Politik

Reichertshofen: Brandanschlag auf einen ehemaligen Landgasthof, der als zukünftige Unterkunft für Asylbewerber vorgesehen war. (Foto: dpa)

16.07.2015

Brandanschlag auf bayerische Asylbewerberunterkunft

Ein halbes Jahr nach dem Anschlag von Vorra brennt in Bayern wieder eine geplante Flüchtlingsunterkunft

Unbekannte haben in der Nacht zum Donnerstag ein künftiges Asylbewerberheim in Oberbayern angezündet. Wie die Polizei mitteilte, wurde am frühen Morgen an zwei Eingängen des Gebäudekomplexes Feuer gelegt. Schmierereien seien nicht gefunden worden. "Ein fremdenfeindlicher Hintergrund ist nicht auszuschließen", sagte Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer. "Wenn es zwei Brandherde gibt, ist das ein deutlicher Hinweis auf Brandstiftung", betonte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Rande der Landtagssitzung in München. 

Von den mutmaßlichen Brandstiftern fehlte nach Polizeiangaben zunächst jede Spur, eine Sonderkommission wurde gegründet. Außerdem wurden Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamtes in München in die Ermittlungen eingebunden.

Sonderkommission und LKA suchen die Täter

Etwa um 2.50 Uhr in der Nacht hatte ein Nachbar die Einsatzkräfte alarmiert, weil er das Feuer in dem leerstehenden Gasthaus in Reichertshofen (Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm) entdeckt hatte. Die Ermittler stellten dann fest, dass am Haupteingang des Gasthofes und auch am Nebengebäude der Brand gelegt wurde.

Die Feuerwehr konnte die Flammen schnell unter Kontrolle bringen. Der Gastraum des früheren Landgasthofs brannte völlig aus, der Sachschaden beträgt mindestens 150 000 Euro. Das angrenzende Wohnhaus, in dem ab September Flüchtlinge untergebracht werden sollten, wurde weniger stark beschädigt. 

Hitzige Debatten und Proteste im Vorfeld

67 Asylbewerber sollten nach Angaben des Polizeisprechers am 1. September in der geplanten Unterkunft eine Bleibe finden. Im Ort hatte es allerdings hitzige Diskussionen über die Unterkunft gegeben. "Es gab Proteste aufgrund des geplanten Umfanges einer Unterbringung", sagte der Polizeisprecher. Ursprünglich hätten mehr als 100 Asylbewerber dort einziehen sollen, die Zahl sei aber dann reduziert worden. 

Die Asylbewerber sollen trotz des Anschlags wie geplant in die Unterkunft einziehen. "Das soll ein Signal an die Täter sein", sagte Landrat Martin Wolf (CSU). Spuren des Brandes sollen bis dahin vollständig beseitigt sein. Wenn die Renovierung länger dauere, werde sich der Einzugstermin verschieben. Im Hauptgebäude gebe es nach dem Feuer aber nur Rauch- und Rußschäden, die leicht zu beseitigen seien, sagte der Landrat.

Flüchtlinge sollen dennoch einziehen

Der oberbayerische Regierungspräsident Christoph Hillenbrand betonte, die ehrenamtliche Arbeit mit Flüchtlingen müsse weitergehen. "Sie ist wichtiger denn je." Der Bürgermeister von Reichertshofen, Michael Franken, hofft, "dass ein Ruck durch den Ort geht nach dem Motto: Jetzt erst recht".

Vor etwas mehr als einem halben Jahr hatten im mittelfränkischen Vorra zwei geplante Flüchtlingsunterkünfte gebrannt. Auch in anderen Teilen der Bundesrepublik gab es Vorfälle dieser Art: Im Mai brannte ein im Bau befindliches Flüchtlingsheim in Limburgerhof in Rheinland-Pfalz, im April legten Unbekannte in einer fast fertigen Flüchtlingsunterkunft in Tröglitz in Sachsen-Anhalt Feuer. (dpa)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (1)

  1. Bernd am 16.07.2015
    Ich habe den Eindruck, dass dies ne ganze Serie ist!

    Da war die Aussage der Regierung wohl falsch!

    Es scheinen wohl nicht alle Bürger mit der unbegrenzten Aufnahme einverstanden zu sein, nun gut, die nächsten Wahlen werden es schon richten.

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 33 (2017)

Soll die elektronische Gesundheitskarte abgeschafft werden?

Umfrage Bild
 

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 18. August 2017 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:


Wieland Dietrich,
Vorsitzender der Freien Ärzteschaft e.V.

(JA)


Melanie Huml (CSU), bayerische Gesundheitsministerin

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.