Leben in Bayern

Das Ziel der Rauhwuggerl ist nicht den Menschen einen Schrecken einzujagen, sondern die Geister das Fürchten zu lehren. (Foto: dpa)

27.12.2017

Die Rauhwuggerl sind wieder los

Schaurig schöner Brauch in Englmar: Eine wilde Meute durch das höchst gelegene Bergdorf des Bayerischen Waldes

Laut heulend rüttelt der Wind an Türen und Fensterläden des alten Bauernhauses. Durch die Ritzen zieht es. Unheimlich flackert die Kerze und wirft gespenstische Schatten an die Wände. Und dann beginnen die Warnungen der Alten, die von der wilden Jagd nach den Seelen der Menschen erzählen in den kältesten Nächten des Jahres.

So muss es früher in den Rauhnächten zwischen Weihnachten und Neujahr gewesen sein, stellt sich Robert Piermeier vor. Er ist verantwortlich für das heutige Rauhnachtstreiben, das der Wintersportverein in Sankt Englmar jeder Jahr organisiert. Heuer am 28. Dezember. Zum 22. Mal bereits tobt dann eine wilde Meute durch das höchst gelegene Bergdorf des Bayerischen Waldes. Schaurige Fratzen tragen diese Gestalten, mit blutrot glühenden Augen, verzerrten Gesichtszügen und langen Hörnern. Sie tragen Kleider aus Fell und Glocken und haben Stecken oder Ketten dabei, mit denen sie bedrohlich rasseln.

Diese „Rauhwuggerl“ sollen aber gar nicht den Menschen einen Schrecken einjagen, sondern die Geister das Fürchten lehren, erklärt Piermeier. Das Ziel: noch furchterregender auszusehen als die bösen Geister. Und einen Höllenlärm erzeugen, den nicht mal diese ertragen. Überall wurden sie einst vermutet. Zwischen Weihnachten und Neujahr durfte daher auch keine Wäsche aufgehängt werden: Die Dämonen und Schreckgestalten hätten sich am Ende ja darin verfangen können.

Heuer gibt es wieder neue Figuren

Die Masken für das Spektakel schnitzt Sepp Diermeier. Die Darsteller bemalen die Larven, wie sie genannt werden, dann selbst. Beliebt sind Warzen, „aber der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, sagt Piermeier. Tausende von Besuchern wollen schließlich beeindruckt werden. Damit das gelingt, lassen sich die Englmarer auch immer wieder etwas Neues einfallen. Gerade werden die Larven für zwei weitere Figuren geschnitzt: zwei Bäume mit entsprechenden Masken und Laubgewand. „Jetzt schon können wir sagen, dass diese Bäume furchtbar groß sein werden“, verrät Piermeier, um dann geheimnisvoll zu schweigen.

Aber natürlich dürfen auch heuer die Standardfiguren nicht fehlen. Der „Bluatige Thammerl“ schwingt seinen Hammer und zeigt seine blutbesudelte Hose. Die „Druhd“ dagegen ist ein schauriges, umherhuschendes Wesen, das sich mit aller Kraft den Menschen auf den Brustkorb setzt, um ihnen den Atem zu nehmen. Die „Luzier“ ist eine alte, buckelige Frau mit einer Sichel, die den bösen Kindern den Bauch aufschneidet und ihn mit Steinen befüllt – ein gern angedrohtes Mittel in alten Zeiten, um den Nachwuchs zum Bravsein zu bringen. Und dann gibt es noch die „Habergoass“, die Strohfigur mit den rotglühenden Augen, die die Ernte im Herbst vernichtet, kurz bevor sie eingefahren werden kann.
Rund 30 Darsteller sind es, die bei der Englmarer Rauhnacht mitmachen, Nachwuchssorgen gibt es laut Piermeier nicht.
(Melanie Bäumel-Schachtner)

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