Leben in Bayern

Ja, er ist putzig. Trotzdem gibt es inzwischen nur noch etwa 1000 Dackel in München. Foto: Münchner Dackelfreunde

09.04.2010

Tradition auf vier Pfoten

Der Dackel kommt aus der Mode

Toni begrüßt die Besucher der Galerie auf seine Art. Freundlich wedelt er mit dem Schwänzchen, kommt näher, beschnuppert in aller Ruhe Schuhe, Mantel, Hände. Sein Fell glänzt schwarz, der lange Rücken ist gerade. Ganz treuherzig schaut er drein mit seinen großen dunkelbraunen Augen. Dann zieht sich Toni wieder schnell in sein Körbchen zurück. Das steht mitten in der „Galerie der Zeichner“, unweit der Münchner Maximilianstraße. Toni ist ein Dackel. Genauer gesagt, ist er ein Kurzhaardackel. Eigentlich heißt er Anton von der Ammersbek. Denn er hat Stammbaum und ist ein Rassetier. Seitdem er als Welpe zu Herrchen und Frauchen Helmut und Meisi Grill kam, verbringt er viel Zeit in deren Galerie, umgeben von Zeichnungen und Karikaturen. Toni sei quasi der „Empfangschef“ und begrüße alle Besucher, erzählt sein Herrchen Helmut Grill. Aber nicht nur in die Galerie begleitet Toni seine Besitzer auf Schritt und Tritt. Er fährt mit in die Berge und reist bis nach Italien. Auch im Münchner Hofbräuhaus ist Toni regelmäßiger Gast am Stammtisch. Mit seinem Herrchen, versteht sich. „Dann will Toni im Mittelpunkt stehen“, sagt Grill. Lärmende Menschen, wie man sie im Wirtshaus und überhaupt in der Münchner Innenstadt antreffen kann, machen dem elfjährigen Dackelrüden gar nichts aus. Im Gegenteil, Toni ist sehr gesellig und auch kinderlieb. Und immer selbstbewusst. Wird Toni Gassi geführt, geht es oft in den Hofgarten. Wenn es nasskalt ist und regnet, trägt er sogar einen zünftigen Trachtenmantel. Bei seinen Spaziergängen mag er dann dem einen oder anderen Hundekollegen begegnen. Immerhin sind im Frühjahr dieses Jahres 29 750 Hunde in München gemeldet. Toni trifft möglicherweise auf Mischlinge, auf Jack-Russel-Terrier und andere Terrier, auf Labradore und Golden Retriever. Doch die Chancen für Toni, eine nette Dackeldame zu begrüßen oder einen anderen Dackelrüden zu beschnuppern, stehen nicht besonders gut. Denn laut der Münchner Stadtkämmerei waren es im März nur mehr 1083 Dackel in ganz München – und dabei sind alle Kurzhaar-, Langhaar- und Rauhaardackel und sämtliche Mischlinge, die irgendwie Dackelblut in ihren Adern haben, eingerechnet. Nicht mal vier Prozent aller Hunde sind Dackel. Dagegen gibt es in der Landeshauptstadt mehr als doppelt so viele Labradore, Golden Retriever und Retriever-Mischlinge. Halt, nur noch so wenige Dackel in München? Muss man hier nicht Alarm schlagen, wo doch der Dackel neben dem Oktoberfest, dem Bier, den Weißwürsten und Brezen zum typisch Münchnerischen gehört? Wirbt nicht die Münchner Verkehrsgesellschaft zurzeit mit einem Rauhaardackel auf ihrem Stadtplan? In diesem Zusammenhang sei auch jener grüngestreifte Dackel namens Waldi erwähnt, Münchens Maskottchen für die Olympiade 1972. Unvergessen ist in den 1970 Jahren auch der Dackel Oswald als ständiger Begleiter des Münchner Tatortkommissars Veigl alias Gustl Bayrhammer. Wer hat nicht noch den beliebten Schauspieler Walter Sedlmayr und seinen Dackel auf den Werbeplakaten für das Paulaner-Bier in Erinnerung? Nun, früher waren die Zeiten dackelfreundlicher. Vor fünfzig Jahren, im Jahr 1959, gab es bei fast 40 000 Hunden in München noch 7381 Dackel. Das waren fast 20 Prozent aller Hunde. Ungefähr in dieser Zeit, im Jahre 1961, hatte die Zeichnerin Franziska Bilek die Figur des Herrn Hirnbeiß erfunden, einen etwas rundlichen Münchner, der jeden Tag in der Abendzeitung seine Gedanken über die Begebenheiten des Tages zum Besten gab. Weil ein Münchner ohne Viecherl gar kein echter Münchner ist, so die feste Überzeugung von Frau Bilek, wurde Herrn Hirnbeiß von einem Dackel namens Waldi begleitet. Dieser Hund konnte jedes Wort und jeden Grant seines Herrchens verstehen. Und noch ein halbes Jahrhundert früher, am Anfang des 20. Jahrhunderts, sind wohl auf den Münchner Straßen an jeder Ecke Dackel mit ihren Besitzern unterwegs gewesen sind.

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