Leben in Bayern

Umstrittener Kirchenfürst: Heinrich Bedford-Strohm erregte zuletzt Aufsehen, als er bei einem Besuch in Jerusalem sein Kreuz ablegte - angeblich, um religiöse Gefühle anwesender Muslime nicht zu verletzen. (Foto: dpa)

28.12.2017

"Nicht parteipolitische Programme übernehmen"

Kritik an der Weihnachtspredigt des evangelischen Landesbischofs und EKD-Chefs Heinrich Bedford-Strohm

Die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner hat sich kritisch zur Weihnachtspredigt des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und bayerischen Landebischofs, Heinrich Bedford-Strohm, in der Münchner Matthäuskirche geäußert. Anlass sind Anspielungen des obersten Repräsentanten der deutschen Protestanten auf US-Präsident Donald Trump. Sie halte Trump für "hochproblematisch", sagte die Katholikin Klöckner der Bild-Zeitung: "Aber er ist nun einmal demokratisch gewählt, und am Ende ein Mensch mit der gleichen Würde und dem gleichen Wert wie andere auch."

Der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm hatte in seiner Weihnachtspredigt am Montag, 25. Dezember, Bezug auf Trumps Slogan "America first" genommen und gesagt: "Wer die Welt nur noch als Kampfplatz der Interessen sieht und mit dieser Brille, gegen andere gewendet, sagt: 'Amerika zuerst' oder 'Deutschland zuerst' oder was immer sonst 'zuerst', der öffnet nicht die Beziehungen hin zu den anderen, sondern der verschließt sie." Echtes Heimatgefühl brauche keine hierarchische Überordnung der einen über die anderen, führte er in seiner Predigt aus, in der er die Weihnachtsbotschaft als Befreiung von der Sünde darstellte, die der Zuwendung der Menschen zu Gott im Weg stehe.

Kampf gegen Grüne Gentechnick sei inzwischen
wichtiger als Einsatz für verfolgte Glaubensbrüder


Ein EKD-Sprecher sagte  Bedford-Strohm habe auf die universelle Dimension des christlichen Heilsgeschehens hingewiesen. "Der Ratsvorsitzende stellt die christliche Weihnachtsbotschaft dem leider weltweit zu beobachtenden Phänomen nationalistischer Selbstverkrümmung entgegen", erläuterte der Sprecher. Klöckner dagegen sagte, auch wenn Trump "es uns nicht leicht macht", mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad "müsste man sich mit mindestens dem gleichen Engagement beschäftigen".

Die CDU-Politikerin äußerte sich generell kritisch zu den immer politischeren Stellungnahmen der Kirchen. "Es kommt vor, dass aus manchen Kirchenkreisen mehr zum Thema Windenergie und Grüne Gentechnik zu hören ist, als über verfolgte Christen, über die Glaubensbotschaft oder gegen aktive Sterbehilfe", sagte die. Zwar fordere die christliche Botschaft "gesellschaftspolitische Haltung", es sei aber wichtig, "dass Kirchen nicht parteipolitische Programme übernehmen". Heinrich Bedford-Strohm ist langjähriges Mitglied der SPD, lässt die Mitgliedschaft seit seiner Wahl zum EKD-Chef allerdings offiziell ruhen.

In Mittelfranken hat sich unterdessen eine Organisation namens Patriotische Christen Deutschlands gegründet und Werbeflyer an verschiedenen Kirchen verteilt. In diesen wird eine "deutsche, christliche Kultur" statt "Massenmigration und Kulturmarxismus" gefordert. Für den Fürther evangelische Dekan Jörg Sichelstiel ist der Text "hetzerisch" und "nicht hinnehmbar", er schaltete die Polizei ein. (epd)

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