Politik

Elektroautos: Noch sind sie technisch nicht ausgereift. Foto: DDP

12.03.2010

Auf der Suche nach dem Ökomobil

Die CSU will Elektroautos fördern – doch die Gefährte sind keineswegs so umweltfreundlich wie propagiert

Wenn Markus Blume über die Bedeutung von Elektroautos für den Freistaat spricht, holt der CSU-Landtagsabgeordnete weit aus. Bei der Förderung der Elektroautos geht es nach Ansicht des 35-Jährigen nicht nur um die Luft in Bayerns Städten und um viele Jobs, sondern um nichts weniger als das Erbe von Franz Josef Strauß. Dieser habe Bayern in den 70er Jahren zu einer Musterregion im Bereich Luft- und Raumfahrt gemacht. Strauß habe damals die Zeichen der Zeit erkannt. Nun sei, so Blume, die nächste Zukunftstechnologie absehbar: „Die Elektromobilität ist der Mega-Trend“, ist er überzeugt. Ähnlich sieht das der 32-jährige Bundestagsabgeordnete Reinhard Brandl: „Das Schlimmste wäre, diesen Trend einfach abflachen zu lassen.“
Deshalb will die Junge Gruppe in der CSU-Landtagsfraktion und der CSU-Landesgruppe, der Blume und Brandl angehören, Bayern zu „einer Modelregion“ in Sachen Elektromobilität machen. In einem Positionspapier fordert der CSU-Nachwuchs Bayerns Regierung auf, baldmöglichst „einen Masterplan zu entwickeln, der die Bedeutung der Elektromobilität für Bayern beschreibt“. Die Jung-Schwarzen sehen auch die Bundesregierung in der Pflicht. Diese solle die Mehrwertsteuer für Elektrofahrzeuge ab 2013 befristet auf 7 Prozent absenken. Zudem müsse Berlin die KFZ-Steuer zugunsten von strombetriebenen Gefährten reformieren.
Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU) hat diese Steilvorlage bereits aufgegriffen. Er fordert eine „vollständige und unbefristete“ Steuerbefreiung für Elektroautos. Die Halter sollten keine Kfz-Steuer und über Jahre hinweg auch keine Stromsteuer zahlen, verlangt Söder. Bis zum Jahr 2020 sollten auf Bayerns Straßen 200 000 Elektrofahrzeuge fahren.
Die Liberalen auf Bundesebene signalisieren bereits Zustimmung für eine mögliche Steuerbefreiung. Eine „charmante Idee“ nennt der umweltpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Horst Meierhofer, den CSU-Vorschlag. Der Chef der bayerischen FDP-Landesgruppe begrüßt die Pläne der Christsozialen. „Elektroautos können einen Schub für den Klimaschutz leisten“, sagt er der Staatszeitung. Söders Ziel von 200 000 Elekroautos hält er hingegen nicht „für ambitioniert genug“.
Der FDP-Landtagsabgeordnete Tobias Thalhammer wiederum kritisiert den Koalitionspartner: „Das bayerische Wirtschaftsministerium hat in Sachen Elektromobilität seine Hausaufgaben gemacht.“ Bayerns Premiumhersteller BMW und Audi seien bei den Elektroautos führend. Insofern sei die Forderung der jungen Gruppe in der CSU-Fraktion „nicht ganz auf der Höhe der Zeit“.
Kritik kommt auch von der Opposition. Nach Ansicht des umweltpolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion, Ludwig Wörner, sind Elektroautos „zu wenig energieeffizient“. Lediglich ein Fünftel der im Kraftwerk eingesetzten Energie werde von den Elektroautos in Fahrtgeschwindigkeit umgewandelt. Der Rest gehe bei der Stromerzeugung und beim Aufladen der Batterie verloren. „Das ist nur eine Brückentechnologie, die bestenfalls in den Ballungsräumen zum Einsatz kommen wird“. Er verweist auf die noch immer sehr kurzen Akkulaufzeiten der Elektroautos und die bei vielen Elektogefährten fehlenden Heizungen. Wörner mutmaßt: „Die Energiekonzerne werden ihren Strom nicht mehr los. Deshalb setzen CSU und die Industrie jetzt auf Elektroautos.“
Ludwig Hartmann, Umweltexperte der Grünen im Landtag, geht zwar davon aus, dass Elektroaustos langfristig „einen erheblichen Teil der Mobilität“ abdecken werden, kritisiert aber: „Wenn das Geld in die Fortentwicklung herkömmlicher Motoren gesteckt wird, kann weit mehr an CO2-Reduktion erreicht werden.“ Entsetzt über das CSU-Konzept ist die Umweltschutzorganisation Greenpeace. „Das sind reine Scheinaktivitäten, die sogar noch negative Folgen entwickeln können“, sagt deren Energieexperte Wolfgang Lobeck. Tests hätten ergeben, dass die derzeit verfügbaren Elektroautos – ein großer Teil des erforderlichen Stroms stammt aus Kohlekraftwerken – , das eineinhalb bis zweifache an Kohlendioxid in die Luft pusteten. Fortschritte bei der Batterietechnik seien mittelfristig kaum möglich.
Auch eine Studie des Heidelberger Umweltinstituts Ifeu im Auftrag des Bundesumweltministeriums kam 2008 zu dem Ergebnis, dass die Frage, wie der Strom erzeugt werde, darüber entscheide, wie umweltfreundlich Elektroautos sind. Ein Elektroauto, das mit heutigem „Normalstrom“ betrieben wird, erzeuge unter dem Strich fast genauso viel Kohlendioxid wie ein Auto mit Standard-Benzinverbrauch.
Anders sähe es allerdings aus, wenn die Elektrizität aus erneuerbarer Energie stammte: Dann würde der Ausstoß des Treibhausgases laut Ifeu-Studie um mehr als 90 Prozent sinken.

(TOBIAS LILL)

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