Politik

Am Sonntag (29. März) werden die Uhren um 2.00 Uhr auf 3.00 Uhr eine Stunde vorgestellt. Die Nacht ist damit eine Stunde kürzer. (Foto: dpa)

23.03.2015

CSU will Zeitumstellung abschaffen

Neuer Vorstoß der Politikerinnen Aigner und Niebler. Am Sonntag wird die Uhr wieder vorgestellt. Fragen und Antworten rund um den Zeitwechsel

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und CSU-Europagruppenchefin Angelika Niebler haben einen neuen Vorstoß gegen die Zeitumstellung gestartet. In der Bevölkerung gebe es eine breite Mehrheitsmeinung, den zweimaligen Wechsel pro Jahr zu streichen, erklärten die beiden CSU-Politikerinnen am Montag unter Berufung auf eine selbst initiierte Umfrage. Gespalten sei die Meinung der Bürger lediglich in der Frage, ob es dauerhaft bei der Winter- oder bei der Sommerzeit bleiben sollte. Für beide Varianten gebe es gute Gründe.
Aigner und Niebler räumten ein, dass eine Abschaffung der Zeitumstellung nur europaweit sinnvoll wäre. Mittlerweile sei das Thema aber auf europäischer Ebene angekommen, sagte Niebler. In dieser Woche befassten sich mehrere Ausschüsse des EU-Parlaments damit, und auch zwei Kommissare stünden der Idee offen gegenüber.
Am Sonntag (29. März) werden die Uhren um 2.00 Uhr auf 3.00 Uhr eine Stunde vorgestellt. Die Nacht ist damit eine Stunde kürzer. Am 25. Oktober 2015 endet die Sommerzeit dann wieder.

"Wer hat an der Uhr gedreht?" - Wissenswertes zur Zeitumstellung

Zeitumstellung - was heißt das eigentlich?
Seit 1996 stellen die Menschen in allen EU-Ländern einheitlich die Uhren am letzten Sonntag im März eine Stunde vor und am letzten Oktober-Sonntag wieder eine Stunde zurück. In Deutschland sendet die von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig programmierte Atomuhr das Signal - für die Uhren der Deutschen Bahn ebenso wie für die Funkuhr daheim. Die juristischen Grundlagen regelt das "Gesetz über die Einheiten im Messwesen und die Zeitbestimmung".

Wann gab es in Deutschland zum ersten Mal Sommerzeit? 
Von 1916 bis 1918. Das Kaiserreich wollte während des Ersten Weltkrieges die Arbeitskraft in der Rüstungsindustrie durch mehr Tageslicht besser nutzen. Auch von 1940 bis 1949 galt die Sommerzeit. 1947 wurden die Uhren gar zwei Stunden vorgestellt, um nach dem Zweiten Weltkrieg mehr Tageslicht beim Wiederaufbau der Infrastruktur zu haben. Unter dem Eindruck der Ölkrise von 1973 rückte die Sommerzeit erneut in den Fokus und wurde 1980 wieder eingeführt -zeitgleich mit der DDR. Das Ziel: Energie sparen. 

Warum war es wichtig, die Zeit zu vereinheitlichen?
Wenn es heute in Deutschland 12.00 Uhr ist, schlagen die Uhren überall zur selben Zeit. Im 19. Jahrhundert war das noch anders: Große Städte legten ihre Zeit selbstständig nach dem Stand der Sonne fest. An verschiedenen Orten des Deutschen Reiches gingen die Uhren also jeweils ein paar Minuten anders, es gab 60 unterschiedliche Zeitzonen. Das bereitete den Eisenbahngesellschaften im alltäglichen Betrieb Probleme. Mit der Entwicklung von Eisenbahnnetz und Telegrafie wurde eine einheitliche Zeit immer wichtiger.

