Landtag

Über ein Drittel aller Männer und Frauen über 65 Jahren und die Hälfte aller Menschen über 85 Jahren bekommen laut Arzneimittelreport pro Quartal fünf und mehr Wirkstoffe verschrieben. (Foto: dpa)

05.06.2015

Zu Risiken und Nebenwirkungen ...

Mehr Todesfälle wegen Arzneimittelwechselwirkungen

"Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker": Trotz dieser Warnung kommen Arzeimittelwechselwirkungen im Alltag immer häufiger vor. Sie entstehen bei gleichzeitiger Einnahme verschiedener Arzneimittel – und enden mitunter tödlich. Die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Landtag, Kathrin Sonnenholzner (SPD), wollte daher von der Staatsregierung wissen, wie viele Menschen in Bayern wegen Fehlmedikation ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten und wie viele Todesfälle es gab.
„Trotz der bestehenden gesetzlich geregelten und auch weitgehend wirksamen Maßnahmen zur Vermeidung unerwünschter Arzneimittelwirkungen treten in der Praxis Arzneimittelinteraktionen oder Nebenwirkungen auf“, räumt das Gesundheitsministerium ein. Die „grundsätzliche Gefahr“ sei wegen der gestiegenen Anzahl an gleichzeitig eingenommenen Arzneimitteln und der demografischen Entwicklung sogar gestiegen.

Besonders bei Älteren wirken manche Arzneistoffe anders

Über ein Drittel aller Männer und Frauen über 65 Jahren und die Hälfte aller Menschen über 85 Jahren bekommen laut Arzneimittelreport pro Quartal fünf und mehr Wirkstoffe verschrieben. „Besonders bei älteren Patienten kommt hinzu, dass bei ihnen durch Veränderung des allgemeinen Stoffwechsels und verschiedener physiologischer Funktionen manche Arzneistoffe anders wirken, andere Nebenwirkungen auftreten oder anders verstoffwechselt werden“, erläutert das Ministerium.
„Schätzungen zufolge liegt die Zahl der durch Arzneimittel zu Tode gekommenen Patienten in Deutschland jährlich bei 10 000 bis 60 000“, erklärt das Ressort von Melanie Huml (CSU). Studien der deutschen Pharmakovigilanzzentren hätten Sterblichkeitsraten von bis zu einem Prozent unter den Patienten gefunden, die wegen unerwünschter Arzneimittelwirkungen ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Weitere Informationen zu Bayern hat das Ministerium nicht: „Daten zu regionalen Auffälligkeiten bei Todesfällen infolge von Fehlmedikation liegen der Staatsregierung nicht vor.“
Um die Gefahr zu reduzieren, schlägt das Gesundheitsministerium eine bessere Zusammenarbeit der beteiligten Gesundheitsberufe vor. Außerdem sollten Patienten die Beratungsleistungen der Apotheken nutzen. Nicht zuletzt gebe es verschiedene Modellprojekte, welche arzneimittelbezogene Probleme erforschen und gemeinsam mit Patienten sowie Arzt zu lösen versuchen. Ergebnisse lägen allerdings noch nicht vor und müssten „zunächst abgewartet werden“. (David Lohmann)

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Kommentare (1)

  1. teledoc am 12.06.2015
    Wechselwirkungen von Arzneimitteln sind nur eines der zahlreichen Gebiete der Gesundheitsversorgung, in denen Telemedizin wertvolle Unterstützung leisten kann. So werden bereits von mehreren Herstellern Systeme angeboten, mit deren Hilfe Arzneimittelwechselwirkungen oder Kontraindikationen geprüft sowie Dosierungshinweise gegeben werden können. Entscheidend dabei ist, dass diese Systeme sektorenübergreifend zum Einsatz kommen - denn neben den Ärzten spielt bei der Verabreichung von Arzneimitteln auch das Krankenhaus- und Pflegepersonal sowie die Selbstmedikation durch den Patienten eine entscheidende Rolle. Die Bayerische Telemedallianz (BTA) unterstützt gerne entsprechende Pilotprojekte: www. telemedallianz.de.

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