Politik

Helmut Schmidt (Archivbild von 2014) ist heute im Alter von 96 Jahrn gestorben. (Foto: dpa)

10.11.2015

Altkanzler Helmut Schmidt ist tot

Er galt als Macher und Krisenmanager und war einer der populärsten Politiker Deutschlands. Heute ist der frühere Bundeskanzler mit 96 Jahren in Hamburg gestorben

Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt ist tot. Der Sozialdemokrat starb nach Angaben seines Arztes Heiner Greten heute gegen 14.30 Uhr im Alter von 96 Jahren in seiner Heimatstadt Hamburg. Der Sohn eines Volksschullehrers war am 23. Dezember 1918 im Arbeiterviertel Barmbek der Hansestadt zur Welt gekommen.

Schmidt war von 1974 bis 1982 als Nachfolger von Willy Brandt Bundeskanzler. In der Großen Koalition führte er von 1967 bis 1969 die SPD-Bundestagsfraktion und war danach Verteidigungs- und Finanzminister. Den Hamburgern blieb Schmidt auch als tatkräftiger Innensenator während der Sturmflut von 1962 im Gedächtnis. 

Zu den größten Herausforderungen in seiner Kanzlerzeit gehörten die Ölkrise in den 70er Jahren und der Kampf gegen den Terrorismus der "Roten Armee-Fraktion". Resultierend aus den Erfahrungen als Soldat der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg war dem Diplomvolkswirt die europäische Einigung ein Herzensanliegen. Der SPD trat Schmidt nach der Entlassung aus britischer Kriegsgefangenschaft bei.

Als einer der ersten wies Schmidt auf die Gefahren für das Rüstungsgleichgewicht durch neue sowjetische Mittelstreckenraketen hin. Der Nato-Doppelbeschluss führte zu einer heftigen Konfrontation auch mit seiner eigenen Partei.

Im Herbst 1982 scheiterte Schmidt mit seiner sozialliberalen Koalition an Differenzen in der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Durch ein konstruktives Misstrauensvotum wurde Helmut Kohl (CDU) am 1. Oktober 1982 zu seinem Nachfolger gewählt.

Seehofer: "Ich verneige mich vor der Lebensleistung von Helmut Schmidt"

Schmidt gehörte dem Bundestag bis 1987 an. Seit 1983 war er Mitherausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit". Er schrieb zahlreiche Bücher und reiste für Vorträge um die Welt. Auch im hohen Alter waren seine Meinung und sein Rat gefragt und geschätzt. Schmidt erhielt zahlreiche Auszeichnungen, seine Bücher standen wochenlang auf den Bestseller-Listen.

Seine Frau Loki, mit der 68 Jahre verheiratet war und die er seit der Schulzeit kannte, war am 21. Oktober 2010 im Alter von 91 Jahren gestorben. Im August 2012 bekannte sich Schmidt zu Ruth Loah als neuer Gefährtin. Sie zählte schon seit Jahrzehnten zu seinen Vertrauten. Tochter Susanne Schmidt, promovierte Volkswirtin und Finanzjournalistin, lebt mit ihrem Ehemann Brian Kennedy in England.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sagte: "Mit Helmut Schmidt verlieren wie einen herausragenden Nachkriegspolitiker und bedeutenden Staatsmann." Er betonte dessen strategisches Geschick und politische Weitsicht mit der  Schmidt als Bundeskanzler die Bundesrepublik Deutschland sicher durch die schwierige Zeit des RAF-Terrorismus und des Kalten Krieges geführt habe. "Ich verneige mich vor der Lebensleistung von Helmut Schmidt, einem Hanseaten, der Bayern in Sympathie verbunden war", teilte Seehofer mit.

SPD-Fraktionschef Rinderspacher: "Jetzt ist er wieder bei seiner Loki"

"Mit Helmut Schmidt verlässt uns ein deutscher Jahrhundertpolitiker", sagte Markus Rinderspacher, SPD-Fraktionschef im bayerischen Landtag. "Er hatte das Scheitern der Weimarer Republik, das Terror-Regime der Nazis und als Soldat den Zweiten Weltkrieg selbst erlebt. Seine politische Antriebskraft war seit Eintritt in die SPD 1945 stets, dass sich 'die grauenhaften Dinge des Krieges' niemals wiederholen."

Schmidt habe Deutschlands Zukunft fest in der europäischen Integration verortet. "Seine Warnungen als Weltökonom vor einem internationalen 'Raubtierkapitalismus' bleiben für die nachfolgenden Generationen gleichermaßen Mahnung und Auftrag", so Rinderspacher weiter. Seine Integrität, Geradlinigkeit und Glaubwürdigkeit hätten en ihn zu einem Vorbild für die meisten Deutschen werden lassen. "Helmut Schmidt ist jetzt wieder bei seiner Loki. Dieser liebevolle Gedanke lässt uns den Schmerz über den politischen Verlust für unser Land besser verkraften." (dpa/BSZ)

In der Bayerischen Staatszeitung vom 13. November 2015 lesen Sie einen ausführlichen Nachruf auf Altkanzler Helmut Schmidt.

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