Wie wurde das politisch umgesetzt?
Am 1. April 1893 trat im Deutschen Reich ein entsprechendes Gesetz in Kraft: Die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) löste die unterschiedlichen Ortszeiten ab. Zuvor hatte eine Konferenz in Washington die Welt 1884 in 24 Zeitzonen eingeteilt und damit die Basis zur Vereinheitlichung der Zeit geschaffen. Seitdem verläuft der Nullmeridian durch das Observatorium von Greenwich bei London und gibt die Weltzeit (UTC) an. In Deutschland rechnen wir im Winter eine Stunde hinzu - und zwei Stunden, wenn am 29. März um 02:00 Uhr die Zeiger auf Sommerzeit (MESZ) vorgestellt werden.

Wird durch die Zeitumstellung wirklich Energie gespart?
Nein, sagt das Umweltbundesamt. Zwar knipsen wir durch die Zeitumstellung im Sommer tatsächlich abends weniger häufig das Licht an - im Frühjahr und Herbst jedoch wird in den Morgenstunden dafür mehr geheizt. Unter dem Strich gibt es durch die Sommerzeit allein keine Ersparnis. (dpa)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (5)

  1. promez am 23.03.2015
    Für beide Varianten, dauerhafte Winterzeit oder dauerhafte Sommerzeit gebe es gute Gründe? Ich muss da entschieden widersprechen, weil ich meine, die Gründe sind zumindest unter gesundheitlichem Aspekt ausschließlich für die Winterzeit gut:
    1) Der Neurobiologe und Wissenschaftsjournalist Peter Spork weist in seinem Buch "Wake up - Aufbruch in eine ausgeschlafene Gesellschaft", erschienen Ende September 2014, darauf hin, dass die Sommerzeit (die als normale Uhrzeit nach Ost- und nicht nach Mitteleuropa gehört) ein sieben Monate lang falsches Signal der "sozialen Uhr" für die innere Uhr des Menschen, die dem Lauf der Sonne folgt, sendet (so Spork auch schon in "bild der wissenschaft online" 4/2010, Artikel "Weg mit der Sommerzeit!"). Dadurch entsteht, so der Autor, eine Verschiebung der Balance zwischen innerer und äußerer Zeitmessung: Sie bewirkt, dass man abends nicht rechtzeitig müde wird, morgens aber trotzdem eine Stunde früher aufstehen muss. Das Ergebnis ist chronischer Schlafmangel mit der Gefahr langfristiger ernster Erkrankung. Im Winter wäre dauerhafte Sommerzeit besonders verheerend, da die innere Uhr, aus welcher der Mensch seine Energie bezieht, bei viel zu langer Dunkelheit am Morgen gleichsam noch "schläft", man aber dann schon leistungsfähig sein soll. Die genetisch im Menschen verankerte innere Uhr lädt sich aber erst während der Morgendämmerung bis zum Mittag hin mit zunehmender Beschleunigung mit Energie auf. Danach kommt es bis zum Abend nach und nach wieder zur Verlangsamung bis zur Einstellung auf Schlaf.
    2) Für die Folgen einer solchen Missachtung des von der inneren Uhr gesteuerten Rhythmus' gibt es mittlerweile ein ganz praktisches Beispiel: Russland hatte bereits in der Zeit von 2011 bis Oktober 2014 unter Präsident Medwedjew ganzjährig auf Sommerzeit umgestellt. Das desaströse Ergebnis bestand in einer deutlichen Zunahme von Depressionen bis hin zu Selbstmorden (vgl. z. B. "Sommerzeit macht Russland fertig: Selbstmorde steigen - Russen wollen Winterzeit zurück in: Focus online vom 26. 12. 2012). Konsequenz: Ende Oktober vorigen Jahres wurde die Uhr nach Duma-Beschluss vom Juli 2014 einmalig auf Normalzeit zurückgestellt, die fortan dauerhaft gilt. Es ist zu hoffen, dass die EU sich dieser Maßnahme endlich anschließt.
