Landtag

Kay Reinhardt auf der Marienbrücke vor dem Schloss Neuschwanstein. (Foto: Ryszard Piwowar/dpa)

02.12.2014

Spielverbot am Schloss Neuschwanstein

Jahrelang hat Kay Reinhardt am Schloss Neuschwanstein für Touristen seine Drehleier gespielt. Doch die Schlossverwaltung erteilte ihm ein Spielverbot. Der Musiker hofft nun auf die Hilfe der Politik

Kay Reinhardt hat einen Lieblingsplatz. Der liegt bei der Marienbrücke - direkt gegenüber von Schloss Neuschwanstein. Dort spielte der Musiker jahrelang seine Drehleier, sang Volkslieder und war glücklich. "Die Leute freuen sich, ich freue mich, im Hut landen einige Euro und ich bin beschäftigt", sagt der 53-Jährige. Doch seit diesem Sommer ist Reinhardts Musik am Märchenschloss von König Ludwig II. verstummt. Die Schlossverwaltung hat ihm verboten, dort zu spielen. Der Musiker aus Oberbayern hält das Spielverbot für eine Ungerechtigkeit, wie er sagt. Daher hat er den Petitionsausschuss des bayerischen Landtags angerufen. In dieser Woche wollen sich die Abgeordneten seinem Problem widmen.
Reinhardt war früher Museumsleiter in Schongau, Ulm und Marktoberdorf. Nachdem seine Bemühungen um eine neue Anstellung scheiterten, sattelte der Historiker aus Rott am Lech um. Seit acht Jahren arbeitet er nun freiberuflich als Journalist und Künstler. 2007 hat er damit begonnen, an der Marienbrücke zu musizieren - für eine freiwillige Spende in seinen Hut. "Der Platz ist ideal. Er liegt im Wald, hier störe ich niemanden. Und die Menschen müssen nicht direkt an mir vorbei laufen, wenn sie das nicht wollen", sagt er. Doch seine Musik, die er im historischen Kostüm vorträgt, habe viele Menschen angesprochen. Einige hörten nur zu, andere setzten sich neben ihn auf eine Bank und suchten den Kontakt. Wieder andere ließen sich mit ihm fotografieren.

SPD macht sich für den "Barden von Schloß Neuschwanstein" stark

Etwa 60 bis 70 Mal im Jahr hat er seinen Platz an der Marienbrücke eingenommen, sagt Reinhardt. "Viele kannten mich schon. Einige Reiseführer haben mich sogar in ihre Tour eingebaut." Vor zwei Jahren wurde der Musiker vom damaligen Schlossverwalter zu einem Gespräch eingeladen. Der habe ihm daraufhin die Erlaubnis, im Schlossbereich zu spielen, schriftlich erteilt und ihm kostenlos einen Berechtigungsschein ausgestellt, sagt Reinhardt.
Die neue Schlossverwaltung jedoch dulde keine Künstler mehr am Schloss. Am 8. August hat Reinhardt deshalb zum letzten Mal an der Marienbrücke seine Drehleier ausgepackt. "Irgendwann kam ein Security-Mitarbeiter zu mir und sagte, er habe den Auftrag, mich zu vertreiben." Schon 2013 sei ihm das Spielen am Schloss untersagt worden. Reinhardt setzte daraufhin eine Weile aus, spielte dann aber weiter. Nachdem ihm nun rechtliche Schritte angedroht wurden, falls er trotz des Verbots weiter in Schlossnähe musiziert, stellte Reinhardt das Spielen endgültig ein.
Die bayerische Schlösserverwaltung will keinen Präzedenzfall schaffen und bleibt bei ihrer Haltung. "Es gibt von vielen Seiten Anfragen, sich, sein Können oder seine Ideen am Schloss Neuschwanstein als so hochfrequentem Standort zu präsentieren", erklärt Cordula Mauß, Pressesprecherin der Schlösserverwaltung. Anfang 2013 habe man  aufgrund der vielen Anfragen das Thema für eine generelle Regelung aufgegriffen. "Wir haben uns entschieden, künftig keine Darbietungen zu genehmigen,  damit keine Bezugsfälle geschaffen werden." Das sei keine Einzelentscheidung gegen bestimmte Personen und habe auch nicht mit der Art oder der Qualität der Musik zu tun, betont Mauß.  
Das Verbot bringe ihn nun in finanzielle Nöte, beklagt Reinhardt. Zudem könne er die Gründe nicht nachvollziehen. Nun hofft er, mit Hilfe der Politik wieder eine Spielgenehmigung zu erhalten. "Mit meiner Musik leiste ich einen Beitrag zur kulturellen Bildung", sagt er. "Ich wäre auch bereit, dafür eine Gebühr zu bezahlen."
In dieser Woche soll im Landtag über Reinhardts Antrag beraten werden. Die SPD-Fraktion macht sich bereits im Vorfeld "für den Barden von Schloss Neuschwanstein stark", wie es in einer Mitteilung heißt. Nach Auffassung des Parlamentarischen Geschäftsführers der SPD-Landtagsfraktion, Volkmar Halbleib, sei es "unfair und schlechter Stil", dem Künstler nun plötzlich die Genehmigung zu streichen, nachdem er jahrelang mit Erlaubnis der Schlossverwaltung seine historischen Lieder für die Besucher aus aller Welt sang. "Er hat sich ja nichts zuschulden kommen lassen."
Halbleib appelliert deshalb an die Schlösser- und Seenverwaltung sowie das Finanzministerium, den Mann wieder seiner Beschäftigung nachgehen zu lassen. "Das bayerische Motto "Leben und leben lassen" wäre hier angebracht." (Birgit Ellinger, dpa)

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Kommentare (4)

  1. ralle am 23.07.2012
    1. Ist Sascha Rossmüller nicht NPD-Landesvorsitzender, sondern Stellvertreter
    2. Sollte die Zeit der Berufsverbote eigentlich vorbei sein. Es geht hier immerhin um die berufliche Existenz eines Familienvaters.
    3. Die NPD ist nicht verboten. Deshalb muss sie behandelt werden wie jede andere Partei auch. Und die Mitgliedschaft in einer nichtverbotenen Partei darf keine Nachteile zur Folge haben.
  2. Daniel Franz am 26.07.2012
    Hier 2 Artikel aus dem GG, wenn es schon sowas gibt sollte man sich auch daran halten.

    Artikel 3
    (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
    (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
    (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

    Artikel 12
    (1) Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen. Die Berufsausübung kann durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes geregelt werden.
    (2) Niemand darf zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden, außer im Rahmen einer herkömmlichen allgemeinen, für alle gleichen öffentlichen Dienstleistungspflicht.
    (3) Zwangsarbeit ist nur bei einer gerichtlich angeordneten Freiheitsentziehung zulässig.

    Grüße
  3. Gerhard Kaiser am 26.07.2012
    DDR 2.0 lässt grüßen!!!!

    Auf Grund der politische Anschauung, darf man nicht zu Feuerwehr, bei der Bundeswehr wird man ausgegrenzt, sogar bei "Bauer sucht Frau" wird nach Parteipolitische Zugehörigkeit ausgesiebt.

    Geht Ihnen das nicht weit genug Frau Kournioti?

    jetzt muss auch noch bei der Gewerbeanmeldung die Weltanschauung des einzelnen durchleuchtet werden.

    Und so ein Land zeigt mit den Finger auf andere Länder und fordert dort Demokratie?

    So also sehen Diktaturen von innen aus.
  4. gewissen am 07.03.2013
    Hat es in D-land nicht schon einmal Berufsverbote und Sippenhaftung gegeben? So also sieht Demokratie aus?

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