Leben in Bayern

Leninstatue in Gundelfingen an der Donau - die osteuropäischen Monumente erweisen sich als Ladenhüter. (Foto: Stefan Puchner/dpa)

19.06.2017

Wohin mit Stalin und Lenin?

Vor einem Vierteljahrhundert erwarb ein Unternehmer aus Schwaben reihenweise kommunistische Denkmäler des ehemaligen Ostblocks. Jetzt will der Sohn des Naturstein-Fabrikanten die Monumente loswerden. Doch der erste Versuch geht gründlich schief

Bei der Versteigerung von sechs monumentalen Denkmälern aus dem früheren Ostblock hat sich im schwäbischen Gundelfingen kein Käufer gefunden. Bei der Auktion der überlebensgroßen Exponate von Stalin, Lenin und anderen Politikern gingen am Samstag keine Gebote ein. Ein paar Interessenten hatten die Auktion über einen Livestream im Internet mitverfolgt - vor Ort waren nur Journalisten und einige Schaulustige vertreten. Keiner wollte aber zu den vom Auktionator angesetzten Preisen mitbieten.

Unternehmer Josef Kurz bekam die Denkmäler kommunistischer Diktatoren nach dem Zerfall des Ostblocks geschenkt und brachte sie nach Schwaben. Kurz wollte eigentlich einen Skulpturenpark errichten, scheiterte aber sowohl in Gundelfingen als auch im oberpfälzischen Wackersdorf mit diesem Vorhaben. Nach seinem Tod entschieden die Söhne, die Figuren zu verkaufen.

Ein Menetekel für die missglückte Auktion kann rückblickend in der Denkmaldiskussion von Dresden gesehen werden. Hier stand das wohl prominenteste Exponat zu DDR-Zeiten vor dem Hauptbahnhof und war als "roter Bahnhofsvorsteher" bekannt. Die mehr als zwölf Meter hohe Figur, die Lenin, den Sieger der russischen Oktoberrevolution, zusammen mit KPD-Chef Ernst Thälmann und dem Sozialdemokraten Rudolf Breitscheid zeigt, wurde 1992 aus Sachsens Landeshauptstadt verbannt. Ein Stadtrat der Linken gab jetzt zu bedenken, ob man die Skulptur nicht zurückholen solle. Laut Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke) ist das aber aus Kostengründen im laufenden Haushalt nicht möglich. Konsequent hatte die Verwaltung der Stadt dann angekündigt, sich nicht an der Versteigerung zu beteiligen.

Recht ambitioniert wirkten dagegen von Anfang an die Ansprüche des Potsdamer Auktionators Frank Ehlert. Er wollte für den 80-Tonnen-Koloss mindestens 150 000 Euro erlösen. Jetzt bleibt er - zumindest vorerst - auf dem Stein-Trumm sitzen. Die Lenin-Skulptur wurde einst von dem russischen Bildhauer Grigori Danilowitsch Jastrebenezki geschaffen und zum 25. Jahrestag der DDR-Gründung 1974 in Dresden aufgestellt.

Neben Lenin sollte eigentlich am Samstag auch sein Nachfolger unter den Hammer kommen. Immerhin 3,70 Meter misst in diesem Fall Josef Stalin. Die Sandstein-Statue des in Wirklichkeit recht kleinen Diktators ging mit einem Startpreis von 58 000 Euro in das Rennen. Auch dafür konnte sich niemand begeistern, der Zuschlag blieb aus.
Mögliche Interessenten haben aber in den nächsten vier Wochen noch eine Chance. So lange gilt die Nachkaufzeit. (dpa)

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