Landtag

Kokain & Co. kann die Polizei mit Drogentests aufspüren. (Foto: DAPD)

24.06.2011

Wenn Cannabis und Amphetamine im Spiel sind

Kathrin Sonnenholzner (SPD) erkundigt sich über Fahrten unter dem Einfluss von illegalen Rauschmitteln

Stark, ohne Alkohol und Drogen“: Dieser Slogan steht auf den bayerischen Polizeiwagen. Die Warnung in Großschrift ist durchaus begründet. Während die Gefahren, die vom Hauptproblem Alkohol am Steuer ausgehen, bekannt – wenngleich nicht gebannt – sind, werden folgende Zahlen häufig vernachlässigt: Laut einer Studie des Weltverkehrsforums sind bei 14 bis 17 Prozent aller Verkehrsunfälle illegale Drogen und Medikamente mitursächlich. An diese Statistik erinnert die Abgeordnete Kathrin Sonnenholzner (SPD) in ihrer schriftlichen Anfrage an das Innenministerium.
Männliche Drogenfahrer
dominieren die Statistik
Dessen Antwort lässt vor allem zwei Schlüsse zu: Während die Gesamtzahl der Verkehrstoten zurückgeht, ist die der wegen Drogenmissbrauchs Umgekommenen seit Jahren unverändert. Auch dass überwiegend Männer die Statistik dominieren, ist eine Konstante. Außerdem: „Bei den Drogenfahrten handelt es sich nicht mehr nur um eine reine Freizeiterscheinung am Wochenende oder im Zusammenhang mit Veranstaltungen“, hat das Innenministerium festgestellt. Auch fänden Drogenfahrten sowohl im urbanen als auch im ländlichen Raum statt.
Neben Zahlenmaterial (siehe Infokasten) zu Drogenfahrten wollte Sonnenholzner – selber Ärztin – wissen, welche illegalen Substanzen in Bayern am häufigsten konsumiert wurden. Auch welche Präventionsmaßnahmen die Staatsregierung initiiert hat, interessierte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD. „Drogenfahrten“ ist übrigens der Oberbegriff für die Verkehrsteilnahme trotz des Einflusses sowohl illegaler Drogen als auch Medikamenten.
Cannabisprodukte werden von den infrage kommenden Fahrern am häufigsten konsumiert. Zu dem bevorzugten Rauschmittel-Sortiment, das die Polizisten via Drogentests ermitteln, zählen auch Amphetamine und Metamphetamine. Zu den Amphetamin-Derivaten, die häufiger geschluckt werden, zählt laut Innenministerium MDMA, ein Wirkstoff von Ecstasy-Tabletten. Heroin und Kokain zählen auch zu den öfter eingenommenen Substanzen. „In den letzten Jahren weisen allerdings Zuwächse im Bereich neuer psychoaktiver Substanzen beziehungsweise synthetischer Drogen auf einen weiteren zunehmenden Schwerpunkt hin“, heißt es aus dem Ressort von Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Unter den Medikamenten wiederum seien Tranquilizer insbesondere aus der Gruppe der Benzodiazepine wie Diazepam und Bromazepam im Spiel. Auch Spuren von starken Schmerzmitteln würden häufig nach einem Unfall diagnostiziert.
Die Dunkelziffer an Drogenfahrten könnte hoch sein, liest man Folgendes: „Die äußerlichen Anzeichen einer Drogenbeeinflussung sind insbesondere gegen Ende eines akuten Rauschzustandes für kontrollierende Polizeibeamte oft schwieriger feststellbar als beim Alkohol.“ Dabei könnten Fehlreaktionen bei Drogenkonsumenten spontan auftreten, wenn komplexe Situationen nicht oder falsch eingeschätzt werden. Fahrfehler seien dann unvermeidbar. Erschwert werde das Ganze dadurch, dass im Gegensatz zum Alkohol keine Grenzwerte für den Konsum berauschender Mittel definiert sind. Vor Gericht verwertbare Nachweise für eine Drogenfahrt sind somit gering.
Um dem entgegenzuwirken, wird die bayerische Polizei laut Ministerium weiterhin „bei entsprechenden Veranstaltungen zu tatrelevanten Zeiten verstärkte und intensive Kontrollen auch im Rahmen des täglichen Streifendienstes durchführen“. Mit Präventionsprogrammen wie „Ankommen statt Umkommen“ sollen vor allem junge Menschen sensibilisiert werden. (Alexandra Kournioti)

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