Politik

17.05.2013

Begossene Pudel

Ein Kommentar von Roswin Finkenzeller

Begossene Pudel
von roswin finkenzeller
Moral ist in der Politik zuweilen hochwillkommen. Bei moralischen Attacken kommt jeder Wähler intellektuell mit oder bildet sich das zumindest ein. Auch die Affäre um besonders geglückte Vereinbarungen von Ehe und Büro war erfreulich unkompliziert. Syrien, die Euro-Rettungen oder die gesetzlichen Krankenkassen strapazieren die Vorstellungskraft weitaus mehr als nahe und etwas entferntere Verwandte, die künftig einem Abgeordneten nicht mehr staatlich alimentiert zur Hand gehen dürfen.
In der Moral fühlt sich die SPD traditionsgemäß der Union überlegen und bringt das auch gern zum Ausdruck. Sozialdemokratischer Cantus firmus: Nun ja, auch wir machen Fehler, doch die besseren Menschen sind wir allemal. Ihr von der CDU/CSU mögt durchaus eure Verdienste und Fähigkeiten haben, aber so gut wie wir meint ihr es nicht mit der Gesellschaft. Hoffentlich haben jetzt jene SPD-Landtagsabgeordneten, die eine gemeinsame Erklärung von Kollegen aus allen Fraktionen unterschrieben, auch den vorletzten Satz gelesen, in dem es heißt, Einzelne sollten sich „gegenüber anderen moralisch nicht überhöhen“. Genau diesen Sport betreiben Genossen immer wieder. Vielleicht haben die bayerischen jetzt Angst, moralisches Hochgefühl im Süden könne irgendwo im Norden zum Bumerang werden.

Jetzt soll Waigel für die CSU Ehre einlegen


Klar ist, was Seehofer mit dem Auftrag an Theo Waigel bezweckt, einen Ehrenkodex auszuarbeiten: Dieser soll für die CSU Ehre einlegen. Selbst wenn der einstige Bundesfinanzminister mit einer vermutlich hochmoralischen Prosa soviel Pech haben sollte wie mit seinem Stabilitätspakt, kann wenigstens im Wahlkampf so getan werden, als sei die CSU Deutschlandmeisterin im Anstand. Warum aber benehmen sich unsere großartigen Abgeordneten alias unsere phantastischen Ehemänner wie die begossenen Pudel?
Warum erklären sie nicht, schon aus Zuneigung zu ihnen hätten sich die Frauen oder Verwandten für den Staat geradezu aufgerieben? Offenbar fürchten sie schallendes Gelächter. Vielleicht haben sie auch schon bemerkt, dass die scharf geänderten Gesetzestexte es verbieten, die Kusine, nicht aber die Geliebte einzustellen.

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