Landtag

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Markus Rinderspacher (2.v.r.) fährt mit Flüchtlingen aus Eritrea in einem Riesenrad. (Foto: dpa)

22.09.2015

Wiesn-Gaudi mit Flüchtlingen

Ist das Oktoberfest Kultur? Sollen Flüchtlinge das Volksfest kennenlernen? SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher hat zehn Flüchtlinge auf das Oktoberfest eingeladen

Kopfüber wirbeln Menschen durch die Luft. 30 Meter hoch, festgeschnallt in Plastiksitzen, in einer sternförmigen Konstruktion, gehalten von dicken Bügeln in gelb, orange und grün. Oben johlen die Fahrgäste. Unten stehen Samuel, Meron und acht Landsleute aus Eritrea. Sie starren nach oben, schütteln den Kopf. "Gibt's nicht!" Flüchtlinge treffen auf das Oktoberfest. Und staunen.

Ein Kulturschock? "Nice" - also schön - finden die jungen Männer das größte Volksfest der Welt. Er habe so etwas schon im Sudan gesehen, aber viel kleiner, sagt Samuel Laine. Der 26-Jährige war vier Jahre auf der Flucht, ehe er vor vier Monaten in München ankam. Er ist mit rund hundert anderen Flüchtlingen im Stadtteil Trudering untergebracht. 

Dort wohnt der SPD-Landtagsabgeordnete Markus Rinderspacher. Er hat seine neuen Nachbarn zum sonntäglichen Mittagsausflug auf die Wiesn eingeladen. Soweit im Bierzelt möglich, klappt die Verständigung recht ordentlich - mit Brocken Deutsch, Italienisch und Englisch.

"Willkommenskultur endet nicht am Hauptbahnhof"

"Es geht darum, ein Zeichen zu setzen, dass die Willkommenskultur fortgesetzt wird und nicht am Hauptbahnhof endet", sagt Rinderspacher. Helmut Schweiger und seine Frau vom Helferkreis in Trudering begleiten die Migranten. Die Menschen seien nicht wegen der Wiesn nach Deutschland gekommen. Aber: "Wenn die Leute schon einmal hier sind, müssen wir uns darum kümmern", sagt Schweiger. Dazu gehöre, "dass man ihnen unsere Kultur nahebringt". Kleine Pause. "Ob das Oktoberfest dazu gehört, darüber kann man streiten."

Wiesn und Flüchtlinge: Einige hatten sich gesorgt, ob das gut gehen kann - vor allem wegen eines Aufeinandertreffens am Münchner Hauptbahnhof. Hier Scharen erschöpfter Asylsuchender, dort feierwütige Wiesn-Gäste, die gleichzeitig aus den Zügen steigen. Inzwischen werden die meisten Flüchtlinge aber gleich von den Grenzen in andere Bundesländer weitergeleitet.

Über die Optik der Wiesngäste staunt so mancher Flüchtling

"Der Bundespolizei wurde kein einziger Fall bekannt, in dem es zwischen Wiesn-Gästen und ankommenden Flüchtlingen zu Problemen gekommen ist", berichteten die Beamten nach dem ersten Wochenende. Nur das ungewöhnliche Styling und mit einer "überwiegend trachtigen Optik" der meisten Wiesn-Gäste versetzte manchen Ankömmling in Staunen. Aber das geht auch Norddeutschen so.

Rinderspachers Gäste steigen inzwischen ins Riesenrad, machen Selfies mit Blick über München. Ob sie die Aufnahmen ihren Familien in Afrika schicken, lassen die jungen Männer offen. Sie haben sich jedenfalls schnell eingewöhnt. Im Bierzelt klatschen sie bei bekannten Wiesn-Hits mit. Sie verzehren Hendl und prosten sich wie Einheimische mit den schweren Maßkrügen zu. Ob er das Bier spüre? Samuel schüttelt den Kopf: "Es war ja nur ein Glas." (Sabine Dobel, dpa)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 49 (2017)

Paragraf 219a: Soll das Werbeverbot für Abtreibungen abgeschafft werden?

Umfrage Bild
 

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 8. Dezember 2017 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

Simone Strohmayr, Vize-Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag

(JA)

Winfried Bausback (CSU), bayerischer Justizminister

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
BR Player
Bayerischer Landtag
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.