Politik

Hochschulwissenschaftler sind oft prekären Beschäftigungsverhältnissen ausgesetzt. (Foto: dpa)

19.03.2015

Bessere Arbeitsbedingungen an Hochschulen

Befristete Arbeitsverträge für Wissenschaftler sollen künftig mindestens eine Laufzeit von einem Jahr haben - der Opposition ist das nicht genug

Die Arbeitsbedingungen für Tausende Akademiker an bayerischen Hochschulen und Universitäten werden verbessert: Befristete Arbeitsverträge für Wissenschaftler sollen künftig mindestens eine Laufzeit von einem Jahr haben. Doktoranden sollen üblicherweise sogar für zwei bis vier Jahre beschäftigt werden, angehende Professoren für vier bis sechs Jahre. Diese Grundsätze vereinbarten Bayerns Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) und Hochschulvertreter heute in München. Extreme Kurzzeitbefristungen im Monatstakt gehören demnach für viele Wissenschaftler der Vergangenheit an.
Von den neuen Grundsätzen profitiert nach einer groben Schätzung des Ministeriums mehr als jeder dritte wissenschaftliche Mitarbeiter an den Hochschulen - oder gut jeder zweite befristet Beschäftigte im sogenannten akademischen Mittelbau, das ist die Ebene unter den Professoren. In absoluten Zahlen: 30 000 Beschäftigte gibt es in dem Bereich in Bayern insgesamt, mehr als 20 000 von ihnen sind befristet angestellt, für gut 10 000 gelten die neuen Regeln. Außen vor bleiben etwa befristet angestellte Projekt-Mitarbeiter.
Spaenle sprach von einer "wichtigen Wegmarke". Und auch Bernhard Emmer vom Landesverband Wissenschaftler Bayern sagte: "Insgesamt herrscht bei uns große Erleichterung, es herrscht auch Freude." Vor allem Nachwuchswissenschaftler könnten nun verlässlicher planen.
Beide Seiten betonten aber auch, dass Universitäten weiterhin flexibel agieren müssten, etwa wegen zeitlich befristeter Projekte, für die man Mitarbeiter brauche. "Wissenschaft als Bereich ist risikobehaftet und wird es auch bleiben", sagte Sabine Doering-Manteuffel als Vertreterin der bayerischen Universitäten. 

Bayern bleibt weit hinter den Empfehlungen des Wissenschaftsrats zurück

Wenig begeistert von den Vereinbarungen gab sich dagegen die hochschulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Isabell Zacharias. Sie seien nur der kleinstmögliche Schritt in die richtige Richtung. Die Abgeordnete bedauert, dass von der neuen Vereinbarung nur etwa die Hälfte der betroffenen Nachwuchskräfte profitiert. „97 Prozent der Beschäftigten an Hochschulen unter 40 Jahren haben einen befristeten Vertrag. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben bessere Arbeitsbedingungen verdient“, erklärte Zacharias. Sie appellierte an Spaenle und die Hochschulen, auch Tenure Tracks (die unbefristete Weiterbeschäftigung an der eigenen Hochschule) und unbefristete Stellen nach dem angelsächsischen Lecturer-Prinzip zu schaffen.
Michael Piazolo, Vorsitzender des Ausschusses Wissenschaft und Kunst im Bayerischen Landtag und hochschulpolitischer Sprecher der Freie Wähler Landtagsfraktion, sieht in den neuen Grundsätzen einen „längst überfälligen Schritt, aber bei Weitem keinen Grund zum Aufatmen“. Viele der jetzt gemachten Zusagen bekräftigten nur geltendes Recht beziehungsweise. hätten schon lange selbstverständlich sein müssen. Die wenigen darüber hinausgehenden Zusagen, wie das Bemühen um Überbrückungsfinanzierungen zwischen zwei Projekttätigkeiten, begrüßte Piazolo aber ausdrücklich. "Was wir aber vermissen, sind die Absage an die gängige Praxis der Last-Minute-Verlängerung, die Eröffnung von Karriereperspektiven unterhalb der Professur und die saubere Trennung zwischen naturgemäß befristeten Qualifizierungsstellen und Daueraufgaben im Wissenschaftsmanagement", sagte er. "Bayern bleibt damit hinter den Empfehlungen des Deutschen Wissenschaftsrats weit zurück."
Die Grünen im Landtag sprechen von einem "zaghaften Schritt". Die hochschulpolitische Sprecherin Verena Osgyan bedauerte, dass einige wichtige Fragen ungeklärt blieben. „Wie verbindlich ist die Vereinbarung für die Hochschulen? Was ist mit der prekären Beschäftigungssituation von Lehrbeauftragten? Und werden die Hochschulen künftig finanziell endlich besser ausgestattet?", fragt sie. „Wir werden die Umsetzung der Vereinbarung genau beobachten und fordern die CSU-Regierung zudem auf, sich auf Bundesebene für eine Überarbeitung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes einzusetzen.“(BSZ/dpa)

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