werden pro Jahr neu aufgenommen, seit 1980 auch weibliche. Kandidaten müssen sehr gute Noten mitbringen und mehrere Auswahlphasen durchlaufen. 25 männliche und 20 weibliche Stipendiaten leben derzeit im Maximilianeum. Geld erhalten die Stipendiaten nicht, sondern freie Kost und Logis für die Dauer ihres Studiums. Die Stiftung fördert zudem Auslandsaufenthalte, etwa in Oxford oder an der École nationale supérieure (ENS) in Paris (Weitere Infos unter maximilianeum.mhn.de).  (der)

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