Politik

28.02.2014

Das Kreidl-Fiasko

Ein Kommentar von Waltraud Taschner

Eine elegante Lösung schaut anders aus. Aber um Stilfragen ist es in der Causa Jakob Kreidl auch am Schluss nicht gegangen. Die CSU war, knapp drei Wochen vor der Kommunalwahl, allein an Schadensbegrenzung interessiert. Nur so ist der in der CSU-Geschichte singuläre Schritt zu erklären, dass der gesamte Parteivorstand den in die Schusslinie geratenen Miesbacher Landrat Kreidl auf Geheiß des Parteivorsitzenden Seehofer zum Rückzug gedrängt hat. Weil ein Verzicht auf die Kandidatur rechtlich aber gar nicht mehr möglich war, musste die bizarre Lösung her, dass Kreidl vorsorglich erklärt, er werde die Wahl, selbst wenn er sie gewinnt, nicht annehmen.
Natürlich ist man hinterher immer schlauer. Dennoch ist schon verwunderlich, dass offenbar keiner aus dem CSU-Establishment die Brisanz der Plagiatsvorwürfe gegen Kreidl erkannte. Immerhin waren wegen teils abgeschriebener Doktorarbeiten in der Vergangenheit selbst Bundesminister zurückgetreten. Doch die CSU sah zu, wie Kreidl sich erneut zum Landratskandidaten nominieren ließ. Und ließ den eitlen Landrat auch nach Bekanntwerden weiterer Seltsamkeiten gewähren: der Tatsache, dass er in die Verwandtenaffäre des Landtags verstrickt war, weil er seine Frau im Abgeordnetenbüro beschäftigt hatte, die absurd teure Geburtstagsparty, welche die örtliche Kreissparkasse ebenso bezuschusst hatte wie die Renovierung von Kreidls Arbeitszimmer.

Der Landrat war so eitel wie uneinsichtig


Ein Berg von Affären und Affärchen, von denen jede(s) für sich vielleicht hingenommen worden wäre. Vorausgesetzt, das Krisenmanagement hätte gestimmt – doch Kreidl sah sich weder zu einer Entschuldigung veranlasst noch dazu, rechtzeitig eine namhafte Summe der 120 000 Euro teuren Geburtstagsfeier zurückzuzahlen. Sein lange währendes Pochen darauf, rechtlich sei alles einwandfrei, belegt: Er besitzt kein politisches Fingerspitzengefühl und hat nicht verstanden, dass sich die Usancen der Political Correctness geändert haben. Neben Kreidl ist jetzt auch die zuständige Bezirksvorsitzende Ilse Aigner blamiert, die sich ankreiden lassen muss, den wildgewordenen Landrat nicht beizeiten gebändigt zu haben.
Fingerspitzengefühl sollten nun auch die Sparkassen im Land beweisen: indem sie im Wege einer Selbstverpflichtung die finanziellen Verstrickungen mit der Politik lösen. Mehrtägige Vergnügungsausflüge unter dem Deckmantel Dienstreise müssen ebenso wenig sein wie ausschweifende Geburtstagsfeiern und andere Wohltaten für Kommunalpolitiker. Ihr Geld können die Sparkassen auch honoriger loswerden. Indem sie für wohltätige Zwecke spenden oder Kultur-, Breitensport- und Bildungsprojekte sponsern.

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Kommentare (1)

  1. Zitrone am 03.03.2014
    Da hat der damalige Landrat Roland Schwing des Landkreises Miltenberg, jetzt im Präsidium des Landkreistags, bei seinem 50igsten aber Glück gehabt. Im Boten vom Untermain nannte der Pressesprecher einen Betrag von ca. 30.000 DM vor der Feier bei ca. 300 geladenen Gästen und rd. 100 Darstellern und Musikern. Die wahren Kosten sollten zwar aufgrund des öffentlichen Protests durch die Landkreisverwaltung ermittelt und veröffentlicht werden. Dies ist jedoch nie geschehen. Unklar bileb auch wer neben dem Steuerzahler die Kosten mitgetragen hat.

    Ein schönes Beispiel auch für das Buch von Hans Herbert von Arnim "Die Selbstbediener. Wie bayerische Politiker sich den Staat zur Beute machen".

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