Politik

Was, wenn er am 16. März nun doch gewählt wird? Jakob Kreidl hat zwar erklärt, das Amt nicht anzunehmen - doch im Landkreis wünschen sich manche genau das. (Foto: dpa)

10.03.2014

CSU-Politiker schließen Wiederwahl von Landrat Kreidl nicht aus

Genau das wollte CSU-Chef Seehofer nicht: dass der Eindruck entsteht, seine Partei könne bei der Wahl des Miesbacher Affären-Landrates Kreidl ein Schlupfloch offenhalten und über Neuwahlen doch noch das Amt retten. Doch im Landkreis gibt es offene Sympathien dafür.

In der CSU wird offensichtlich die Wiederwahl des Miesbacher Affären-Landrates und Parteimitglieds Jakob Kreidl nicht ausgeschlossen. Zwar hat der 61-Jährige öffentlich erklärt, das Amt im Falle seiner Bestätigung nicht anzunehmen. Dies hält aber CSU-Mitglieder im Landkreis nicht davon ab, bei der Wahl an diesem Sonntag (16. März) Kreidl dennoch die Stimme zu geben. "Ich habe immer CSU gewählt", sagte am Montag der Miesbacher Stadtrat Dirk Thelemann, "ich gebe auch dieses Mal meiner Partei die Stimme." Die CSU sei nach wie vor die prägende politische Kraft im Landkreis.
Thelemann sieht sein Votum zugunsten der CSU, ohne die möglichen Konsequenzen in diesem besonderen Fall vor Augen zu haben. "Ich wähle wie sonst auch", sagte er lediglich. Schon am Wochenende hatte der Rechtsanwalt im "Miesbacher Merkur" geäußert, er schließe nicht aus, dass Kreidl zumindest in die Stichwahl kommt. Thelemann will sich bei seiner Wahlentscheidung auch nicht von CSU-Chef Horst Seehofer dreinreden lassen. "Es gibt keine ordre du mufti von oben."

Kreidl solle Landrat bleiben, sagen manche


Seehofer hatte gesagt, Kreidl dürfe die Landratswahl nicht als Schlupfloch für Neuwahlen nutzen. Er konnte wegen abgelaufener Fristen nicht mehr von der Bewerberliste genommen werden. Sollte er trotz der Ankündigung auf Amtsverzicht dennoch gewählt werden und Wort halten, käme es binnen drei Monaten zu einer Neuwahl. Die CSU könnte dann mit einem unverbrauchten Kandidaten ins Rennen gehen.
Daran will der kommissarische Miesbacher CSU-Kreisvorsitzende Alexander Radwan zumindest öffentlich nicht denken. "Eine Neuwahl ist nicht Thema und Ziel des CSU-Kreisverbandes", sagte der Bundestagsabgeordnete am Montag. "Wir führen keine Diskussion um einen Ersatzkandidaten." Andererseits ließ Radwan keinen Zweifel: "Wenn sich eine bestimmte Situation ergibt, müssen wir darauf reagieren."
Wenn es nach dem Schlierseer CSU-Mitglied Hans-Leo Popleau geht, braucht es diese Reaktion gar nicht. Der Hotelier tritt offen dafür ein, dass Kreidl trotz seiner Affären Landrat bleibt. "Es ist eine Schweinerei, wie mit Herrn Kreidl umgegangen wird", sagte Popleau der Heimatzeitung. Die Geburtstagsfeier habe der Landrat gar nicht gewollt. "Die haben andere organisiert." Kreidl müsse umgestimmt werden, "dass er das Amt doch noch annimmt". Eine Einmischung von Seehofer verbat sich Popleau: "Der hat hier nichts zu melden."
Kreidl war die Finanzierung der Feier zu seinem 60. Geburtstag gestolpert. Das Fest hatte fast 120 000 Euro gekostet, von denen die Kreissparkasse 77 000 und der Landkreis 33 000 gezahlt hatten. Inzwischen prüft die Regierung von Oberbayern, ob bei dieser Art von Sponsoring alles mit rechten Dingen zuging. Daneben geriet der Ex-Präsident des Bayerischen Landkreistages aber auch wegen seines aberkannten Doktortitels, der Verwandtenaffäre im Landtag und üppiger Nebenverdienste in die Schlagzeilen. Vorläufiger Schlusspunkt: Beim Bau seines Hauses in Fischbachau hielt sich Kreidl nicht an den genehmigten Plan. Das Landratsamt stoppte den Schwarzbau. (Paul Winterer, dpa)

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