    Denn es kann doch wohl nicht sein, dass wissenschaftliche Ergebnisse (Spork beruft sich dabei auf die Forschungen des Chronobiologen Professor Till Roenneberg von der Universität München), die sich in der geschilderten Weise in der Praxis bereits bestätigt haben, schlicht ignoriert werden. Das würde ja bedeuten, dass mit einer Befürwortung ganzjähriger Sommerzeit exakt der Fehler, den Russland kürzlich ausgemerzt hat, in Europa nunmehr überhaupt erst begangen würde! Also: nichts wie fort mit jeglicher Uhrzeiteinstellung, die auf der Basis der uns bislang aufgebürdeten Sommerzeit zu tun hat. Die ganzjährige Mitteleuropäische Normalzeit MEZ, auch als Winterzeit bezeichnet, die von 1950 bis 1979 galt, gehört wieder eingeführt!
  2. Zitrone am 24.03.2015
    Alles spricht dafür, nichts dagegen dauerhaft wieder die "Normalzeit" einzuführen. Warum geschieht es nicht? Eine kostenlose Entscheidung- selten genug - die zig Millionen helfen würde. Das wäre doch mal ganz was neues.
  3. chris am 24.03.2015
    ich schließe mich dem Vorkommentator promez ganz und voll an !!! Habe auch das Buch Wake up. Wer das ignoriert, ist wahrscheinlich nicht richtig informiert oder ein riesengroßer Egoist. Wer morgens eher aufstehen will, kann das ganz allein für sich tun, allen anderen steht das Grundrecht auf freie Zeitbestimmung zu.Und wer denkt an die armen Kinder, denen ein bei Normalzeit schon früher Schulbeginn schlecht bekommt ? Wer denkt an die vielen Wildtiere, die bei vorverlegter Rushhour zu vielen Tausend überfahren werden ? Wer denkt an die vielen Menschen, die bewußt und unbewußt durch die Sommerzeit Zivilisationskrankheiten dauerhaft entwickeln ? Wer kann den gescheiterten Versuch von Russland ignorieren, in permanenter Sommerzeit zu vegetieren? Der Tag ist bei SZ verschoben und der Abend ist nicht länger, sondern endet 1 Stunde früher, es wird früher spät und später kühl im Sommer, auch hier leiden die Kinder, die nicht einschlafen können, morgens aber früher aufstehen müssen, und im Winter würde es erst um 9.30 hell sein, auch hier müssten Kinder lange Monate im Dunkeln zur Schule gehen. Kein Tier und keine Pflanze würde seine Zeit freiwillig nach vorn verlegen. Wir brauchen nicht die Ortszeit von Kiew !! ZURÜCK zur dauerhaften NORMALZEIT MEZ (fälschlicherweise als Winterzeit bezeichnet ).
  4. octavian986 am 26.03.2015
    Wenn doch ohnehin immer wieder davon berichtet wird, dass das eigentlich angedachte Ziel, eine Energieersparnis, nicht erreicht wurde, warum wird dann nicht dauerhaft auf MEZ umgestellt und gut ist?
  5. Horst am 28.03.2015
    Dauerhaft Sommerzeit, das ist ein Unsinn. Wenn die Leute früher arbeiten wollen, das kann man doch ausmachen. Die Firma stimmt ab, dann geht es halt statt 8:00 um 7:00 los. Dazu braucht es keine verlogene Zeitverschiebung.
    Die "Sommerzeit" - den Tag künstlich verlängern - wurde eingeführt, um Energie zu sparen. Hat nicht funktioniert. Jetzt sollte man endlich mal das Umgekehrte erproben - die Nacht künstlich verlängern - um Energie zu sparen. Im Sommer soll Normalzeit gelten und im Winter um eine Stunde zurück. So wird es früher dunkel, es wird mehr geschlafen, das ist gesünder und spart Energie.

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 42 (2017)

Sollen Arbeitnehmer das Recht haben, auf eine 28-Stunden-Woche zu reduzieren?

Umfrage Bild
 

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 20. Oktober 2017 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

Jürgen Wechsler, Bezirksleiter IG-Metall Bayern

(JA)

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.