Landtag

Ein Landwirt mit Pestizid- und Düngerspritze auf einem Feld. Ohne geht's nicht, sagt Agrarminister Brunner. (Foto: dpa)

14.11.2017

Wie viel Pestizide müssen sein?

Zum Schutz von Flora und Fauna fordern die Landtagsgrünen eine Ökologisierung der gesamten bayerischen Landwirtschaft. Auch die Staatsregierung sorgt sich, zieht aber völlig andere Schlüsse

Bayerns Agrarminister Helmut Brunner hat eine Forderung der Grünen nach einem schrittweisen Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft zurückgewiesen. "Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist auch weiterhin notwendig", sagte der CSU-Politiker am Dienstag im Landtag in München. Bayern könne schon aufgrund der festgelegten Zuständigkeiten für den Einsatz von Planzenschutzmitteln auf EU- und Bundesebene keinen Alleingang machen und Mittel wie das umstrittene Pestizid Glyphosat verbieten.

Zuvor hatten die Landtags-Grünen gefordert, den Einsatz von Ackergiften in der Landwirtschaft in einem ersten Schritt bis 2030 um die Hälfte zu verringern und langfristig komplett zu verbieten. "Wir müssen jetzt handeln, bevor es zu spät für unsere Tier- und Pflanzenwelt ist", sagte die agrarpolitische Sprecherin der Fraktion, Gisela Sengl. Experten sehen in den Mitteln eine wichtige Ursache für das Artensterben bei Insekten. Sengl warf der CSU vor, nicht an die Bauern zu denken, sondern Lobbyarbeit für die Industrie zu betreiben.

In weiten Teilen Deutschlands hat die Zahl der fliegenden Insekten dramatisch abgenommen. Die Bestandsmasse ist in den letzten Jahrzehnten drastisch zurückgegangen, das zeigen zahlreiche Fachstudien. Sengl: "Es bleibt nur ein Mittel: Wir müssen die gesamte Landwirtschaft ökologisieren. Und dazu brauchen wir jetzt Maßnahmen."

Auch Freie Wähler warnen vor Verbot von Ackergiften

CSU-Agrarsprecher Martin Schöffel betonte, dass jeder Landwirt ein Interesse an einer artenreichen Umwelt habe. Jedoch sei der Einsatz zugelassener Pflanzenmittel ethisch vertretbar, auch weil Bayerns Bauern Lebensmittel für Verbraucher auf der ganzen Welt herstellten.

Brunner wies darauf hin, dass sich auch der Klimawandel und die Zunahme invasiver Tier- und Planzenarten negativ auf die Biodiversität auswirken. Zum Schutz der heimischen Tiere und Pflanzen brauche es daher eine Vielzahl von Maßnahmen. Der Öko-Landbau sei eine Möglichkeit; zum Schutz der Bienen als "Sympathieträgerin für alle Insekten" setze er zudem insbesondere auf die Imkerförderung und die Einrichtung von Blühflächen.

Die Freien Wähler warnten vor negativen Folgen für die Bauern infolge eines Verbotes von Ackergiften. "Würden diese verboten oder zumindest stark begrenzt, hätte dies massive Bewirtschaftungseinschränkungen und einen erheblichen Ertragsrückgang zur Folge", sagte Nikolaus Kraus. Die Forderungen der Grünen seien daher nicht zu realisieren.
(dpa)

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