Politik

In einem Pilotprojekt werden bereits Erdkabel als Ersatz für alte Hochspannungsleitungen verlegt. (Foto: dpa)

07.10.2015

CSU-Widerstand macht Energiewende teurer

Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) denkt jetzt zur Kostendämpfung über eine Begrenzung des Ökostrom-Ausbaus nach

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat den Beschluss des Bundeskabinetts zur weitgehenden Erdverkabelung der neuen Nord-Süd-Stromautobahnen begrüßt - und die zusätzlichen Milliardenkosten verteidigt. "Ich glaube, das ist eine richtige Entscheidung - ich sage epochal, weil damit auf der einen Seite die Energieversorgung im notwendigen Umfang gewährleistet ist, auf der anderen Seite aber weder die Menschen noch die Natur belastet sind", sagte Seehofer am Mittwoch in Ingolstadt. Wenn das Ganze im weiteren parlamentarischen Verfahren nicht verwässert werde, sei er damit sehr zufrieden.

Kritik wegen der milliardenschweren Zusatzkosten wies Seehofer zurück: Diese verteilten sich auf 30 Jahre. Und die maximale Belastung liege bei 0,1 Cent pro Kilowattstunde. "Das sollten uns die Menschen und die Natur wert sein." Seehofer hatte der Bundesregierung die Zustimmung zur teuren Erdverkabelung abgerungen.  

Die Bundesregierung geht davon aus, dass die streckenweise Erdverkabelung (bis zu 80 Prozent) der beiden Gleichstrom-Trassen "Suedlink" und "Südost" von Nord- nach Süddeutschland die Kosten um drei bis acht Milliarden Euro in die Höhe treibt. Das müssen private Stromkunden und die Industrie über höhere Netzentgelte bezahlen, was pro Haushalt vermutlich drei bis neun Euro mehr im Jahr bedeutet.

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) bringt gegen den Anstieg der Strompreise nun feste Ausbauquoten für Ökostrom ins Gespräch. Ein Umsteuern bei der Energiewende sei notwendig, sagte Aigner zum erwarteten neuerlichen Anstieg der Ökostrom-Umlage auf 6,4 oder 6,6 Cent pro Kilowattstunde.  

Aigner: "Ausbau der Windkraft schafft mehr Probleme als Nutzen"

"Der Kostentreiber bei den Strompreisen ist nicht der Netzausbau - auch nicht die vom Bundeswirtschaftsministerium mit vier Milliarden Euro errechneten Mehrkosten für die Erdverkabelung", betonte die CSU-Politikerin. Diese werde über Jahrzehnte finanziert. "Die Förderung der Erneuerbaren kostet in nur einem Jahr jetzt schon mehr als 21 Milliarden Euro und steigt jetzt erneut."

Beim Ausbau der erneuerbaren Energien müsse stärker auf die "Systemtauglichkeit" geachtet werden. "Ein unkontrollierbarer Ausbau der Windkraft im Norden etwa, der weit über dem liegt, was im EEG als Ausbauziel festgeschrieben ist, schafft mehr Probleme als Nutzen", sagte Aigner. "Deshalb brauchen wir eine bessere regionale Steuerung des Ausbaus etwa über eine Quote." Darüber hinaus müsse ernsthaft über eine Strompreisbremse nachgedacht werden, die den vor allem durch staatliche Umlagen getriebenen Anstieg der Verbraucherstrompreise effektiv stoppe. (dpa)

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Kommentare (2)

  1. Turid am 08.10.2015
    Frau Aigner hat m.E. die Situation voll erfaßt. Die CSU ist im Augenblick für mich die einzige Partei, die sich von den Öko-und Sozialromantikern nicht Sand in die Augen streuen läßt. Bitte weiter so!!
  2. Energievernunft am 08.10.2015
    Ich freue mich, dass unser anlässlich des "Bayer. Energiedialogs" geführte, heftige Kampf um die Wahrheit gegen eine Phalanx von Lobbyisten und anderen "Wende-Profiteuren" nicht ganz vergeblich war. Unsere Aussage war stets, dass der weitere Ausbau der Windkraft (wie auch der Photovoltaik) NULL Beitrag zur Lösung der bayerischen Grundlast-Problematik liefert. Diese Aussage wurde zwar während des Dialogs von fast allen Anwesenden inkl. der Ministerin kategorisch beiseite geschoben und bis hin zur Behauptung, wir seine bestimmt "Atomlobbyisten" kommentiert. Am Ende muss aber auch eine noch so "hirngewaschene" Ministerialbürokratie der Physik und dem Geldbeutel der Wähler Rechnung zollen. Auch angesichts der jetzt neu zu verbuddelnden Trassen steht die Frage "Welcher Windstrom wird denn dann bei Flaute im Norden durch die Trassen geleitet? Wie wird in solchen Fällen (oder auch bei einer mehrtägigen Trassenunterbrechung) die Grundlastversorgung von Bayern sichergestellt?" unbeantwortet im Raum. Ich bin sicher, dass weitere Erkenntnissprozesse noch folgen werden bis man zu der (je später, desto teureren) Erkenntnis erlangt, dass wetterabhängige Stromproduktion ohne bezahlbare Großspeicherung nicht funktionieren kann. Bis dahin sind aber mindestens 1.000 Milliarden an Volksvermögen auf dem Altar dieser undurchdachten und planlosen Katastrophenentscheidung "Energiewende" sinnlos geopfert worden. Man braucht sich nur die (nahezu unveränderten) CO2-Werte der deutschen Stromproduktion anzuschauen!

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