Landtag

Verschiedene Benutzerkonten innerhalb der Familie können zur Internetsicherheit beitragen. (Foto: DAPD)

20.07.2012

Zwischen Jugendschutz und Medienpädagogik

Kinderkommission: Fachgespräch zum Thema "Kinder und Medien: Internetsicherheit"

Die Nachricht kam über Facebook: Ihr 13-jähriger Sohn habe einen Trojaner auf ihrem Computer installiert und damit ihre Kennwörter für die Kindersicherheit im Internet geknackt, klagte eine Mutter. Auf diese Weise habe sich der Filius Zugang zu just den Programmen verschafft, die sie für ihn hatte sperren wollen. Während des Fachgesprächs „Kinder und Medien: Internetsicherheit“ las Claudia Stamm, amtierende Vorsitzende der Kinderkommission des bayerischen Landtags, ein paar Nachrichten zum Thema Internetsicherheit für Kinder und Jugendliche aus ihrem Facebook-Account vor. In dem sozialen Netzwerk hatte die Grünen-Abgeordnete nämlich auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht. Als sie die Nachricht über den jugendlichen Hacker zitierte, musste mancher Diskutant schmunzeln.

Sohn hackt Computer-Account seiner Mutter

Darüber gewundert hat sich indes längst nicht jeder: „Es überrascht mich überhaupt nicht, wenn ein 13-Jähriger so etwas kann. Es würde mich eher überraschen, wenn er es nicht könnte“, kommentierte beispielsweise Verena Weigand, Leiterin der Stabsstelle der Kommission für Jugendmedienschutz bei der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien.
Wer aber trägt die Verantwortung dafür, dass Kinder und Jugendliche im Internet surfen können, ohne dort beispielsweise auf verstörende und gewaltverherrlichende Pornografie zu stoßen? Eltern? Lehrer? Der Staat?
Weigand vertrat die Ansicht, dass die Verantwortung der Anbieter mehr in den Vordergrund gestellt werden muss. „Das ist viel zu selten der Fall“, urteilte sie. Je nach Inhalt ihres Angebots sei es durchaus richtig, dass die Anbieter zu einem Altersverifikationssystem – unter anderem bei Bildern zu Fäkal-Sex – verpflichtet werden. „Der Jugendmedienschutz hat nun mal Verfassungsrang“, erklärte Weigand.

Sicherheitssoftware funktioniert nicht auf Smartphones und Apple-Systemen

Medienpädagogik alleine könne nicht ausreichend schützen. Schließlich könnten Kinder und Jugendliche im Netz auf Angebote wie Folter-Szenen stoßen, die sie gar nicht sehen wollten. Für solche Fälle seien Kontrollen des Personalausweises oder aber technische Jugendschutzprogramme durchaus von Bedeutung. In diesem Zusammenhang gab Stamm zu bedenken, dass die Sicherheitssoftware beispielsweise auf Smartphones und dem Computersystem Apple gar nicht funktionieren.
Für Medienkompetenz sowohl bei den Erwachsenen als auch bei den Heranwachsenden plädierten Kathrin Demmler, Direktorin des Instituts für Medienpädagogik in Forschung und Praxis, und Ekkehard Mutschler, Medienbeauftragter des bayerischen Landesverbands des Kinderschutzbundes. Einerseits sei der kompetente Umgang mit Computern eine Schlüsselqualifikation, erklärte Mutschler. Andererseits müssten sich Jung und Alt jenseits von Verboten selbstbestimmt und selbstkritisch mit der Thematik auseinandersetzen. Demmler hält es für zwingend notwendig, dass Medienpädagogik für Erzieher und Lehrer in Aus- und Weiterbildung verpflichtend wird. Julika Sandt (FDP) hält nichts von Verboten im Sinne von Sperren und Strafen für Provider, sondern plädiert für aufklärerische Arbeit.
Diese leisten Hans-Joachim Bokowsky und seine Kollegen von der Polizei unter anderem an Schulen. „Ich bin aber der Meinung, dass Medienpädagogik nicht unsere originäre Aufgabe ist.“ Die Verantwortung liegt aus seiner Sicht primär bei Eltern und Pädagogen. Simone Strohmayr (SPD) sagte dagegen: „Ich finde es unzureichend, dass die Verantwortung auf die Eltern übertragen wird.“ Ihre eigene Erfahrung habe sie gelehrt, dass die Kinder am Computer meist fitter sind als ihre Eltern, sagte die dreifache Mutter. Mit dieser Erkenntnis ist sie nicht allein: Laut Mutschler hätten Studien ergeben, dass sich 79 Prozent der Eltern „nicht so kompetent“ am Computer fühlten. (Alexandra Kournioti)

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